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Göttingen Göttinger Schützenfest: Debüt von Harald Grahovac gelungen
Die Region Göttingen Göttinger Schützenfest: Debüt von Harald Grahovac gelungen
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10:36 29.07.2014
Von Jürgen Gückel
Neuer Oberschaffer und altbewährte Blasmusikanten: Harald Grahovac und die Landolfshäuser sorgen für Stimmung. Quelle: Theodoro da Silva
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Göttingen

Auch am Ende des zügig durchgezogenen Schützenfrühstücks stand für wohl alle Schützen fest: die Bürger-Schützen-Gesellschaft (BSG) hat einen guten Nachfolger des aus Gesundheitsgründen nach acht turbulenten Jahren ausgeschiedenen Michael Klingberg.

Dabei verkniff sich der Neue keineswegs, dass er noch Bürgermeister von Rosdorf ist. Auf  den Hinweis seines Bürgermeister-Kollegen Wolfgang Meyer (beide SPD), der Landkreis könne froh sein, dass die Stadt Göttingen ihren Namen für den Landkreis hergibt, konterte Grahovac mit dem Vorschlag, man könne sich ja auf Landkreis Rosdorf (nicht Drammetal) einigen.

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Abwesenheit beim Tanzabend

Sogar seine Abwesenheit beim Tanzabend am Sonnabend, 2. August, sieht man ihm nach: Die Hochzeit in der Familie ließ sich nach der Wahl ins neue Oberschaffer-Amt nicht mehr verschieben.

Und der neue Oberschaffer selbst, in Rosdorf mit guten Wahlergebnissen zwar schon verwöhnt, habe sich durch das neue Amt nur verbessert, gab er zu: Wahlergebnis 100 Prozent.

Insgesamt war es unter neuer Führung wieder ein kurzweiliges, fröhliches Frühstück mit schmackhafter Wurstplatte (von Sebert) und viel Göttinger Bier (aus Einbeck). Allerdings waren diesmal weniger Besucher gekommen, etwa 600 waren im Zelt. So ist man sich im Schafferamt dem Vernehmen nach einig: Es bedarf einiger Veränderungen, um das Schützenfest für Schützen wieder zur Pflicht und für Gäste attraktiv zu halten.

Guter Rat von Maßband-Meyer

Von Jürgen Gückel

Noch 100 Tage, dann hat Göttingen einen neuen Oberbürgermeister. Der alte verabschiedet sich von den Schützen mit 100 Ratschlägen an den Nachfolger – abgeschnitten vom Maßband, so wie man das einst beim Bund gelernt hat.

Einer der wichtigsten: Nie einen Dienstwagen kaufen – einen fahren, gehe an, einen kaufen, gehe gar nicht. RGK (Rolf-Georg Köhler) könne, diesen Rat beherzigend, als erster trampender OB in die Stadtgeschichte eingehen. Apropos RGK: Das bedeute für die CDU „Riesig große Katastrophe“ und für die Schützen „Richtiger Göttinger König“. Aus eigener Erfahrung deute er RGK allerdings als „Raue Groner Kultur“.

Dann warnte er den Neuen noch vor der Kommunalpolitik als „wuchernder Riesengarten voller Mimosen“. Und bevor es ins Rathaus gehe, solle sich Köhler noch einmal in Grone richtig satt essen. Im Rathaus drohe der Veggie-Tag, der Kaffee schmecke schon jetzt nach fairem Handel. Auch warne er vor Basta-Ansprüchen. Diese Zeiten seien mit der letzten Currywurst Gerd Schröders beigesetzt worden.

Zum Umgang mit dem Gegenüber an der Reinhäuser Landstraße empfiehlt Maßband-Meyer, immer etwas Dankbarkeitserwartung auszustrahlen. Der Dank dürfe sich auch gern in Geld ausdrücken.

Und zum neuen Oberschaffer aus Rosdorf meint Meyer: „Erst unseren Schlachthof eingekesselt, dann den Knast gekrallt, nun die BSG geentert. Was kommt danach? Wedelt der Schwanz hier mit dem Hund?“

Küssen kostet: Liesel-Maut

Von Friedrich Schmidt

In geheimer Mission scheint Detlef Tanke unterwegs zu sein. Er berichtet von „finsteren Plänen“ der Bundesregierung und gibt Informationen des Hinweisgebers Edward Snowden weiter.

Ein Abgeordneter des Niedersächsischen Landtags und Generalsekretär der SPD in Niedersachsen ist Tanke, stellt Harald Grahovac, Oberschaffer der Bürger-Schützen-Gesellschaft von 1392, den Redner vor. „Und was er ganz verschwiegen hat: Schützenkönig von Hillerse“, ergänzt Tanke.

Snowden habe ihm verraten, warum die Immobilienpreise in Göttingen steigen würden. Das liege an den Reisebussen voller Ostfriesen, die in die Universitätsstadt strömen würden. Die hätten nämlich erfahren, dass es in Göttingen sicherer sei, wenn die Klimaerwärmung Ostfriesland überschwemmen lasse, so Tanke. Außerdem sei das ständige „Geknutsche“ des Gänseliesels der Kanzlerin „ein Dorn im Auge“.

Deswegen solle eine Liesel-Maut eingerichtet werden – Küssen für 500 Euro. Plastik-Kopien als preiswerte Kuss-Alternativen seien im Gespräch. Tanke beendet seine augenzwinkernde Rede mit dem Schützengruß aus Hillerse, und die Schützen im Göttinger Festzelt antworten ihm: Ein dreifaches „Gut – Schuss“.

Stimmungskanone aus Brackel

Von Rupert Fabig

Den wohl größten Lacher des Vormittags landet Michael Grosse-Brömer (CDU). Bei einem Witz des Ersten Parlamentarischen Geschäftsführers der CDU/CSU-Bundestagsfraktion über Sigmar Gabriels verzweifelte Suche nach einem geeigneten Kanzlerkandidaten prustet das Publikum im Schützenzelt los. Es bleibt nicht das einzige Mal.

Der 53-Jährige, selbst Mitglied im Schützenverein seines Heimatortes Brackel und auf Einladung von Parteifreund Fritz Güntzler in Göttingen, weiß, wie man im Festzelt für Stimmung sorgt. Zum Beispiel, indem man sich über die Bayern – „keinen Hals, aber trotzdem Krawatte“ – lustig macht. Beispiel gefällig? „Hätten die Niedersachsen damals im Teutoburger Wald nicht die Römer besiegt, würde man in Bayern heute Italienisch sprechen.“ Wieder johlen die Schützen.

Auch den NSA-Skandal baut der gebürtige Oberhausener satirisch in seine heitere Rede ein: Sagt ein kleiner, deutscher Junge zu Barack Obama: „Mein Vater sagt, ihr hört uns ab.“ Der US-Präsident antwortet: „Das ist nicht dein Vater.“

Die Mettwurst, die ihm Oberschaffer und Frisur-Double Harald Grahovac zum Dank überreicht, hat sich Grosse-Brömer jedenfalls redlich verdient. Und sollte seine Politkarriere enden, um eine neue Beschäftigung braucht er nicht zu fürchten. Wie wäre es mit Alleinunterhalter?

© Theodoro da Silva
Rüdiger Fus, der Oberschießmeister, marschierte wie immer voran, als mehrere hundert Schützen, Spielleute und Gäste am Sonntagnachmittag an tausenden Göttingern vorbei zu klingendem Spiel durch die Stadt marschierten. © Heller
Tanzabend im Schützenzelt: viele graue und grüne Joppen überwiegend ergrauter Schützen, zwischendrin eine Reihe roter Dianen, vorn mühen sich die Eisenbrecher, das Eis zu brechen, hinten stehen ganze Reihen Stühle leer. © Heller
Das ging schon gut los: Genau 333 Schützenschwestern, -brüder und Spielleute waren angetreten, als am Freitag um 19.15 Uhr das 622. Göttinger Schützenfest eröffnet wurde. © Theodoro da Silva
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Ein wenig zögert sie noch, aber dann traut sich Leni doch und rollt lachend in der roten Plastikkiste die Bahn herunter. Die Rollenrutsche ist vor allem bei den kleinen Kindern der Hit – natürlich nach der Schminkstation. Unterdessen sitzen ihre Eltern und andere Barlisser gemütlich mit Kaffee und Kuchen unter einem Zeltdach und plaudern. Es ist Lindenfest in dem kleinen Dorf mit etwa 320 Einwohnern.

Ulrich Schubert 28.07.2014
Göttingen Festumzug folgt auf den Fus - Festumzug der Göttinger Schützen

„Da kommt Rüdiger“, verkünden Roland Emme-Weiß und Klaus Plaisir von der Tribüne am Markt. Dann folgt der Festumzug auf den Fus. Rüdiger Fus, der Oberschießmeister, marschierte wie immer voran, als mehrere hundert Schützen, Spielleute und Gäste am Sonntagnachmittag an tausenden Göttingern vorbei zu klingendem Spiel durch die Stadt marschierten. Und doch war einiges anders beim 622. Schützenausmarsch.

27.07.2014
Göttingen Blaue Bluttransfusion aus Fulda - Tanzabend im Schützenzelt Göttingen

Tanzabend im Schützenzelt: viele graue und grüne Joppen überwiegend ergrauter Schützen, zwischendrin eine Reihe roter Dianen, vorn mühen sich die Eisenbrecher, das Eis zu brechen, hinten stehen ganze Reihen Stühle leer. Dann stürmen wie ein Wirbelwind Dragon (Wühler) Merkus und seine Kirmesgesellen aus Bachrain bei Fulda auf die Tanzfläche und ziehen ihre Show ab.

Jürgen Gückel 27.07.2014