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Göttingen Göttinger Handel bietet mit Online-Shops der Corona-Pandemie die Stirn
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Göttinger Handel bietet mit Online-Shops der Corona-Pandemie die Stirn

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12:30 14.01.2021
Das Team vom Göttinger Café Cortés (von li.): die Betreiber Rahel Winterstein und Johann Kruse, Azubi Gesa Tolksdorf, Konditormeisterin Julika Rudolph und Restaurantleiter Moritz Klenke. Quelle: Meinhard
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Göttingen

Wenn Lebensgenuss auf Corona trifft, ist der Verdruss nicht weit. Beinahe alles, was Spaß macht, ist derzeit nicht möglich. Und sei es einfach das Stück Torte im Lieblingscafé. Darunter leiden nicht nur die per Verordnung verhinderten Kunden. Ihr behördlich angeordnetes Ausbleiben bringt die Restaurant- und Café-Betreiber womöglich in existenzielle Nöte – aber auf jeden Fall empfinden sie Mangel: den Mangel an Menschen.

„Nichts ist schöner als ein Gast, der mit Vorfreude in ein Café kommt und beim Verlassen noch glücklicher ist“, sagt Johann Friedrich Kruse. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Rahel Winterstein betreibt er das Göttinger Café Cortés. „Wir sitzen hier in leeren Räumen“, schildert er die Situation in Lockdown-Zeiten. Solch eine gastronomische Einrichtung mit ihrer Auswahl an Torten und Kuchen und italienischer Kaffee-Vielfalt stehe für Lebensgenuss und menschliches Beisammensein. „Genau das vermissen wir. Es ist wie Fernweh nach unseren Kunden“, vergleicht Kruse. Einige treffe er bei Lieferungen wieder, sagt er, und macht damit auf den seit mehreren Monaten bestehenden Online-Shop und die mit ihm verbundene Auslieferung aufmerksam.

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In Rekord-Zeit Online-Shops aufgebaut

„Die Innenstädte sind leer. So soll es auch sein. Wir alle möchten unseren Beitrag für ein schnelles Ende der Pandemie und für verantwortungsvolles Handeln in diesen Zeiten leisten“, stellt der Geschäftsinhaber klar. Um das Café weiter betreiben zu können, setzt Cortés auf das Internet. Sehr viele Göttinger Einzelhändler hätten in Rekord-Zeit Online-Shops aufgebaut, sich ein Instagram-Profil oder eine Facebook-Seite erstellt, wissen Kruse-Wintersteins. So könnten sie weiterhin für ihre Kunden erreichbar sein.

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Von „Click & Collect“ bis Telefon-Shopping via Schaufenster seien dem Ideenreichtum kaum Grenzen gesetzt. Bars etwa bieten Online-Tastings an und entwickeln neue Cocktail-Rezepte, die sie mit ihren Followern teilen. „In der Weihnachtszeit haben wir unser leeres Café dem Göttinger Symphonieorchester zur Verfügung gestellt und vier wunderbare kleine Advents-Konzerte geschaffen“, freut sich der 40-jährige Inhaber über Idee und Ergebnis.

„Wir sind das Göttinger Stadtbild“

Jeder versuche, seinen Kunden nicht nur die Zeit der Einschränkungen so unterhaltsam wie möglich zu gestalten, sondern auch präsent zu bleiben und unkompliziert lokalen Konsum anzubieten. „Denn davon leben wir“, betont Kruse. Seine Frau fasst zusammen: „Wir sind inhabergeführte Restaurants, Bars, Kneipen, Cafés und Einzelhändler. Wir sind das Göttinger Stadtbild. Wir sind das Lebensgefühl, was wir einmal hatten, als wir uns noch mit Freunden in der Stadt getroffen haben. Wir sind die Erinnerungen an Studienzeit, Schulferien und Städtetrips. Wir wollen bleiben.“

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Der Online-Shop ermöglicht das Bleiben. Kuchen bequem per Mausklick zu bestellen und sich unkompliziert und schnell liefern zu lassen, sei mittlerweile mehr als eine Notlösung: „Es entwickelt sich zu einem nachhaltigen Angebot, das Corona überdauern wird“, ist sich der Betriebswirt sicher. Fest steht für ihn auch: „Der Einzelhandel muss offline und online präsent sein.“

„Für einen positiven Start 2021“

Froh sind Kruse-Wintersteins darüber, dass sie ihre Leute halten konnten: keine Entlassungen. Gerne wollten auch sie etwas geben. Zum zweiten Mal in der Pandemie-Zeit haben sie dem Pflegepersonal der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) eine, wie sie sagen, Genuss-Moralerhaltungs-Lieferung zukommen lassen. Über 40 kleine Berliner, Zitronenrollen, herzhaftes Finger-Food und Kekse gingen an die Covid-19-Nachsorgestationen. „Damit wollen wir nicht nur die Leistung und den Einsatz über die Feiertage wertschätzen, sondern auch einen Lichtblick geben, als Zeichen für einen positiven Start in das Jahr 2021“, spricht Kruse für sein gesamtes Team.

Renner ist der vegane Schokokuchen

Über den Youtube-Kanal des Göttinger Symphonieorchesters (GSO) sind alle im Café Cortés aufgenommenen Konzerte verfügbar. Der Online-Shop des Cafés ist unter www.cafe-cortes.de abrufbar. Im Angebot finden sich mehrere vegane Torten und Kuchen (etwa 30 Prozent). Renner war im Jahr 2020 Zitronen-Tarte mit Baiser, in diesen Tagen aber eher veganer Schokoladenkuchen und Apfelkuchen mit Streuseln, ebenfalls vegan. Das Café in der Kurze-Geismar-Straße 27 in Göttingen ist telefonisch erreichbar unter 0551/48159, per Email unter info@cafe-cortes.de. Der Name des Cafés geht auf Manuel Cortés zurück. Er betrieb das Café von 1990 bis 2016. Im Jahr 2017 übergab der katalanische Meisterkonditor Café und Rezepte an Johann Kruse und seine Ehefrau Rahel Winterstein, die das Café Cortés als Ladencafé und Konditorei weiterführen. Das Haus in der Kurze-Geismar-Straße entstand 1900 – und zwar gezielt als Café und Konditorei. 2018 ist das Café zum wiederholten Male vom Magazin „Der Feinschmecker“ als eines der besten in Deutschland ausgezeichnet worden.

Rahel Winterstein hält fest: „In vielen Bereichen arbeiten Menschen außerhalb der öffentlichen Wahrnehmung und leisten Großes im Verborgenen. Auch wenn die tägliche Arbeit der Pflegekräfte aus aktuellem Anlass immer wieder mediale Aufmerksamkeit erhält, möchten wir unseren Teil zu mehr Anerkennung beitragen.“ In dem Fall also via „Kleeblatt-Prinzess-Gebäck“ und anderen süßen Stärkungen? „Wo wir können, möchten wir Freude und Genuss bereiten. Dafür sind wir da“, hebt die Göttinger Café-Betreiberin hervor.

Von Ulrich Meinhard