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Göttingen Göttinger Gymnasien sagen Reservierungstage ab
Die Region Göttingen Göttinger Gymnasien sagen Reservierungstage ab
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00:23 27.04.2019
Die Schulleiter der fünf Göttinger Gymnasien fordern einheitliche Anmeldetermine (v.l.): Michael Brüggemann (FKG), Dr. Wolfgang Schimpf (MPG), Rita Engels (OHG), Dr. Ulrike Koller (THG) und Georg Bartelt (HG). Quelle: Christina Hinzmann
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Göttingen

Nach dem Intermezzo mit synchronen Anmeldeterminen der Viertklässler aus den Grundschulen für die Göttinger Gesamtschulen und Gymnasien im Vorjahr ist die Stadt als Schulträger zu gestaffelten Anmeldungen zurückgekehrt. Als Replik darauf, dass die Termine für die Gesamtschulen wieder vorgezogen werden, hatten die Gymnasien wie bereits 2017 zeitgleich sogenannte Reservierungstage vorgesehen, sehen davon nun aber doch ab. Die Schulleiter begründen das mit formaljuristischen Einschränkungen nach einer Intervention der Gesamtschulen bei der Landesschulbehörde und Vermeidung einer zusätzlichen Verunsicherung, Belastung und doppelter Wege für die Eltern.

Dr. Wolfgang Schimpf (MPG) Quelle: Christina Hinzmann

„Privileg für Gesamtschulen

„Die Reservierungstage, die nach Interpretation der Gesamtschulen und Bestätigung durch die Schulbehörde die Staffelung der Anmeldetermine de facto unterlaufen hätten, sollen nicht den Anschein von Verbindlichkeit erwecken“, sagt Wolfgang Schimpf. Zugleich kritisiert der Leiter des Max-Planck-Gymnasiums die gestaffelte Anmeldepraxis als nicht vertretbar und verweist darauf, dass die Reservierungstage 2017 auf hohe Akzeptanz gestoßen seien. Die Göttinger Gesamtschulen würden auf dem vom Schulträger eingeräumten Privileg vorgezogener Anmeldungen bestehen, obwohl es dafür in einem System zweier gleichberechtigter Schulformen keinen sachlichen Grund gebe.

Michael Brüggemann (FKG) Quelle: Christina Hinzmann

„Wir wollen kein Privileg proklamieren, aber einen fairen Wettbewerb mit Gleichbehandlung von Eltern statt eines regulierten Wettbewerbs“, ergänzt Michael Brüggemann, der das Felix-Klein-Gymnasium leitet: „Reservierungstage, die in dieser Form ihren Namen nicht verdienen, wollen wir nicht auf dem Rücken von Kindern und Eltern durchziehen.“ Brüggemann erinnert auch an das Chaos im Vorjahr. Um den einheitlichen Anmeldetermin zu unterlaufen, habe sich der damalige Leiter der Integrierten Gesamtschule (IGS) Geismar bei der Anmeldung mit Zeugniskopien begnügt. Eltern, die ihre Kinder zeitgleich am Gymnasium angemeldet hatten, konnten sich dort nach Zusicherung eines IGS-Platzes das Originalzeugnis wiederholen. Das Tohuwabohu mündete in einem Disziplinarverfahren gegen den damaligen IGS-Leiter, das im Dezember ohne Folgen für den Schulleiter eingestellt wurde. Für 2019 legte der inzwischen ausgeschiedene Göttinger Schuldezernent Siegfried Lieske wieder getrennte Anmeldetermine fest – für die Gesamtschulen am 13./14. Mai, für die Gymnasien am 20./21. Mai.

Schuldezernentin verteidigt Terminstaffelung

Die Staffelung für verschiedene Schulformen sei mit der Schulbehörde geklärt und rechtlich zulässig, sagt auch seine Nachfolgerin Maria Schmidt. Sie zeigt zwar Verständnis für die Position der Gymnasien und sich offen für neue Diskussionen, will aber trotz Entzerrung der überlaufenen Gesamtschulen durch die seit 2009/2010 erfolgte Umwandlung der Haupt- und Realschule in Bovenden in eine IGS und die 2015 gestartete IGS in Weende vorerst am bewährten Verfahren der Vergangenheit festhalten. Reservierungstage würden nicht eine formale Anmeldung ersetzen. „Wir haben eine produktive Konkurrenz zwischen Gymnasien und Gesamtschulen, die zu guten Schulen in Göttingen führt“, sagt Schmidt, würde sich aber mehr Miteinander wünschen.

Kritik an Kapazitäten und Durchmischung

Dr. Ulrike Koller (THG) Quelle: Christina Hinzmann

Das wünschten sich auch die Schulleitungen der fünf Gymnasien, die Rivalitäten untereinander abgelegt hätten und inzwischen an einem Strang ziehen würden, sagt Ulrike Koller (Theodor-Heuss-Gymnasium). Durch die Intervention der Gesamtschulen sei der Weg dahin aber wieder steiniger geworden: „Wir sind nicht dazu da, die Probleme der Gesamtschulen zu lösen.“ Bei einheitlichen Anmeldeterminen würde zuerst die Schule der Wahl angesteuert, dann könne nachgesteuert werden, meint Koller: „Bei zwei Terminen sieht das ganz anders aus.“

Georg Bartelt (HG) Quelle: Christina Hinzmann

Als Geburtsfehler der verfahrenen Situation in Göttingen bezeichnet Schimpf die „erzwungene Zweigliedrigkeit“, die Kapazitäten, Schülerströme und -durchmischungen nicht berücksichtigt und zu rechtlichen Grauzonen geführt habe. An den Gesamtschulen hätten mehr Plätze für bisherige Haupt- und Realschüler geschaffen werden müssen. Die Gymnasien dürften nicht zu Verschiebebahnhöfen werden, meint Georg Bartelt (Hainberg-Gymnasium).

Rita Engels (OHG) Quelle: Christina Hinzmann

Und Rita Engels (Otto-Hahn-Gymnasium) bedauert, dass das pädagogische Problem einer angemessenen Beschulung der Kinder bei der Diskussion völlig ins Hintertreffen gerate.

Die Reduzierung der Zügigkeit an der IGS Bovenden betrachtet Koller als Hilferuf. Die Gesamtschulen, die von Angebots- zu Regelschulen geworden seien, würden unter massivem Druck stehen. Die geplante Etablierung einer Oberschule in Göttingen sei das Eingeständnis des Scheiterns der Zweigliedrigkeit, meint Schimpf und befürchtet, dass die Oberschule zu einer „Resterampe“ wird.

Von Kuno Mahnkopf

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