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Göttingen Göttinger Totschlagsprozess „Karspüle“: Wollte sich Angeklagter stellen?
Die Region Göttingen Göttinger Totschlagsprozess „Karspüle“: Wollte sich Angeklagter stellen?
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00:28 24.06.2019
Nach dem Tötungsdelikt im vergangenen Dezember suchen Polizisten das Umfeld nach Spuren ab. Jetzt steht ein Tatverdächtiger vor Gericht.
Nach dem Tötungsdelikt im vergangenen Dezember suchen Polizisten das Umfeld nach Spuren ab. Jetzt steht ein Tatverdächtiger vor Gericht. Quelle: mm
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Göttingen

Der Angeklagte im Göttinger „Karspüle-Prozess“ wollte sich vermutlich selbst der Polizei stellen. Das geht aus den Schilderungen eines der Ermittler hervor. Der Leiter der damals eingerichteten Mordkommission war am Freitag als Zeuge erschienen. Nach seinen weiteren Aussagen haben vor allem Videoaufnahmen aus mehreren Imbissen in Tatortnähe dazu geführt, den Hauptverdächtigen und seine Begleiter relativ schnell zu identifizieren.

Angeklagt ist ein 20-jähriger Göttinger. Ihm wird vorgeworfen, in der Nacht zum 1. Dezember 2018 einen 28-jährigen Göttinger an der Straße „Untere Karspüle“ getötet zu haben. Der damals noch 19-jährige mutmaßliche Täter soll sein Opfer nach einem Streit erstochen haben. Zu Prozessbeginn im Mai hatte er ein Geständnis abgelegt. Warum die beiden in Streit geraten waren, ist nach wie vor unbekannt.

Stiche gestenreich nachgemacht

Das kann auch die Polizei nach ihren umfangreichen Ermittlungen bis heute nicht sagen. Durch Zeugenaussagen gesichert sei aber, dass es vor den tödlichen Stichen in der Nacht zum 1. Dezember an der Straße eine verbale Auseinandersetzung zwischen dem Opfer und dem Tatverdächtigen gegeben habe, erklärte der Leiter der Mordkommission. Diese habe sich aus einer zunächst friedlichen Zusammenkunft heraus hochgeschaukelt.

Konkrete Spuren habe es am Tatort und im weiteren Umfeld nicht gegeben. Nur ein paar Getränkedosen seien gefunden worden, schilderte der Ermittler weiter die Stunden nach dem Notruf. Das Opfer sei zunächst noch ansprechbar gewesen, habe sich aber nicht zur Tat geäußert. Kurz darauf erlag der 28-Jährige im Krankenhaus seinen Stichverletzungen in Brust und Bein.

Zum Nachlesen – alles über den Fall Karspüle:

Links zum Tod in der Karspüle

Anfang Dezember 2018 ist ein 28-jähriger Mann an der Unteren Karspüle in Göttingen erstochen worden. Inzwischen läuft der Prozess gegen den Angeklagten. Hier können sie die bisherige Berichterstattung im Göttinger Tageblatt nachlesen.

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Sichergestellte Videos aus mehreren Imbissen an der sogenannten Dönermeile (Weender Straße) hätten aber recht schnell Hinweise auf drei Personen gegeben, die die gefundenen Dosen dort zuvor gekauft hatten. Unter ihnen war auch der inzwischen angeklagte mutmaßliche Täter, ihre Identität blieb zunächst allerdings unbekannt.

Die wurde erst Stunden später bekannt. Gegen 19 Uhr habe sich ein Zeuge gemeldet, so der Ermittler. Bei seiner Aussage habe er überraschend Täterwissen offenbart. Später stellte sich heraus, dass er einer der Begleiter des Angeklagten war. Auch die Identität der anderen war damit geklärt, ihr Aufenthalt zu dem Zeitpunkt aber noch unbekannt.

Vater bringt Tatverdächtigen zur Polizei

Allerdings, so schilderte es der Zeuge am Freitag weiter, habe sich ein Polizist die Fotos aus den Videos gut eingeprägt und den mutmaßlichen Täter kurz darauf überraschend vor der Polizeidienststelle entdeckt. Er wurde sofort festgenommen. Später stellte sich heraus, dass der Vater des Angeklagten seinen Sohn dort abgesetzt hatte. „Er hat ihm gesagt, er soll sich stellen“, erklärte der Ermittler weiter.

Im „Karspüle-Prozess“ sind noch mehre Prozesstage angesetzt. Die Beweisführung wird am Dienstag, 25. Juni, fortgesetzt.

Von Ulrich Schubert