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Göttingen Die heiße Woche vor den Zeugnissen: Chillen, Wandern und etwas Unterricht.
Die Region Göttingen Die heiße Woche vor den Zeugnissen: Chillen, Wandern und etwas Unterricht.
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07:48 27.06.2019
Lehrerin Carmen van de Sand hat den Sachkundeunterricht mit der Klasse 2 in den Garten des Brotmuseums verlegt. Die Kinder erkunden das Insektenhotel. Quelle: Christina Hinzmann
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Göttingen/Ebergötzen

Nur noch wenige Tage bis zu den großen Sommerferien und Temperaturen weit über der 30-Grad-Marke. Das sind keine guten Voraussetzungen für ernsten Unterricht. Und tatsächlich gehen die Schulen und Lehrer im Raum Göttingen den Unterricht in dieser Woche etwas chilliger an – wenn sie nicht sowieso Hitzefrei geben.

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Nur noch wenige Tage bis zu den großen Sommerferien und Temperaturen weit über der 30-rad-Marke. Das sind keine guten Voraussetzungen für ernsten Unterricht. Und tatsächlich gehen die Schulen und Lehrer im Raum Göttingen den Unterricht in dieser Woche etwas chilliger an – wenn sie nicht sowieso Hitzefrei geben.

Das erst einmal vorweg: Tatsächlich durften viele Schüler seit Beginn der Woche an vielen weiterführenden Schulen die heißen Klassen vorzeitig verlassen und Freizeit im Freibad genießen. Am Göttinger Felix-Klein-Gymnasium zum Beispiel gab es am Dienstag nach der 6. Stunde Hitzefrei, am Mittwoch mit Ansage nach der vierten. Und an diesem Donnerstag haben fast alle sowieso nach der 2. Stunde keinen Unterricht mehr. Der Grund: die Entlassungsfeier für die Abiturienten, erklärt Schulleiter Michael Brüggemann.

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In Niedersachsen entscheiden die Schulleiter, ob und wann sie Hitzefrei geben. Dabei müssen sie auch im Blick haben, ob und wie die Kinder – vor allem die Jüngeren – in der Freizeit betreut werden und ob sie nach Hause gehen beziehungsweise fahren können. Das ist nämlich der Haken bei der Carl-Friedrich-Gauss-Oberschule (CFG) in Groß Schneen. Viele Kinder dort sind Fahrschüler, aber vor Ende der 5. Stunde fahren keine Busse, bedauert Schulleiter Jens Heape. Er hat seinen Schülern an diesem Mittwoch und Donnerstag ab der 7. Stunde (Ganztagsbetreuung) frei gegeben – „ab dann ist es in unseren Gebäuden zurzeit unerträglich“.

Grundschulen dürfen übrigens – eigentlich – kein Hitzefrei geben. Als verlässliche Schule müssen sie eine Betreuung bis einschließlich 4. Stunde sicherstellen, informiert die Landesschulbehörde. Es sind aber Ausnahmen möglich, wenn zum beispiel die Eltern vorab ihr Einverständnis erklärt haben und die Kinder in Obhut nehmen.

Bei den Zurzeit vorherrschenden Temperaturen sei fast unmöglich, in den oberen Räumen ihrer Schule Unterricht zu halten, sagt zum beispiel Hanka Rode, Leiterin der Wilhelm-Busch-Schule in Ebergötzen. Es gebe zwar Innenrollos, „aber wir können ja nicht fünf Stunden ohne Blick nach draußen unterrichten“.

Wasserschlacht auf dem Sportplatz

Aber es gibt es schöne Alternativen zum Hitzefrei. Und die werden in der letzten Woche vor dem Ende des Schuljahres (nächste Woche Mittwoch gibt es Zeugnisse) oft auch unabhängig vom extremen Sommerwetter genutzt, um die harte Unterrichtsphase ausklingen zu lassen.

„Wir gehen zurzeit viel raus und halten Unterricht unter den schönen großen alten Bäumen im Brotmuseum nebenan“, erklärt Rode weiter. An ganz heißen Tagen bewähre sich immer wieder die Ganztagskooperation mit dem TSV-Ebergötzen. Dann werden zwischendurch mal die großen Rasensprenger auf dem Fußballplatz eingeschaltet und die Kinder dürfen – in Badebekleidung – eine abkühlende Wasserschlacht machen.

An der Egelsberg-Grundschule in Göttingen gibt es vor den Sommerferien traditionell eine Bewegungswoche, erklärt Schulleiter Markus Bude. Die Kinder wandern mit ihren Klassenlehrern zum Kehr, zum Waldspielplatz auf dem Hagenberg oder gehen in den nahen Levinpark, um dort im Schatten der großen alten Bäume zu spielen. Und am Donnerstag ist für alle Klassen gemeinsamer Freibadtag. Andere schulen haben auf Themen bezogene Projekttage und basteln viel oder gehen raus in die Natur.

Unterricht „mit einer anderen Taktung“

Abgesehen von Hitzefrei „haben wir natürlich ganz normalen Unterricht“, sagt FKG-Leiter Brügemann mit Augenzwinkern. Soll heißen: Der Unterricht läuft „mit einer anderen Taktung und wir sind in vielen Dingen etwas großzügiger“. Denn es sei schon schwer, die Kinder in dieser Woche noch zu Höchstleistungen zu motivieren. So setzten viele Klassen ihren Unterricht entspannter im großen Schulgarten fort. So geht ein Kurs ins Kino Lümière, um einen Film zum letzten behandelten Thema zu sehen. Und die Klasse 6k2 fährt nach einem Besuch des Lagermuseums Friedland für zwei Tage ins Zeltlager Stolle. Das habe schon Tradition, wenn sie ihre 6. Klasse wie geplant abgibt, erklärt Lehrerin Antje Rothgordt-Frey. Dabei gehe es um einen schönen gemeinsamen Jahresabschluss, der auch den Teamgeist fördert. Im Zeltlager werde dann gebadet, gespielt und gemeinsam gekocht.

An der CFG steht die letzte Woche vor der Zeugnisausgabe als Themenwoche unter dem Motto „erwachsen werden“ mit vielen verschiedenen Aktionen. Der 10. Jahrgang wird feierlich verabschiedet, nennt Haepe ein Beispiel, der 8. Jahrgang absolviert das nächste Schnupperpraktikum für die Berufsfindung. Und für die Klassen fünf bis sieben gelte normaler Unterricht – mit besonderer Note. Viele Klassen „gehen dann mir ihren Lehrern einfach mal raus“ und bearbeiten ein Thema ohne Bücher in lockerer Runde irgendwo im Schatten auf dem Schulhof. Oder sie erkunden den nahen Boxberg und grillen am Wendebachstausee.

Von Ulrich Schubert