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Göttingen Göttinger Polizei warnt vor Tricks der Gauner
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11:00 01.08.2019
Hauptkommissar Marko Otte findet es hilfreich, diesen Aufsteller am Telefon zu postieren, um bei Anrufen von Ganoven für die mögliche Gefahr sensibilisiert zu sein. Quelle: Meinhard
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Göttingen

Die Zunahme ist erschreckend. Gauner, die sich als Polizisten ausgeben, erbeuten immer größere Summen von ihren Opfern. „Ich befürchte trotz aller Aufklärung eine weiter steigende Tendenz“, sagt Kriminalhauptkommissar Marko Otte. Der Beauftragte für Kriminalprävention der Polizeiinspektion Göttingen hatte am Dienstag zu einer Informationsveranstaltung eingeladen, knapp 60 Personen waren der Einladung in die Otto-Hahn-Straße gefolgt. Viele von ihnen berichteten von mysteriösen Anrufen angeblicher Microsoft-Anrufer, vermeintlicher Polizisten, nicht existenter Familienmitglieder, vorgeblicher Scherenschleifer und von falschen Gewinnversprechen. „Ich hatte schon mal meine Nichte am Telefon. Dabei habe ich nur Neffen“, erzählte ein Teilnehmer.

Allein durch die Straftaten von Gaunern, die sich als Polizisten ausgaben, ist im Jahr 2013 ein Schaden von 35000 Euro entstanden. Im vergangenen Jahr betrug dieser Schaden bereits rund 4,7 Millionen Euro: und zwar nur in Niedersachsen. Jüngst ist der Fall einer alten Dame aus Dortmund bekannt geworden, die auf Geheiß angeblicher Polizisten Gold und Schmuck im Wert von 1 Million Euro auf einem Friedhof deponierte.

Die Täter lenken ihre Opfer ab

Unter dem Motto „Trickbetrug am Telefon“, berichtete Otte über die ausgefeilten Tricks der Ganoven. Neueste Finte: Sie geben sich als Wasserwerker aus, um in die Wohnungen von Bürgern zu gelangen. Das Tageblatt berichtete jüngst über diese Machenschaften in mehreren niedersächsischen Orten.

In Göttingen erbeuteten die Täter zweimal binnen weniger Tage jeweils rund 30000 Euro. In Arbeitskleidung klingelten sie an den Türen und gaben vor, im Auftrag des hiesigen Wasserwerks einen Rohrbruch in der Straße beheben zu wollen. Die Mieter, um Unterstützung gebeten, sollten zum Beispiel in der Küche den Wasserhahn auf- und zudrehen. „So sind die Opfer abgelenkt. In dieser Zeit durchsuchen die Komplizen die Wohnung nach Wertsachen“, erläuterte Otte das Vorgehen.

Da sich die Gauner oft Straßen aussuchen, in denen Bauarbeiten ausgeführt werden, schöpfen die Menschen keinen Verdacht. Misstrauisch sein sei das Gebot der Stunde, betonte der einstige Weender Kontaktbeamte. Ihm sei schon einmal von einer Frau die Haustür vor der Nase zugemacht worden, weil sie sich telefonisch rückversicherte, ob da wirklich ein echter Polizist vor der Tür steht. „Das hat sie richtig gemacht“, sagte Otte.

Ausweis zeigen lassen, Hotline anrufen

Ein ähnliches Verhalten empfiehlt auch die Abteilungsleiterin Wassernetz bei den Göttinger Stadtwerken, Antke Hahn, wenn Wasserwerker vor der Tür stehen sollten. „Lassen Sie sich den Dienstausweis zeigen und wenn Sie ganz sicher gehen wollen, rufen Sie unsere Hotline an unter 0551/301-333. Die ist rund um die Uhr besetzt“, sagte sie.

Otte erklärte, dass die Täter – in der Regel Deutsche – arbeitsteilig vorgehen. Die einen fungieren als Fahrer oder Geldabholer, die anderen sitzen in einem Callcenter in der Türkei und arbeiten Telefonbücher nach alten deutschen Vornamen durch. Denn vor allem auf ältere Menschen haben es die Täter abgesehen. „Sie nutzen aus, dass ältere Menschen besonders hilfsbereit sind. Sie nutzen auch aus, dass viele Ältere einsam sind und sich darüber freuen, jemanden helfen zu können“, erläuterte Otte.

Quasi jeder kann Opfer werden

Die Ganoven sind gnadenlos und schrecken auch vor körperlichen Einschränkungen ihrer Opfer nicht zurück, wie das Beispiel eines blinden Mannes in Duderstadt zeigt. Ebenfalls in Duderstadt brachten sie eine 86-jährige Frau dazu, ihr gesamtes Hab und Gut im Wert von 290 000 Euro an falsche Polizisten zu übergeben.

Davon auszugehen, dass einem selbst so etwas nicht passieren könne, sei fahrlässig. Die Täter seien psychologisch geschult und sehr redegewandt, sie würden auf jede Frage eine plausible Antwort finden und ihre Opfer um den Finger wickeln, warnte Otte. Er würde für seine Person nicht ausschließen wollen, später einmal selbst Opfer einer solchen Straftat zu werden.

Hinweise und Tipps der Polizei

- Niemals Geld an fremde Menschen übergeben, nicht 20 und schon gar nicht 20 000 Euro.

- Angehörige zurückrufen und fragen, ob der Enkel wirklich der Anrufer sein kann.

–Beim Enkeltrick den vermeintlichen Enkel mit falschen Namen anreden. Fällt es nicht auf, kann es nicht der Enkel sein.

- Am Telefon keine Namen von Familienangehörigen nennen, nicht verraten, ob man allein in der Wohnung ist.

- Keine Angaben über Besitztümer machen.

- Nicht unter Druck setzen lassen durch angebliche Notsituationen.

- Niemals die auf dem Display angezeigte Nummer zurückrufen.

- Sich bewusst sein, dass die Polizei nie unter 110 anruft.

- Niemals Geld abheben oder überweisen, um polizeiliche Ermittlungen zu unterstützen.

- Dienstausweise zeigen lassen und am besten dazu noch die Dienststelle zurückrufen.

- Bei Verdacht auf unlauteren Anruf die Polizei informieren, etwa unter 110.

- Keine Fremden in die Wohnung lassen.

- Misstrauisch sein.

- Den Vornamen aus dem Telefonbuch löschen lassen, wenn es ein alter deutscher Vorname ist.

So erreichen Sie den Autor: u.meinhard@goettinger-tageblatt.de 

Von Ulrich Meinhard

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