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Göttingen Göttinger Geschichtsverein kritisiert Umzugspläne für Städtisches Museum
Die Region Göttingen Göttinger Geschichtsverein kritisiert Umzugspläne für Städtisches Museum
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00:53 02.08.2014
Von Michael Brakemeier
„Preußische Dutzendware“: die ehemalige Voigtschule an der Bürgerstraße. Quelle: Hinzmann
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Göttingen

Unterzeichnet haben den Brief für Vorstand und Beirat der Vorsitzende Peter Aufgebauer, Stadtarchäologin Betty Arndt, Arne Butt, Frauke Geyken, Jürgen Seebode und Jessica Wichner. Zum Vorstand des Geschichtsvereins gehört auch Museumsleiter Ernst Böhme.

Hintergrund ist ein Vorschlag von Oberbürgermeister Wolfgang Meyer (SPD). Nach den gescheiterten Verkaufsverhandlungen über die Häuser Bürgerstraße 13 und 15 hatte er im April einen möglichen Umzug des Museums ins Spiel gebracht, den auch Meyers Amtsnachfolger Rolf-Georg Köhler (SPD) ausdrücklich befürwortet.

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Es sei ein Skandal, so heißt es in dem Brief des Geschichtsvereins, dass bei den Standortüberlegungen die Zukunft des „höchst bedeutsamen Denkmalensembles am Ritterplan“ nicht mit einbezogen und öffentlich diskutiert worden sei. Die Idee, dort „studentisches Wohnen“ unterzubringen, sei „abwegig“.

Sanierung der Museumsgebäude

Der Verein fürchtet zudem, dass bislang geflossene Fördermittel vom Bund für die Sanierung der Museumsgebäude im Ritterplan zurückgezahlt werden müssten. Auch habe die ebenfalls unter Denkmalschutz stehende ehemalige Voigtschule – laut Verein „preußische Dutzendware des 19. Jahrhunderts“ – erhebliche Nachteile: Als Baudenkmal sei sie von nicht annähernd vergleichbarem Rang, sie sei nicht barrierefrei, nicht in den „touristischen Lauf der Innenstadt“ integriert.

Der Verein fürchtet, dass der Umbau der Schule „nicht vergleichbar aus öffentlichen Mitteln“ gefördert wird. Zudem sei sie 500 Quadratmeter kleiner als das Areal – „eine dramatischere Verschlechterung für das Museum“. Auch Kulturdezernentin Dagmar Schlapeit-Beck (SPD) hatte zu Beginn der Debatte diesen Nachteil erwähnt.

Die Stadt widerspricht nun den Darstellungen des Vereins – und damit auch der Aussage der Kulturdezernentin: Flächenmäßig bestehe am Standort Bürgerstraße „ein nicht unerheblicher Flächenüberhang“ gegenüber dem Ritterplan, sagt Verwaltungssprecher Detlef Johannson.

Denn bei der Größenordnung der Objekte irre sich der Verein „gewaltig“: So stünden am Ritterplan an Netto-Grundflächen rund 2700 Quadratmeter zur Verfügung, in der ehemaligen Voigtschule seien es 3250 Quadratmeter.

Keine Rückzahlungsverpflichtungen

Weiter erläutert Johannson: „Die Zuwendung wurde zur Mängelbeseitigung an einem Baudenkmal beantragt, nicht zur Sicherung des Betriebs eines Museums.“ Es ergäbe sich auch nach Durchsicht der Bescheide und Nebenbestimmungen wegen der Mittel des Bundesministeriums für Kultur keine Rückzahlungsverpflichtungen.

Das Landesamt für Denkmalpflege bestätige die Einschätzung. An Städtebauförderungsmitteln stünden rund 2,4 Millionen Euro zur Verfügung, die sich aus jeweils gleich hohen Dritteln des Bundes, des Landes und der Stadt zusammensetzten.

Das Thema Fördermittel sei Bestandteil des laufenden Prüfungsprozesses. „Da mag doch auch der hoch geschätzte Geschichtsverein zunächst das Ergebnis dieser Prüfung abwarten, bevor er sich so vehement äußert“, sagt Johannson.

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