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Göttingen Göttinger Lokhalle: Paradies für den Spieltrieb von Autoren und Fans
Die Region Göttingen Göttinger Lokhalle: Paradies für den Spieltrieb von Autoren und Fans
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05:00 03.07.2019
Am Sonntag, 7. Juli, können Fans zwischen 10 und 14 Uhr nach Lust und Laune neue Spiele ausprobieren und Autoren kennenlernen. Bis 2018 testeten sie in der Stadthalle – am kommenden Wochenende wird in der Lokhalle gespielt. Quelle: Kracht
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Göttingen

Am Sonnabend stellen die Autoren einem Fachpublikum Prototypen, also unveröffentlichte Spiele vor. Sie spielen für ihr Leben gern – und viele ihr Leben lang, sagt Christian Beiersdorf, Geschäftsführer der Spiele-Autoren-Zunft (SAZ). Einige Teilnehmer seien deutlich älter als er, betont der 70-Jährige. Die jüngste sei neun Jahre alt.

Beiersdorf erwartet „rund 200 Spieleautoren und mehr als 70 Vertreter aus fast 40 Verlagen“ sowie Redakteure von Agenturen. Die meisten reisen aus Deutschland an; aber auch aus der Schweiz, Österreich, Frankreich, Belgien und Litauen. „Ein Teilnehmer kommt aus den USA.“ 170 der 190 Autorentische seien am vergangenen Freitag gebucht gewesen; es könnten mehr werden. Denn die Urheber haben ein großes Interesse am „professionellen Feedback“, so Beiersdorf – und die Verlagsvertreter „an den Diamanten von morgen“.

„In erster Linie ein Forum für Autoren, die noch nicht so bekannt sind“

Das Treffen biete „in erster Linie ein Forum für Autoren, die noch nicht so bekannt sind“. Neben den „Neulingen“ werden prominente Spieleentwickler vor Ort sein („etwa 35 bis 40 Prozent aller Teilnehmer“). Zu ihnen zählen Christoph Cantzler, Stefan Dorra, Jens Merkl und Anja Wrede – die Spiele der Autorin werden national wie international verlegt.

Günter Burkhardt ist in der Lokhalle: „Er hat schon sehr viele Spiele veröffentlicht“, so Beiersdorf – darunter „Funkelschatz“, das 2018 zum Kinderspiel des Jahres gekürt wurde. Eines seiner ersten verlegten Spiele war „Manitou“ (ein Kartenspiel für drei bis vier Spieler), das 1997 auf der Auswahlliste zum Spiel des Jahres stand. Der Kritikerpreis „Spiel des Jahres“ genieße weltweit Renommee und sei eine Auszeichnung für nicht-elektronische Spiele.

Ein Trend: Mit einem Spiel eine Story erzählen

Nicht wenige der am kommenden Wochenende in Göttingen vertretenen Autoren machten sich Hoffnungen auf den „Durchbruch“. Doch „zwischen dem Ist und dem Wunsch klafft ein großer Unterschied“, sagt Beiersdorf.

Alle wollen „möglichst innovativ“ sein und „erzählend“ – also ein Spiel präsentieren, mit dem eine Story gespielt wird. Wie beim berühmten Vorbild „Die Siedler von Catan“ von Klaus Teuber. Er gewann viermal den Deutschen Spielepreis und viermal die Auszeichnung Spiel des Jahres. Apropos: Beim Treffen der Autoren in der Lokhalle geht es „ausschließlich um analoge Spiele“, betont Beiersdorf.

Keine Konkurrenz zwischen digitalen und analogen Spielen

„Analoge Spiele haben nach wie vor beste Zukunftsaussichten.“ Gleiches gelte „ohne Frage“ für digitale Spiele: „Das sind zwei verschiedene Märkte, ohne Berührungspunkte. Ein Sidestep, moderner Ausleger der analogen Spiele.“ Als Beiersdorf Mitte der 80er-Jahre in die Spielebranche einstieg, seien die ersten Computerspiele verkauft worden – „und etwa 150 bis 200 analoge pro Jahr. Heute sind es 1500 analoge pro Jahr, trotz der explosionsartigen Entwicklung der Computerspiele.“

Neben dem Ehrgeiz Storys zu spielen seien zum Beispiel „witzige Würfelspiele“ vertreten: „Natürlich ist Glück dabei, aber es geht auch um das Wie, um taktische Raffinesse“. Der spannende und unterhaltende Freizeitspaß werde zudem um die Komponente „Bildungswert“ verfeinert, so Beiersdorf. „Man muss sei Gehirn einsetzen“ - und zwar gemeinsam: „Ein-Personen-Spiele haben praktisch keinen Markt, und auch für Zwei-Personen-Spiele ist der Markt sehr klein. Es gibt nur ganz wenige, die das schaffen.“

„Spektrum vom abstrakten bis zum stundenlangen Strategiespiel“

Ein erkennbarer Trend sei der zu „Kommunikationsspielen; ein Vorläufer war Trivial Pursuit. Kreativ zu sein und aus Bildern Geschichten zu erzählen“ sei eine Richtung, in die viele Spieleentwicklern gehen würden. „Es gibt zum Beispiel Psycho-Spiele, die auf die Befindlichkeiten der Mitspieler eingehen.“ Oder Varianten, „bei denen Begriffe umschrieben werden ohne sie nennen zu dürfen. Oft wird in Teams gespielt.“ Vom abstrakten bis „zum stundenlangen Strategiespiel“ sei das „Spektrum sehr breit“.

Ebenfalls im Trend seien sogenannte „kooperative Spiele, bei denen man gegen ein Ereignis spielt, das man zu verhindern versucht. Jeder Mitspieler hat bestimmte Fähigkeiten, die er im Team einsetzt. Alle Spieler wollen gemeinsame ein Ziel erreichen. Dafür müssen sie sich praktisch absprechen. Diese Spiele verzeichnen in den vergangenen Jahre eine Erfolgskurve.“

Premieren-Flut sorgt für viele Überraschungen in der Lokhalle

Welche Prototypen in der Lokhalle vorgestellt werden, ist Beiersdorf nicht bekannt: „Das ist absolut eine Überraschung; bis auf wenige Ausnahmen geht es um Premieren“.

Traditionell wird während der internen Veranstaltung am Sonnabend Mitglieder der Jury „Spiel des Jahres“ die Spiele von fünf in einer Vorauswahl qualifizierten Kandidaten testen. Der Sieger erhält „ein Stipendium im Wert von etwa 1500 Euro“, so Beiersdorf. Die finanzielle Unterstützung ermögliche den Nachwuchsautoren einwöchige Aufenthalte in einem Spieleverlag, im Fachhandel oder einer Autorenwerkstatt. Wer das begehrte Stipendium erhält, werde am 7. Juli bekannt gegeben.

Spielebegeisterte aller Generationen sind am Sonntag zwischen 10 und 14 Uhr dabei. Quelle: Heller

Sonntag, 7. Juli: „Tag des Göttinger Spiels“ für alle Fans

An diesem Sonntag ist die Veranstaltung öffentlich - Fans jeden Alters haben freien Eintritt. Zwischen 10 und 14 Uhr wollen die potenziellen Anwender das ausprobieren, was im Erfolgsfall im Regal eines Fachgeschäfts für Spiele zu finden ist. Das Motto: „Spielen pur“, sagt Beiersdorf. „Neben dem Feedback der Fachleute ist das der Spielebegeisterten für die Autoren ganz wichtig.“

„Göttinger Spatz“ für Wieland Herold

Am Sonnabend wird traditionell der „Göttinger Spatz“ verliehen, so ein Sprecher der Stadtverwaltung. Mit dem Preis sollen „besondere Leistungen um das Kulturgut Spiel gewürdigt werden“. Nicht ein Spiel, sondern das Lebenswerk werde prämiert. In diesem Jahr erhalte Wieland Herold den Spatz – er ist Gründer der Zeitschrift „Spiel & Autor“ und Mitglied der Jury „Spiel des Jahres“. Der Begriff „SPATZ“ stehe für „SPieleAuTorenZaster“. Die Verwaltung ist gemeinsam mit der Spiele-Autoren-Zunft Veranstalter des 38. Treffens in Göttingen.

Von Stefan Kirchhoff

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