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Göttingen Gericht verurteilt im Schnellverfahren zwei Schleuser aus Italien
Die Region Göttingen Gericht verurteilt im Schnellverfahren zwei Schleuser aus Italien
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18:38 30.10.2013
Von Jürgen Gückel
Zwölf Menschen im Auto: Unter Pappe verbergen sich Flüchtlinge. Quelle: Vetter
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Göttingen/Bovenden

Zehn der Menschen erwiesen sich als Flüchtlinge aus Syrien, zwei Italiener als deren Schleuser. Am Mittwoch wurden diese im Schnellverfahren verurteilt.

Anfangs hatten die 27 und 28 Jahre alten Männer noch alles bestritten; am Ende bedankten sie sich überschwänglich für das Urteil. Denn sie durften frei den Gerichtssaal verlassen. Ihre Strafe – fünf Monate Gefängnis wegen Einschleusung von Ausländern – wird zur Bewährung ausgesetzt. Jeder von ihnen hat 900 Euro Geldauflage zu zahlen.

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Ihr Auto, der verkehrsuntüchtige Transporter, wird als Tatmittel eingezogen und von der Polizei verschrottet. Und die beiden Männer, die zwar die italienische Staatsbürgerschaft haben, ursprünglich aber aus dem arabischsprachigen Raum (Ägypten und Marokko) stammen, dürfen für die Dauer der Bewährungszeit Deutschland nicht mehr betreten – andernfalls droht Haft.Dabei hatten sie zunächst alles bestritten. „Ich wollte nur Gutes tun“, beteuerte der Fahrer. Und er fleht: „Schicken Sie mich nach Italien, ich will Deutschland nie mehr betreten.“

Zum Autokauf nach Parensen

Die beiden Angeklagten, die nach der Entdeckung sofort festgenommen und dann in Haft genommen wurden, waren in einem beschleunigten Verfahren vor Gericht gestellt worden.  Dem Richter tischten sie eine tolle Geschichte auf, die ihnen niemand glaubte.

Demnach seien sie nach Deutschland gefahren, um in Parensen ein Auto zu kaufen. Ein Zettel mit dem Namen eines Händlers sollte das beweisen. Geld für ein Auto hatten sie freilich nicht bei sich. Der eine Angeklagte kann nicht einmal fahren und kennt den Autohändler nicht. Von Frankreich aus seien die beiden Italiener gen Norden gefahren.

Bei Frankfurt, so behaupten sie, soll die zehnköpfige Flüchtlingsgruppe auf einem Rastplatz gestanden und um Mitnahme bis zur dänischen Grenze gebeten haben. Die Frauen hätten „herzerweichend geweint“, so dass sie geholfen hätten. Sie hätten den Kindern sogar zu essen gekauft, geben sie an – aus Mitleid.

Flüchtlinge unauffindbar

So menschenfreundlich, sagt Richter Oliver Jitschin, sei das aber wohl nicht, zehn Menschen eingepfercht im Laderaum zu transportieren. Ein Kleinkind musste gar im Fahrerraum stehend reisen. Gut, dass die Polizei sie befreit habe, sagte der Richter.

Und auch gut, dass ein Lastwagenfahrer die Polizei rief, als er sah, dass in jener Nacht bei Bovenden ein Dutzend Menschen aus einem Transporter stieg, sich die sieben Erwachsenen und drei Kinder die Beine vertrat und wieder in den Laderaum krabbelten.

Übrigens: Die zehn geschleusten Syrer konnten vom Gericht nicht als Zeugen gehört werden. Acht von ihnen waren bereits am Wochenende aus dem Grenzdurchgangslager Friedland wieder verschwunden. Zwei haben zwar Asylantrag gestellt, sind aber auch nicht mehr auffindbar. Sie alle hatten angegeben, als Bürgerkriegsflüchtlinge auf dem Weg nach Schweden zu sein.