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Göttingen Pädagogisch fragwürdig: SPD fordert Ende der Versorgungsklassen
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Göttinger Schulpolitik diskutiert über Versorgungsklassen

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18:30 28.09.2021
Frustrierend: Bezüglich ihres pädagogischen Werts sind die Versorgungsklassen stark umstritten.
Frustrierend: Bezüglich ihres pädagogischen Werts sind die Versorgungsklassen stark umstritten. Quelle: fotolia
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Göttingen

Die Stadt Göttingen hat auch sechs Jahre nach dem Ende des dreigliedrigen Schulsystem noch immer mit den Folgen der Entscheidung gegen die Aufteilung in Gymnasium, Real- und Hauptschule zu kämpfen. Am Donnerstag befasst sich der Schulausschuss zum wiederholten Male mit den umstrittenen Versorgungsklassen. Die wurden 2019 eingerichtet, um Kinder der Jahrgänge 7 bis 9 aufzufangen, die an Gymnasien und Gesamtschulen keinen Platz fanden.

Von Beginn an hatten sich die Schulleiter der drei Gesamtschulen, Lehrer, Eltern und Schulpolitiker verschiedener Fraktionen gegen die Einrichtung dieser Notklassen ausgesprochen. Hier würden Schüler mit unterschiedlichsten Lernbiografien zusammengewürfelt. Gescheiterte Gymnasiasten träfen auf traumatisierte Flüchtlinge ohne Deutschkenntnisse oder Schüler mit hohem Förderbedarf. Selbst die Altersstruktur innerhalb der Klassen variiere um bis zu drei Jahre. Eine Beschulung und Integration in die Schulgemeinschaft sei in dieser Form selbst für sehr engagierte Kollegen nahezu unmöglich.

Kooperationsvertrag mit dem Bistum

Ein Kooperationsvertrag mit dem Bistum Hildesheim sollte Abhilfe schaffen: An der Bonifatiusschule II (Boni II) sollte künftig die Konfessionsbindung entfallen. Man wollte Platz für die fragliche Gruppe der Schüler schaffen und ein Konzept zur starken Berufsorientierung erarbeiten. Im Februar entschied der Rat, den Vertrag zu unterschreiben – gegen die Stimmen der SPD-Fraktion. Deren Hauptkritikpunkt: Die Stadt habe zu wenig Einfluss auf die inhaltliche Ausgestaltung und die Besetzung der Klassen.

An dieser Kritik hält die SPD auch ein Jahr später noch fest. Sie fordert in ihrem Antrag einerseits das sofortige Ende der Versorgungsklassen. „Sie sind pädagogisch eine Katastrophe.“ Andererseits müsse das Bistum an seine Zusagen erinnert werden. Die Stadt müsse die Aufnahme von mehr Schülern bis zu einer Dreizügigkeit in den Klassen 7 bis 10 einfordern. Angesichts der Zahlung von 1600 Euro pro Schüler und Schülerin durch die Stadt dürfe man den Hinweis der Schule auf fehlende Personalstellen und räumliche Engpässe nicht hinnehmen.

Wechsel „nicht möglich“

In der im Schulausschuss vorliegenden Stellungnahme nimmt die Verwaltung Abstand von einem sofortigen Ende der Versorgungsklassen. Die letzten beiden laufen erst mit Ende des aktuellen (Geschwister-Scholl-Gesamtschule) beziehungsweise des Schuljahrs 2022/23 (Georg-Christoph-Lichtenberg-Gesamtschule) aus. Auch sei ein Wechsel der betreffenden Schüler an die Boni II zum jetzigen Zeitpunkt „faktisch nicht möglich und pädagogisch auch nicht sinnvoll“.

Die Kritik an der Vereinbarung mit dem Bistum will man im Neuen Rathaus ebenfalls so nicht stehen lassen. „An der Bonifatiusschule II wurden in nahezu allen Jahrgängen, wie vereinbart, zusätzliche Schülerinnen und Schüler aufgenommen.“ Die Schule sei im laufenden Schuljahr in den Jahrgängen 5 bis 8 dreizügig, in den Jahrgängen 9 und 10 stünden noch Plätze zur Verfügung. Auch die inhaltliche Ausgestaltung an der Boni II entspreche den Vereinbarungen und sei der Politik zuletzt im April vorgestellt worden.

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Der Schulausschuss tagt am Donnerstag ab 16 Uhr im Ratssaal des Neuen Rathauses. Weitere Themen sind Schulabsentismus und der Controllingreport für den Fachbereich Schule.

Von Markus Scharf