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Göttingen Göttinger Schüler streiken für Klimaschutz
Die Region Göttingen Göttinger Schüler streiken für Klimaschutz
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00:21 16.12.2018
Noch im November haben Schüler des Hainberg-Gymnasiums für den neuen Anbau ihrer Schule demonstrieren. Jetzt wollen sie für Klimaschutz streiken. Quelle: Christina Hinzmann
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Göttingen

Die junge Schwedin Greta Thunberg bleibt seit einigen Monaten regelmäßig einen Tag in der Woche dem Unterricht fern. Die Aktion am Freitag ist bis 13 Uhr angemeldet.

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„Fridays for Future“ – so lautet der Titel der Aktion, die in einer Reihe von Städten angekündigt ist. Die Teilnehmer „fordern echten Klimaschutz und einen schnellen Kohleausstieg von den Politikern. „Der Klimawandel bedroht unser aller Zukunft. Unsere Politiker unternehmen aber viel zu wenig, um das zu verhindern. Wir wollen nicht hinnehmen, dass uns unsere Zukunft durch unnachhaltige Entscheidungen seitens der Politik verbaut wird. Deshalb streiken wir für unsere Zukunft“, sagt Ragna Diederichs, Schülerin am Hainberg-Gymnasium (HG).

Sie hatte am Donnerstag Morgen Infozettel vor dem Hainberg-Gymnasium zu der Aktion verteilt und Schulleiter Georg Bartelt darüber informiert. Der sagt zu dem Engagement: „Ich finde es gut, wenn die jungen Menschen sich Sorgen um ihre Zukunft machen“ – auch wenn sie dazu zu ungewöhnlichen Maßnahmen griffen. Dennoch habe er während des Unterrichts eine Durchsage dazu gemacht und erklärt, „wer fehlt, fehlt unentschuldigt“.

„Formal verboten“

Das ist auch Linus Steinmetz bewusst. „Natürlich ist das formal verboten“, sagt der HG-Sprecher, der zu dem Organisationsteam in Göttingen gehört. Doch „wenn die Erwachsenen uns keine Zukunft garantieren, müssen wir uns auch nicht an ihre Regeln halten.“ Für eine gute Sache einzutreten, rechtfertige einen Streik.

Der Streik am Freitag soll keine einzelne Aktion bleiben. „Wir sagen sehr klar, dass das nicht der einzige Streik in Göttingen bleiben soll“, erklärt Steinmetz. Gerade im neuen Jahr soll es bundesweit größere Veranstaltungen geben.

Vor allem Schüler des Hainberg-Gymnasiums, aber auch vom Otto-Hahn-Gymnasium (OHG) in der Georg-Christoph-Lichtenberg-Gesamtschule (IGS) sollen sich laut den Organisatoren an dem Streik beteiligen. Bei Schulleiterin Rita Engels war das am Donnerstagnachmittag noch nicht angekommen. Sie hätte erwartet, dass die Schülervertretung sie darüber informiert, sagt sie. Und fügt direkt an, sie finde es toll, wenn sie sich für Klimaschutz engagierten. Doch auch sie erklärt: Ein Schülerstreik sei verboten, „auch wenn es um eine gute Sache geht“. Dann müssten die Schüler auch die Konsequenzen tragen – die seien in einem solchen aber nicht dramatisch.

Eine Sprecherin des niedersächsischen Kultusministeriums erklärt die Rechtslage. Die Teilnahme an Demonstrationen rechtfertige nicht das Fernbleiben vom Unterricht, solange das mit der Demonstration verfolgte Anliegen nicht weniger nachhaltig auch außerhalb der Unterrichtszeit verfolgt werden könne. Nur wenn sich im Ausnahmefall das mit der Demonstration verfolgte Ziel nicht mehr nach Beendigung des Unterrichts verwirklichen lassen sollte und die Schutzwürdigkeit des Anliegens der Demonstration einer Wertentscheidung des Grundgesetzes und dem Bildungsauftrag der Schule entspricht, kann den Grundrechten auf Meinungsfreiheit und Versammlungsfreiheit Vorrang gegenüber dem staatlichen Erziehungs- und Bildungsauftrag zukommen. „Auch wenn wir das Engagement der Schüler für den Klimaschutz sehr begrüßen, erfüllt eine solche Demonstration die beiden genannten Voraussetzungen nicht.“

Von Peter Krüger-Lenz