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Göttingen Sollte die Mitnahme von Fahrrädern in Regionalzügen kostenlos sein?
Die Region Göttingen Sollte die Mitnahme von Fahrrädern in Regionalzügen kostenlos sein?
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00:24 04.07.2019
Die Fahrradstellplätze in den Regionalzügen sind begrenzt. Das kann an Wochenenden ein Problem sein. Und möglicherweise auch dann, wenn die Mitnahme kostenfrei wird. Quelle: dpa
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Göttingen

Für eine kostenfreie Mitnahme von Fahrrädern in Regionalzügen setzt sich die Kreistagsgruppe Linke/Piraten/Partei ein. In einem Schreiben, das Anfang Mai an Landrat Ulrich Reuter (SPD) ging, wird der Landkreis ersucht, sich für eine „probeweise kostenlose Fahrradmitnahme“ in den Regionalzügen im Gebiet des Zweckverbandes Verkehrsverbund Südniedersachsen (ZVSN) einzusetzen. Nach drei Jahren solle es eine Auswertung der Probephase geben und eine Entscheidung über die zukünftige Regelung getroffen werden.

Kostenfreie Mitnahme nur in Bussen möglich

Die Kreistagsgruppe hält positiv fest, dass „erfreulicherweise“ eine kostenlose Mitnahme von Fahrrädern in Bussen im ZVSN möglich ist, aber eben „leider“ nicht im Bereich des Schienenverkehrs. Eine Fahrradkarte kostet hier 4,50, eine Monatskarte 25 Euro. Eine kostenlose Mitnahme von Rädern in Zügen des Nahverkehrs würde bewirken, dass mehr Reisende die Bahn benutzen und somit die Umwelt schonen, etwa, wenn der Drahtesel als Transportmittel vom Bahnhof zum Schul- oder Arbeitsort eingesetzt wird. Außerdem würde der Fahrrad-Tourismus gestärkt werden.

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In der vorgeschlagenen Probephase solle demonstriert werden, dass die Verluste für die Träger des Schienenpersonennahverkehrs sehr gering sein werden, sagt Eckhard Fascher von der Kreistagsgruppe quasi voraus. Der von ihm formulierte Vorschlag stand am 1. Juli auf der Tagesordnung des Wirtschaftsausschusses des Landkreises Göttingen. Hier stellte das Ausschuss-Mitglied Andrea Obergöker den Antrag auf Nichtbefassung, weil: „Der Landkreis ist für den Inhalt nicht zuständig.“

„Einer Resolution hätten wir zugestimmt“

Ausschussmitglied Andreas Gemmecke (Linke), der den Text einbrachte, erklärte: „Es ist wie eine Resolution anzusehen. Für uns ist das ein Appell.“ Die Vorsitzende des Ausschusses, Steffanie Wirth (Grüne), sagte: „Es steht aber Antrag vor Ihrem Text.“ Darauf argumentierte Ausschussmitglied Harald Grahovac (SPD): „Es ist keine Resolution. Wenn Sie das als Resolution verfasst hätten, hätten wir schon zugestimmt.“ Gemmecke: „Gut, dann als Resolution. Der Inhalt bleibt ja der gleiche.“ Aber so einfach ist das nicht. Der Vorschlag aus der Runde lautete: zurückziehen und neu einbringen. Gemmecke sagte zu, so verfahren zu wollen.

Landesgesellschaft ist dagegen

Indessen liegt bereits eine Antwort der Kreisverwaltung Göttingen auf den Vorschlag der Kreistagsgruppe vor. Die kostenfreie Mitnahme von Fahrrädern sei im Rahmen eines durch den Landkreis Holzminden sowie den ZVSN in Auftrag gegebenen Gutachtens bereits geprüft worden. Es habe diesbezüglich auch schon ein Gespräch mit Vertretern des ZVSN, der Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG) und der Kreisverwaltung Göttingen gegeben. Dabei habe die LNVG eine kostenlose Fahrradmitnahme bei Fahrten in die angrenzenden Bundesländer Hessen und Thüringen abgelehnt. Als Empfehlung sei für Südniedersachsen die Schaffung eines Kommunikationskonzeptes „Wo darf ich mein Fahrrad (nicht) kostenlos mitnehmen?“, anstatt einer Verschiebung des „Grenzbereiches“ vorgeschlagen worden.

Unübersichtliches Tarifgewirr in Deutschland

Die aktuelle Situation in Deutschland ist unübersichtlich. Wer sein Fahrrad im Zug mitnehmen will, muss erst einmal studieren, welcher Tarif wo gilt. Eine einheitliche Regelung, wie sie der Allgemeine Deutsche Fahrrad Club (ADFC) fordert, gibt es nicht. In Bayern etwa ist die kostenfreie Mitnahme von Rädern auf bestimmten Strecken möglich, in Baden-Württemberg innerhalb bestimmter Verkehrsverbünde, im benachbarten Hessen nur mit dem Schönes-Wochenende-Ticket, ansonsten innerhalb einiger Verkehrsverbünde. In Niedersachsen nur im Großraum-Verkehr Hannover (GVH) von 8.30 bis 15 Uhr und ab 19 Uhr bis Betriebsschluss, samstags, sonn-und feiertags ganztägig. In Sachsen-Anhalt und Thüringen gibt es dieses Wirrwarr nicht, hier ist die kostenfreie Mitnahme durchgängig möglich.

Kostenfreie Mitnahme 2007 aufgehoben

Im Text der Göttinger Kreistagsgruppe wird übrigens darauf hingewiesen, dass die kostenlose Mitnahme von Fahrrädern im Schienenverkehr bis zum 1. April 2007 in Niedersachsen möglich gewesen sei. Die Regelung sei damals aufgehoben worden.

Von Ulrich Meinhard

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