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Göttingen Göttinger Radschnellweg auf der Kippe
Die Region Göttingen Göttinger Radschnellweg auf der Kippe
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20:30 28.07.2014
Von Andreas Fuhrmann
Soll Teil des neuen Radschnellwegs werden: der Weg entlang der Landesstraße 573 auf Rosdorfer Gemeindegebiet. Quelle: Hinzmann
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Göttingen/Rosdorf

Viel zu viel Geld, meinten die Rosdorfer Politiker im jüngsten Bauausschuss. Damit steht das komplette Modellprojekt auf der Kippe, mit dem Göttingen landesweit für Aufsehen gesorgt hat. Nur nach langem Bitten von Kreisrätin Christel Wemheuer (Grüne) und unter der Garantie, dass der Landkreis Göttingen draufzahlt und die Gemeinde Rosdorf maximal 50 000 Euro beisteuern muss, stimmten die Rosdorfer Politiker letztlich zu. Der Kreistag hat nun das letzte Wort.

Dabei räumten die Rosdorfer Politiker durchaus ein, dass der Radschnellweg auch für ihren Ort positive Effekte habe. „Dennoch ist das eine enorme Summe“, sagte Christian Frölich (CDU). Auch Dieter Eikenberg (Grüne) nannte das Projekt „grundsätzlich attraktiv. Es wäre ärgerlich, wenn wir auf eine solch moderne Anbindung verzichten würden. Aber wir müssen sparen.“ Ob es denn nicht einen „Dreh“ gebe, um die Summe zu senken, fragte er.

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Die Verwaltungen des Landkreises und der Gemeinde Rosdorf hätten sich darauf geeinigt, sich die 250 000 Euro für den Abschnitt des Radschnellwegs auf Rosdorfer Gebiet zu teilen, sagte Wemheuer. Die anderen 750 000 Euro für den rund ein Kilometer langen Abschnitt übernehme das Land. „Mehr gibt es nicht.“

Wenn die Rosdorfer jetzt nicht zustimmten, sei das gesamte Projekt in Gefahr. Den Radschnellweg nur bis zum Göttinger Stadtrand zu bauen, sei nicht möglich, dafür gebe es keine Förderung vom Land.

Summe nicht verantwortbar

Christoph Sachse (SPD) konnte das nicht erweichen. Auch er sprach zwar von einem „interessanten Projekt“. Entlang der Landesstraße 573 gebe es aber bereits einen Radweg, wohingegen anderswo in der Gemeinde welche fehlten. Daher könne er die Summe nicht verantworten. „Bei einem Drittel der Kosten wäre ich dafür, aber so ist das nicht vertretbar.“

Wemheuer schlug vor, eine „interne Schmerzgrenze“ in den Rosdorfer Beschluss einzufügen: zum Beispiel eine maximale Beteiligung von 20 Prozent der Kosten oder 50 000 Euro. „Das ist die einzige Möglichkeit. Wenn wir jetzt abwarten, gehen wir den Weg nicht weiter.“

„Das ist hier ein Stück weit wie auf dem Basar, aber ich würde da mitgehen“, sagte Frölich. „Ich auch“, pflichtete Sachse bei. „Dafür könnten wir den Kopf hinhalten“, sagte Eikenberg. Und so wurde der Vorschlag Wemheuers einstimmig mit in den Beschluss aufgenommen.

Allerdings muss darüber im Oktober noch der Göttinger Kreistag entscheiden. Sie wolle sich für den Rosdorfer Antrag einsetzen, sagte Wemheuer. „Es könnte aber sein, dass die Politik das anders sieht.“ Dann wäre für den Radschnellweg am Bahnhof Endstation.

Auch die Stadt Göttingen zahlt

Bereits im nächsten Jahr soll der Radschnellweg vom Göttinger Bahnhof bis zum Rosdorfer Rischenweg fortgeführt werden – wenn denn der Kreis mehr zahlt. Die federführende Stadt Göttingen stellte bereits einen Zuschuss-Antrag an das Land.

75 Prozent der Kosten können erstattet werden. Die Stadt rechnet mit rund 2,2 Millionen Euro Gesamtkosten und einem Eigenanteil von 275 000 Euro.

Der Radschnellweg, der bereits in Göttingen vom Uni-Nordcampus bis zum Kreuzbergring fertiggestellt wurde, ist Teil des Bundesprogramms „Schaufenster Elektromobilität“. Vorgesehen ist auch eine Verlängerung bis Bovenden.

Fader Beigeschmack

Man kann über den Radschnellweg ja denken, was man will. Aber jetzt gibt es ihn nun mal. Und er entfaltet erst seine volle Wirkung, nämlich mehr Pendlern den Umstieg aufs Rad zu erleichtern, wenn er den Norden Göttingens mit dem Süden verbindet. Genau dies ist jetzt in Gefahr. Der Radschnellweg droht zu einem politischen Desaster zu werden.

Man könnte den Rosdorfer Politikern unterstellen, dass sie genau das gewusst haben. Dass der Landkreis einspringt, egal was Rosdorf zu zahlen bereit ist. Viel zu viel steht ja auf dem Spiel. Vor allem Geld, aber auch Ansehen. Das Göttinger Projekt ist einmalig in Deutschland, im ganzen Land wurde darüber berichtet. Sollte es scheitern, wäre der Image-Schaden für die Region enorm.

Allerdings muss man auch die finanzielle Situation Rosdorfs berücksichtigen. Es drücken Schulden in Millionenhöhe. Zudem stehen viele wichtige Investitionen an, zum Beispiel der Bau zweier Feuerwehrhäuser.

So aber geht es den meisten Gemeinden im Landkreis. Falls der Kreistag zustimmt, müssen diese jetzt indirekt noch mehr für einen Radschnellweg zahlen, von dem sie nichts haben. Rosdorf hingegen, seit jeher stark nach Göttingen ausgerichtet, wird davon profitieren.

Der Ort wächst. Erst jetzt wurde wieder ein neues Baugebiet beschlossen. Weitere sollen folgen, denn die Interessenten stehen Schlange. Vor diesem Hintergrund hätten die Rosdorfer Politiker sofort zustimmen sollen. So bleibt ein fader Beigeschmack.

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Bereits im nächsten Jahr soll der Radschnellweg in Göttingen vom Bahnhof bis zum Rischenweg in Rosdorf fortgeführt werden. Ein vier Meter breiter Radweg an der Göttinger Straße soll insbesondere Pendlern den Umstieg aufs Rad erleichtern.

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