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Göttingen „Musik verbindet“: Klaus Faber spielt seit 1995 beim Offenen Heiligabend für „Keiner soll einsam sein“
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Göttinger Pianist Faber spielt Heiligabend für „Keiner soll einsam sein“ 

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14:13 22.12.2021
Klaus Faber spielt in der Stadthalle beim Offenen Heiligabend der Aktion „Keiner soll einsam sein“ am Flügel – gelegentlich sind Kinder ganz nah dabei.
Klaus Faber spielt in der Stadthalle beim Offenen Heiligabend der Aktion „Keiner soll einsam sein“ am Flügel – gelegentlich sind Kinder ganz nah dabei. Quelle: Peter Heller
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Göttingen

Mit etwas Wehmut und erfreulichen Erinnerungen denkt Klaus Faber in diesen Tagen an den 24. Dezember der vergangenen Jahrzehnte zurück. Fast ein Vierteljahrhundert lang hat der Pianist beim Offenen Heiligabend der vom Tageblatt organisierten „Aktion Keiner soll einsam sein“ (KSES) gespielt. Der 75-Jährige hofft nun, dass er nach zwei coronabedingten Absagen 2022 wieder in die Tasten greifen darf: „In den 24 Jahren ist die Aktion für mich eine Herzensangelegenheit geworden.“

Beim Sortieren von alten Noten und vorgetragenen Programmen fand er eine Karte von Besuchern der Veranstaltung in der Stadthalle. „Wie gut ist es, dass es Sie gibt! Herzlichen Dank für Ihre schöne weihnachtliche Klavier-Musik“, hatte ihm 2015 eine Familie geschrieben und die Karte am Abend überreicht. Nur ein Dank von vielen, sagt Faber.

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Stoffel fragt Faber 1995, ob er für KSES spielen kann

Tageblatt-Prokurist und KSES-Organisator Wolfgang Stoffel „fragte mich 1995, ob ich Heiligabend in der Stadthalle am Flügel spielen könnte. Ich sagte zu, war aber sehr angespannt, da ich nicht wusste, was auf mich zukam“, erinnert sich Faber, der immerhin als Musiker Halbprofi war. Lampenfieber vor der Premiere musste aber sein. „Das geht mir heute noch so. Ich wusste zwar von der Veranstaltung, war aber noch nie dabei gewesen und wollte mich nicht blamieren.“

Der Musiker schwärmt fast von den Erlebnissen mit mehr als 400 Besuchern pro Heiligabend. „Manchmal kommen Kinder sogar auf die Bühne, stellen sich mit leuchtenden Augen neben mich und singen verzückt mit. Auch Kinder internationaler und geflüchteter Familien kannten Textpassagen,“ so Faber.

Texte zum Mitsingen der Weihnachtlieder liegen bereit

Blätter mit Weihnachtsliedertexten lagen auf den dekorierten Tischen bereit. Viele konnten und wollten sich dem Zauber der festlichen Atmosphäre nicht entziehen und grifffen zu, so Faber, der die Stimmung gelegentlich durch eine angepasste Stimmlage hob. „Oft habe ich die Weihnachtslieder in eine geeignetere Tonart transponiert, sodass die Besucher leichter mitsingen konnten.“

Beginn war immer um 16 Uhr. Faber spielte das Entree. „Des Öfteren gesellte sich der hervorragende Solotrompeter Andreas Sichler dazu, er spielt auch im Bayreuther Festspielorchester, und wir präsentierten zur Eröffnung das klassische ,Trumpet Voluntary‘ oder ,Trumpet Tune‘, das dem Ganzen eine besondere feierliche Note gab.“ Nach der Begrüßung durch Stoffel, Grußworten von Oberbürgermeister oder Bürgermeistern übernahmen ein Pastor oder eine Pastorin bei gedimmten Licht die Andacht und trugen die Weihnachtsgeschichte vor.

Kirchliche Lieder sind für Oldie-Rocker Neuland

Dazwischen spielte Faber kirchliche Lieder (beim ersten Mal 1995 für den Oldie-Rocker, der in Bands wie den Beatnix und Aorta aktiv gewesen war, noch Neuland) und im Anschluss Weihnachtslieder („damit bin ich bei uns zu Hause groß geworden“). Zum Abschluss von Teil eins „intonierten alle Gäste das obligatorische ,O du fröhliche‘“. Dann wurden Kaffee und Kuchen serviert – und der Pianist variierte sein Programm.

„Ich spielte ,Jingle Bells‘, ,Last Christmas‘ und andere Songs, die aus dem Radio bekannt sind. Dann leitete ich behutsam von weihnachtlichen zu amerikanischen Titeln über, zu lockerer Musical, Swing-, Oldie-, Jazz- und etwas Klassik-Musik.“ Oft bekam er „Zettel mit musikalischen Wünschen auf die Bühne“ – von „White Christmas“ über „Memory“, „An der schönen blauen Donau“ bis zu „An Tagen wie diesen“ oder „Born to be wild“. Die Anliegen „kamen querbeet“, sagt Faber. Manchmal wurde auch „kräftig mitgesungen. Musik verbindet.“

Faber unterhält sich mit Gästen des Offenen Heiligabends

In seinen Pausen setzte sich Faber, wie viele der 100 freiwilligen Helfer, zu den Gästen und unterhielt sich: „Früher gab es einen sogenannten Prominententisch, vollbesetzt mit bekannten Göttinger Politikern. Der Sinn war, das sie sich unter die Besucher mischten und kurze Gespräche mit ihnen führten. In den letzten Jahren wurden es immer weniger oder es ließ sich kaum jemand blicken. Wenn Wahlen vor der Tür standen, waren der Tische meistens vollbesetzt, meint der Musiker.“

Diese Dankeskarte hat Klaus Faber beim Sortieren jahrzehntealter Noten wiederentdeckt. Quelle: Klaus Faber

Faber begleitete auch das Abendessen ab 18 Uhr am Flügel. Im Anschluss übernahmen andere Künstler und Entertainer. Gegen 19.45 Uhr rollten Busse der GöVB vor – Fahrer der Verkehrsbetriebe saßen ehrenamtlich hinter dem Steuer und brachten die Gäste nach Hause. Die Gäste kamen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten, sagt Faber: „Eben ein gemischtes Publikum. Es geht an dem Nachmittag nicht um arm und reich.“ Auch gut situierte Göttinger, „die alleine sind“, besuchten den Offenen Heiligabend – „Obdachlose, Mittellose, Einsame. Sie sagen: ,Klaus, das war schön. Ich hatte schöne Weihnachten.‘“

Fabers Appell: Spenden für „Keiner soll einsam sein“

„Der Offene Heiligabend vom Tageblatt ist nicht nur lobenswert, sondern in unserer hektischen und verrückten Zeit immer wichtiger geworden“, sagt Faber. „Die steigende Anzahl der Besucher bestätigt das. Hoffen wir auf das Jahr 2022.“ Sein Fazit: „Also spenden. Und Frohe Weihnachten!“

x Quelle: x

Von Stefan Kirchhoff