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Göttingen Göttinger IGS gibt Landespreis für Digitalisierung aus Protest zurück
Die Region Göttingen Göttinger IGS gibt Landespreis für Digitalisierung aus Protest zurück
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00:28 23.03.2018
Schon seit drei Jahren setzt die Georg-Christoph-Lichtenberg-Gesamtschule IPads im Unterricht ein (Archivbild). Jetzt hat sie einen Preis für ihre Digitalisierungskonzepte zurückgegeben. Quelle: Christina Hinzmann
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Göttingen

Der Chef der Georg-Christoph-Lichtenberg-Gesamtschule (IGS Göttingen) ist richtig sauer: „So müssen sich engagierte Kollegen wirklich nicht behandeln lassen.“ Auch wenn der Preis „ganz schön und vor allem berechtigt ist, verzichten wir unter diesen Umständen - aus Protest und Solidarität mit den Kollegen“.

Wolfgang Vogelsaenger. Quelle: R

Im Februar hatte Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) erstmals drei Schulen aus Niedersachsen mit dem Landespreis „schule digital.niedersachsen“ ausgezeichnet - darunter die Göttinger IGS. Das Ministerium würdigt damit besondere pädagogisch-didaktische Unterrichtskonzepte unter Einsatz digitaler Medien. An der IGS arbeiten seit einigen Jahren alle Schüler mehrere Jahrgänge und ihre Lehrer fächerübergreifend mit IPads.

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„So behandelt man keinen Pädagogen“

Zur Preisverleihung während der Bildungsmesse Didacta sei der Oberstufenkoordinator Arne Brix mit einer Schulabordnung nach Hannover gereist. Brix habe wesentlich am Digitalisierungsprozess der Schule mitgewirkt, so Vogelsänger. Vor und während des Festaktes sei ihm allerdings unmissverständlich angedeutet worden, dass man den Schulleiter erwartet habe. Darüber hinaus habe Brix während der Preisverleihung nicht vor dem Publikum reden dürfen. Der Kollege sei tief gekränkt gewesen. „Das finde ich unmöglich, so behandelt man keinen Pädagogen, der so viel Arbeit in das Projekt gesteckt hat“, protestiert Vogelsaenger.

Das Kultusministerium bestätigte am Dienstag die Rückgabe des Preises. Die Schule habe sowohl den überreichten Musterscheck als auch das Siegerschild zurückgeschickt. Zugleich weist Ministeriumssprecherin Tanja Meister die Darstellung Vogelsängers zurück.

„Eine Selbstverständlichkeit“

Nach ihren Informationen habe sich die IGS-Abordnung zunächst nicht bei den Initiatoren der Preisverleihung angemeldet. Erst auf Nachfrage im dem Auditorium habe sich Brix bemerkbar gemacht und sei gefragt worden, ob er der Schulleiter sei. Die Frage sei „eine Selbstverständlichkeit, um während der Veranstaltung Namen und Funktionen korrekt benennen zu können“, so Meister.

Dabei sei der Repräsentant der Schule auch aufgefordert worden, dem Anlass entsprechend „seine Mütze abzusetzen“. Falsch sei die Behauptung, dem IGS-Repräsentanten sei das Wort verwehrt worden. Dabei stützt sich Meister nach eigenen Angaben auf ein Foto, auf dem Brix ein Mikrofon halte.

Eine Minderwertschätzung des Kollegen oder der Leistung der Schule sei nicht beabsichtigt und ist hieraus nicht abzuleiten, kommentiert Meister die Schilderung der Veranstalter. Unabhängig davon habe die Schule „den Preis völlig zurecht erhalten“. Der Preis sei eine hohe Anerkennung der Leistung der gesamten Schule. Von dem Geldbetrag hätten weitere innovative Projekte zur Medienbildung für die Schülerinnen und Schüler entstehen können.

Für Vogelsaenger ist die IGS „auch ohne den Geldpreis des Landes auf einem sehr guten Weg“. Die digitale Ausstattung der Schule liege bereits auf einem sehr hohen Niveau.

Von Ulrich Schubert