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Göttingen Göttinger Physikerin Viola Priesemann: „Zu leise oder zu undeutlich vor Leichtfertigkeit gewarnt?“
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Göttinger Physikerin Viola Priesemann: „Zu leise oder zu undeutlich vor Leichtfertigkeit gewarnt?“

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10:02 16.12.2020
Landesbischof Ralf Meister (l.) und die Göttingerin Viola Priesemann.
Landesbischof Ralf Meister (l.) und die Göttingerin Viola Priesemann. Quelle: João Pinheiro Neto/dpa
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Hannover/Göttingen

Die Göttinger Physikerin Viola Priesemann und der hannoversche Landesbischof Ralf Meister sehen dem Weihnachtsfest in diesem Jahr gespannt entgegen. Aus wissenschaftlicher Sicht hoffe sie, dass der Lockdown über die Feiertage später als Erfolg verbucht werden könne, sagte Priesemann am Dienstagabend in der online übertragenen Reihe „Auf ein Wort“ der Hanns-Lilje-Stiftung. „Ich hoffe, wir können darauf zurückblicken, dass die Corona-Fallzahlen soweit runtergegangen sind, dass wir im kommenden Jahr zu keiner Zeit mehr über Schulschließungen oder ähnlich harte Einschnitte diskutieren müssen.“

Landesbischof Meister ergänzte, das Weihnachtsfest in diesem Jahr werde in jedem Fall sehr viel ruhiger werden als frühere Feste. „Und zwar nicht erst zum 24. Dezember, sondern schon jetzt.“ Er sehe darin eine Chance. Die Verlangsamung biete die Möglichkeit, darüber nachzudenken und daraus zu lernen, warum die Lage so geworden sei. Dass Weihnachtsgottesdienste weiterhin möglich bleiben, sei gerade unter dem Aspekt der Seelsorge wichtig. Unter strikter Einhaltung aller Vorsichts- und Hygienemaßnahmen sollten die Feiern in Kirchen oder im Freien aus seiner Sicht zu einem „Signal der Stärkung“ für die Menschen werden.

Priesemann stellt Modellrechnungen für Verlaufe an

Priesemann stellt Modellrechnungen für Verläufe der Corona-Pandemie an. Sie betonte, in Deutschland hätte es nie zu derart hohen Fallzahlen kommen müssen. Jetzt seien sie „ausgerechnet zu Weihnachten“ eingetreten. Als Physikerin frage sie sich mit Blick auf die Entwicklung seit September oft, ob sie zu leise oder zu undeutlich vor Leichtfertigkeit gewarnt habe. „Es wäre schön gewesen, wenn wir jetzt nicht darüber nachdenken müssten, wie viele Menschen gleichzeitig in eine Kirche hinein dürfen.“

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Sie selbst verstehe das Bedürfnis nach Geselligkeit. Auch sie verspüre „eine wahnsinnige Covid-Müdigkeit“, räumte Priesemann ein. „Dennoch würde ich im Moment nicht mit zu vielen Menschen in einen Raum gehen.“ Volle Kirchen zu Weihnachten seien ein wünschenswertes Bild, vielleicht aber lohne es sich, in diesem Jahr über kleine Gottesdienste im Familienkreis nachzudenken. „Letztlich bleibt es eine sehr individuelle Entscheidung, ob man zu Weihnachten in die Kirche geht.“

Zukunft ist relativ unsicher

Sowohl Meister als auch Priesemann zeigten sich zuversichtlich, dass sich das gesellschaftliche Leben im kommenden Jahr Stück für Stück normalisieren wird. „Wir sehen dennoch in eine relativ unsichere Zukunft“, sagte der Bischof. Aus wissenschaftlicher Sicht sei das oberste Gebot, die Corona-Fallzahlen schnell auf einem möglichst niedrigen Niveau zu stabilisieren, betonte die Physikerin. „Wir müssen nicht die Null mit der Brechstange erzwingen, aber wir werden sicher bei überschaubaren Zahlen alle mehr Freiheiten haben.“

Von epd