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Göttingen Göttinger Polizei meldet weniger Taten und bessere Aufklärungsquote
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Göttinger Polizei legt Kriminalitätsstatistik 2020 vor

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18:40 23.03.2021
Sinkende Fallzahlen und steigende Aufklärungsquote. Die Statistik im Überblick.
Sinkende Fallzahlen und steigende Aufklärungsquote. Die Statistik im Überblick. Quelle: Polizei Göttingen
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Göttingen

Weniger Straftaten, mehr aufgeklärte Fälle: 2020 war ein erfolgreiches Jahr für die Göttinger Polizei. Das geht aus der Kriminalitätsstatistik hervor, die am Dienstag vorgestellt wurde. In Zahlen: Im Zuständigkeitsbereich der Polizeiinspektion Göttingen waren 20 320 Straftaten zur Anzeige gekommen, über 65 Prozent konnten die Beamten aufklären.

Damit liegt das Kriminalitätsaufkommen im Bereich der PI noch einmal um 2,44 Prozent unter dem Wert des Vorjahres. Besonders deutlich sind die Rückgänge bei den Wohnungseinbrüchen (minus 22 Prozent), den Ladendiebstählen oder beim Fahrradklau. Dafür hatte Betrug im Internet Hochkonjunktur. Eine Entwicklung, die sich nicht zuletzt durch die Besonderheiten des Corona-Jahres erklären lasse, heißt es in dem jetzt schriftlich vorliegenden Bericht.

Zehn-Jahres-Rekord

Trotz dieser Besonderheiten stellten die Göttinger Ermittler einen Langzeit-Rekord auf. Denn mit einer Aufklärungsquote von 65,12 Prozent liegen sie nicht nur über dem Wert des Vorjahres (2019: 61,49 Prozent) und über dem Landesdurchschnitt (64,28 Prozent). Der Wert stellt zugleich die Spitze im 10-Jahres-Vergleich dar. Göttingens neue Polizeipräsidentin Gwendolin von der Osten kann einen weiteren Superlativ vermelden: Im Zuständigkeitsbereich der Polizeidirektion Göttingen liegen die Straftaten auf dem niedrigsten, die Aufklärungsquote hingegen auf dem höchsten Stand seit Bestehen der Behörde.

„Dieser Erfolg ist dem Engagement und der hohen Expertise aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu verdanken, die ihre Arbeit auch unter den besonderen Umständen der Corona-Pandemie unbeirrt weitergeführt haben“, lobt sie nahezu gleichlautend mit Thomas Breyer, Göttingens Leiter des Zentralen Kriminaldienstes. Der sieht die Prognosen für die Auswirkung der Pandemie auf die Straftatenaufkommen insgesamt bestätigt: Die Einschränkung des öffentlichen Lebens sind in der Kriminalitätsstatistik abzulesen.

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Auch Täter dürfen nicht reisen

Breyer macht es am Beispiel deutlich: Sind die Menschen mehr zuhause, können ihre Häuser nicht mehr so leicht unbemerkt ausgeräumt werden. Auch haben Reisebeschränkungen nicht nur vielen Menschen die Urlaubsplanung erschwert, sie haben auch der Gruppe der reisenden Serientäter einen Strich durch die Rechnung gemacht. Gleichzeitig stieg aber die Zahl der Kellereinbrüche. Auch das erklärbar: Diese sind eher lokalen Tätergruppen.

Gestiegen ist auch die Zahl der Betrugsfälle, die unmittelbar mit Corona zu tun hatten. So registrierte die Göttinger Polizei 30 Fälle von Subventionsbetrug. Ein Delikt, das seit Jahren nicht mehr in der Statistik aufgetaucht war. Das Verbrechen ist neu, die Täter sind offenbar die alten: Etwa 90 Prozent der Tatverdächtigen waren schon vorher durch unterschiedliche Betrugs- oder Eigentumsdelikte in Erscheinung getreten.

Inspektionsleiter Rainer Nolte und Kripo-Chef Thomas Breyer. Quelle: Polizei Göttingen

Falsche Atteste

Ebenfalls ein Pandemie-Phänomen sind falsche Atteste. „Die Nutzung falscher Atteste, die insbesondere auf Demonstrationen der sogenannten Querdenker oder Corona-Kritiker festgestellt wurde, ist weder ein Kavaliersdelikt noch Ausdruck zivilen Ungehorsams, sondern eine Straftat“, konstatiert von der Osten. Viele der registrierten Fälle stünden dabei im Zusammenhang mit einer Medizinerin aus dem Landkreis Göttingen.

Eine Prognose, die sich in Göttingen glücklicherweise nicht bestätigt habe, betreffe den Bereich der häuslichen Gewalt. Der anfangs erwartete deutliche Anstieg sei ausgeblieben, ein Zusammenhang mit der Pandemie nicht nachweisbar, so die Statistik. Konkret wuchs die Zahl von 878 auf 961. Wegen der steigenden Tendenz und mit Blick auf die Dunkelziffer werde die konsequente Strafverfolgung dieser Taten, sowie die Gefahrenabwehr und der Opferschutz auch weiterhin ein besonderer Schwerpunkt der Arbeit sein, verspricht Breyer.

Kinderpornografie steigt an

Gleiches gilt auch im Bereich der Kinderpornografie oder der Verbreitung pornografischer Schriften. Hier wurde bereits im Jahr 2018 eine Ermittlungsgruppe ins Leben gerufen, die sich diesem Deliktfeld widmet. Aktuelle Zahlen: Von 136 Fälle der Verbreitung pornografischer Schriften (2019: 68 Fälle) waren 108 Fälle dem Bereich der Kinderpornografie zuzuordnen (2019: 49 Fälle).

In einem anderen Feld hat die Polizei ihre Bemühungen ebenfalls seit Jahren intensiviert: Hinter dem etwas sperrigen Begriff „Straftaten zum Nachteil älterer Menschen“ – kurz SÄM verbergen sich mehrheitlich Betrugsdelikte aller Art. Dass hier 2020 mehr als 800 Betrugsversuche angezeigt wurden, sieht Breyer als Erfolg des Präventionsteams. Immer weniger Senioren ließen sich von falschen Polizisten oder dem Enkeltrick hinters Licht führen.

Zehn Tötungsdelikte

Und schließlich mussten die Göttinger Polizisten in zehn Tötungsdelikten ermittelt, alle Taten wurden aufgeklärt. Mal ging ein Mann mit einer Machete auf seinen Vater los, mal wurde ein junger Mann bei einem Streit lebensgefährlich mit dem Messer verletzt. In einem Fall geriet ein Ex-Freund in die tödliche Falle seines Nachfolgers, oder bei einem Nachbarschaftsstreit eskalierte die Gewalt. In vielen Fällen (insgesamt 94) waren Stichwaffen im Einsatz. Von der Osten: „Immer häufiger wird bei Straftaten ein Messer verwendet – sei es, um andere Menschen zu bedrohen, aber auch bei Raubüberfällen, Körperverletzungen bis hin zu versuchten Tötungs- und Sexualdelikten.“

Rainer Nolte, Leiter der Polizeiinspektion, kommentiert die Statistik 2020 so: „Wir blicken heute auf ein Jahr zurück, das ganz sicher mit keinem der vorherigen zu vergleichen ist.“ Die Pandemie habe das Leben der Bürger und den Arbeitsalltag der Polizei massiv verändert. Sein Dank gelte daher nicht nur den Kollegen für ein erfolgreiches Jahr, sondern auch den Göttingern, die die Polizeiarbeit unterstützt hätten.

Von Markus Scharf