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Göttingen So betreiben Göttinger Schüler Umweltschutz auf dem Weihnachtsmarkt
Die Region Göttingen So betreiben Göttinger Schüler Umweltschutz auf dem Weihnachtsmarkt
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10:27 28.11.2019
Schon gespannt auf den eigenen Stand beim Weihnachtsmarkt: Einige der Schüler präsentieren ihre Produkte. Quelle: Tammo Kohlwes
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Göttingen

Irgendwann war Alexandra Bühner es leid: „Schülern wird immer vorgeworfen, sie gingen zwar zu Fridays for Future, täten aber sonst nichts für die Umwelt. Dagegen wollte ich etwas tun“, sagt die Lehrerin am Otto-Hahn-Gymnasium. Das Ergebnis: Ein Stand auf dem Weihnachtsmarkt, an dem Schüler Dinge verkaufen, die die Umwelt schonen und die sie selbst hergestellt haben. Es gehe darum, Nachhaltigkeit sichtbar zu machen, sagt Bühner.

Zusammen mit Andrea Schneider, Koordinatorin für kommunale Entwicklungspolitik in Göttingen, organisierte die Lehrerin einen Stand und fand Jugendliche von zehn Schulen in Göttingen und Dransfeld, die sich am Projekt beteiligen wollten. Am Sonnabend, 30. November, hat der Stand zum ersten Mal geöffnet. Bis einschließlich 20. Dezember verkaufen dann immer montags bis freitags von 15 bis 19 Uhr die Schüler der verschiedenen Schulen an verschiedenen Tagen ihre Produkte – aber immer nur die, die sie selbst hergestellt haben.

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Upcycling als normalste Sache der Welt

Zum Beispiel die Schüler der Montessori-Schule: Einer von ihnen ist Liam, elf Jahre, 6. Klasse. Er und seine Mitschüler haben unter anderem ein Waschmittel aus Kastanien hergestellt – wiederverwendbar. Es gehe ihm darum etwas Gutes zu tun, sagt Liam – schließlich geht die Hälfte der Einnahmen aus dem Verkauf als Spenden an Umweltschutzprojekte wie Plant for the Planet.

Tomke, zehn Jahre, und ihre Freundinnen aus der 5. Klasse des Otto-Hahn-Gymnasiums nehmen mit ihrer Näh-AG am Fairen Weihnachtsmarktstand teil. Die Mädchen sprechen von Recycling und Upcycling, als wäre es die normalste Sache der Welt: Sie wollen unter anderem Mäppchen und Handytaschen aus alten Jeans verkaufen, die sie selbst genäht haben.

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Vielfalt der Schüler, Vielfalt der Ideen

„Es geht nicht darum, eine bestimmte Schule herauszustellen, sondern darum, dass Kinder und Jugendliche von zehn Göttinger Schulen zusammenarbeiten und so etwas für die Umwelt tun“, sagt Bühner über den Fairen Weihnachtsmarktstand. Der Vielfalt ihrer Schulen entsprechend, bringen die Schüler auch ganz unterschiedliche Hintergründe in das Projekt ein.

Einige von ihnen sind zum Beispiel in Schülerfirmen. So etwa Paula und Marlena, beide 14 Jahre alt und in der 9. Klasse des Hainberg-Gymnasiums. Die Mädchen verkaufen Produkte aus Macadamianüssen, die sie aus fairem Handel direkt von Kleinbauern gekauft haben. Ein Großteil des Erlöses geht zurück an diese Kleinbauern. Sie hätten schon länger mit der Idee gespielt, einen Stand auf dem Weihnachtsmarkt zu betreiben, sagt Paula. Da sei der Faire Weihnachtsmarktstand gerade richtig gekommen.

Hussein (14) und Aristid (15) vom Otto-Hahn-Gymnasium haben in ihrer Schülerfirma eine eigene Modekollektion herausgebracht – mit fair gehandelten T-Shirts, die sie mit den chemischen Formeln von Kaffee und Schokolade bedruckt haben. Larissa (16) von der BBS II Godehardstraße hat mit ihren Mitschülern ressourcenschonende Produkte vom unbehandelten Wikingerschach über Spielfiguren aus Metall bis hin zur Kerze aus in Wachs getränkter Toilettenpapierrolle gebastelt.

Fairer Weihnachtsmarktstand als Integrationsprojekt

Nicht zuletzt ist der Faire Weihnachtsmarktstand eine Möglichkeit zur Integration: Usman (20) und Shima (24) von der BBS I Arnoldi-Schule sind in einer Berufseinstiegklasse für junge Menschen mit Fluchterfahrung. Usman sieht das Engagement auf dem Weihnachtsmarkt als gute Gelegenheit, Kultur und Sprache kennenzulernen. Er und Shima wollen keine Geschenke verkaufen, sondern die Verpackungen für Geschenke – mit fair gehandeltem Geschenkpapier und sogar fair gehandeltem Tesafilm.

Die Beteiligten

Zehn Schulen beteiligen sich an der ersten Auflage des Fairen Weihnachtsmarktstandes in Göttingen. Neun davon liegen in Göttingen, eine in Dransfeld. Am Projekt nehmen Schüler von folgenden Schulen teil: Albani-Schule, BBS I Arnoldi, BBS II Godehardstraße, BBS III Ritterplan, Hainberg-Gymnasium, IGS Geismar, Max-Planck-Gymnasium, Montessori-Schule, Otto-Hahn-Gymnasium, Schule am Hohen Hagen.

Organisiert haben das Projekt Alexandra Bühner, Lehrerin am Otto-Hahn-Gymnasium, und Andrea Schneider, Koordinatorin für kommunale Entwicklungspolitik in Stadt und Landkreis Göttingen. Bühner suchte an den anderen Schulen der Region nach Lehrkräften und Schülern, die mitwirken wollten. Schneider konnte erreichen, dass die Stadt keine Standgebühren für das Projekt erhebt. Die Schüler können sich stattdessen darauf einigen, zusätzlich zum Erlös aus ihren Verkäufen eine gemeinsame Spende für ein Klimaschutzprojekt zu sammeln.

Von Tammo Kohlwes

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