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Göttingen Schüler schicken Ballon 40 Kilometer hoch
Die Region Göttingen Schüler schicken Ballon 40 Kilometer hoch
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00:28 24.06.2019
Letzte Vorbereitungen vor dem Start: Lehrer Matthias Deters mit Schülern und dem Ballon.
Letzte Vorbereitungen vor dem Start: Lehrer Matthias Deters mit Schülern und dem Ballon. Quelle: r
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Göttingen / Wolfsburg

Einen mit Helium gefüllten Stratosphären-Ballon haben Schüler des Göttinger Hainberg-Gymnasiums am Freitagmorgen starten lassen. Knapp sechs Stunden später landete der geplatzte Ballon in einem Garten in Wolfsburg.

Erst meldete sich der GPS-Sender, zu dem die Schüler eine Weile keine Handyverbindung mehr gehabt hatten. Kurz darauf klingelte das Telefon – und eine Frau teilte Physiklehrer Matthias Deters den Absturz in ihrem Garten mit. Die Telefonnummer des Lehrers hatten die Schüler auf der Box mit Messtechnik notiert, die unter dem Ballon gehangen hatte.

Ballon platzt in 40 Kilometern Höhe

Der aufsteigende Latex-Ballon, dessen Flug eine Kamera an Bord dokumentierte, hatte sich mit zunehmender Höhe aufgrund des schwindenden Luftdrucks immer weiter ausgedehnt. Schließlich war er gerissen. Die anderthalb Kilogramm schwere Box stürzte daraufhin aus rund 40 Kilometern Höhe Richtung Erde. Ein Fallschirm öffnete sich und bremste den Fall.

Stieg in 40 Kilometer Höhe auf: Ballon beim Abflug. Quelle: r

„Der Ballon hätte auch irgendwo im Wald auf einem Baum landen können, wo es kein Handynetz gibt“, berichtete Ole Aschenbach (15) nach dem Wiederauffinden erleichtert. Ein zweiter GPS-Sender, der seinen Standort über Satellit gefunkt hätte, war nicht rechtzeitig vor dem Start in Göttingen eingetroffen. Ausgeblieben sind die befürchteten Schäden, gegen die sich die Schüler mit einer Versicherung geschützt hatten. Nun wollen die Neunt- und Zehntklässler die Daten auswerten.

Measurement Valley sponsert das Projekt

„Eine 1400-Euro-Spende des Göttinger Messtechnikverbands Measurement Valley hat es uns ermöglicht, eine größere Anzahl von Messgeräten zu erwerben“, sagte Moritz Hoy (15). Die Schüler hatten zwei Geigerzähler an Bord, mit der sie Alpha-, Beta- und Gamma-Strahlung erfassten. Sie überprüften auch die Infrarotstrahlung. Andere Geräte verzeichneten die Konzentration an Feinstaub und an Kohlendioxid in der Atmosphäre. Aus den Daten wollen die Schüler ermitteln, ob es über Göttingen ein Ozonloch gibt. „Den Ozongehalt selbst konnten wir nicht kontrollieren, weil das entsprechende Messgerät mehr als alle anderen zusammen gekostet hätte“, verriet Arne Wedrins (15).

Die Weltraummission hatte die 15-köpfige Gruppe, zu der auch sechs Mädchen gehören, seit Oktober im Wahlpflichtunterricht vorbereitet. Drei Stunden pro Woche standen den Jugendlichen zur Verfügung. Um die verschiedenen Aufgaben zu schaffen, hatten sich Arbeitsgruppen gebildet. Einige Schüler kümmerten sich um die notwendige Flugerlaubnis und berechneten den möglichen Landeplatz. Der Ballon hätte demnach auch an der polnischen Grenze herunterkommen können.

Andere Jugendliche programmierten die kleinen Arduino-Computer zur Steuerung des Messtechnik. „Um mit der Technik warm zu werden, die wir zuvor nicht kannten, mussten wir zunächst einen Blinker betätigen“, erinnerte sich Aschenbach. Die Technik hatten sie zusammen mit einer Powerbank für die Stromversorgung in einer Styroporkiste verstaut und mit Panzerband gesichert. Viele der 1300 Schüler des Gymnasiums unterschrieben auf Karten, die mit an Bord gingen.

Hunderte Schüler kamen zum Ballonstart auf den Schulhof

Eine andere Arbeitsgruppe kümmerte sich um die Öffentlichkeitsarbeit. Sie nahm Kontakt zu Measurement Valley auf und informierten die Zeitung. Über Aushänge in der Schule mobilisierte die Gruppe auch die Schülerschaft. Am Freitagmorgen um 9.30 Uhr versammelten sich schließlich Hunderte Jugendliche auf dem Schulhof, um beim Start dabei zu sein.

Mit dem Projektverlauf zeigte sich Lehrer Deters zufrieden. „Hochmotiviert“ hätten die Schüler mitgearbeitet. Die beschaffte Technik werde er demnächst mit einer anderen Schülergruppe zur Einrichtung einer Wetterstation nutzen.

Von Michael Caspar