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Göttingen Montessori-Schüler putzen und spenden
Die Region Göttingen Montessori-Schüler putzen und spenden
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00:21 22.12.2018
Es gehört zum Schulkonzept der Montessori-Schule, dass die Sekundarstufenschüler/-innen ihre Etage selbst putzen. Quelle: Niklas Richter
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Göttingen

Eine halbe Stunde vor Schulschluss im Stockwerk der Sekundarstufe: Die der Klassenzimmer gehen auf – doch statt zum Ausgang hinaus stürmen alle in Richtung Besenkammer. Dort haben zwei Schüler die Initiative ergriffen und organisieren die Ausgabe: Besen um Besen, Wischmopp um Wischmopp wandert in die Hände der Schüler, die sich anschließend auf die Klassenräume verteilen.

„Es gehört zu unserem Konzept, dass die Schüler selber putzen“, erklärt Schulleiterin Wiebe Möller, während zwei etwa Zwölfjährige hinter ihr eine Ecke auskehren. Kaum eine Staubflocke bleibt dabei liegen, denn die Schüler haben mittlerweile reichlich Erfahrung. Seit mehreren Jahren übernimmt die Sekundarstufe den Reinigungsdienst selbst. „Putzen ist genauso wichtig wie der Unterricht“, ist Möller überzeugt.

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Verantwortung übernehmen

„Wir lernen so, Verantwortung zu übernehmen,“ bestätigt die 15-jährige Johanna. Sie ist eine der Schülerinnen, die an diesem Tag Putzdienst hat. Ihr Unterricht hat dafür eine halbe Stunde früher geendet. Doch für die Schüler hat das Selberputzen noch einen weiteren Vorteil: Das Geld, das der Schulträger beim Reinigungsdienst spart, fließt auf ein Konto, das die Schüler selbst verwalten. „Davon können wir Aktivitäten auf Klassenfahrten finanzieren oder mal eine Sitzgelegenheit für unser Stockwerk kaufen“, sagt Johanna.

Das Geld verwalten die Schüler selbst: Jeden Freitag kommt die Schülerversammlung zusammen, in der auch über gemeinsame Ausgaben entschieden wird. Und in diesem Jahr sei dort beschlossen worden, dass das Geld für Dezember an das Göttinger Hospiz und an Amnesty International geht. „Einstimmig“, wie Johanna betont.

Spenden an Amnesty und Hospiz

Mit beiden Einrichtungen sind die Schüler schon aus dem Unterricht vertraut. Mit Amnesty International hätten sie sich befasst, als es um Menschenrechte ging. „Wir haben unter anderem Briefe an Aktivisten im Iran geschrieben“, erzählt Johanna. Ein aus ihrer Sicht spannendes Thema, verdeutliche es doch die eigenen Privilegien. „Es ist gut, in Deutschland in Frieden leben zu können.“

Mit dem Göttinger Hospiz sind die Schüler ebenfalls im Unterricht in Berührung gekommen. Im vergangenen Jahr habe seine Klasse einen Ausflug dorthin gemacht, erzählt Jarno. Ihn hat die Arbeit des Teams dort nachhaltig beeindruckt „Die geben sich ganz schön viel Mühe, dabei ist das Arbeit, mit der auch nicht jeder klarkommt.“

„Das klappt“

Derweil sind Jarnos Mitschüler mit dem Putzen so gut wie fertig. Einer von ihnen, mit Klemmbrett und Checkliste ausgestattet, überprüft ob alles abgearbeitet wurde. Auf die Schnelle finden sich keine Beanstandungen und die ersten Schüler nutzen die Gelegenheit, um sich nach Hause zu verabschieden. „Wenn wir später noch was finden, musst du dafür gerade stehen“, mahnt Lehrerin Christine Blum-Oeste an. Doch der sogenannte Manager ist sich seiner Sache sicher, gibt das Klemmbrett ab und verabschiedet sich ebenfalls.

Zweifel an den Putzfertigkeiten des Nachwuchses hat Blum-Oeste aber ohnehin nicht: „Das klappt schon lange gut“, sagt sie über den selbstverwalteten Reinigungsdienst der Schüler. Längst hätten diese gelernt, Verantwortung zu übernehmen.

Von Christoph Höland