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Göttingen Sexuelle Gewalt: Sportvereine schützen sich nach Kräften
Die Region Göttingen Sexuelle Gewalt: Sportvereine schützen sich nach Kräften
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10:13 26.09.2019
Fälle von sexuellem Missbrauch von Kindern erschüttern immer wieder die Gesellschaft. Wichtig ist bei allen vorbeugenden Maßnahmen auch, dass die jungen Opfer wissen, an wen sie sich wenden können, um Hilfe zu bekommen. Quelle: R
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Göttingen

Gegen einen jungen Trainer des 1. SC 05 Göttingen laufen Ermittlungen wegen des Verdachts der sexuellen Belästigung von Schutzbefohlenen. Solange kein Gericht eine Schuld festgestellt hat, gilt die Unschuldsvermutung. Dennoch läuten die Alarmglocken. Wie lassen sich solche Fälle vermeiden? Welche Schutzmaßnahmen treffen die Vereine? An wen können sich Betroffene wenden?

Der ASC 1846 Göttingen verlangt von allen Übungsleitern in regelmäßigen Abständen das Vorlegen eines Führungszeugnisses. „Ein von uns beauftragtes Mitglied sieht diese Zeugnisse ein“, erläutert Jörg Schnitzerling, der Vorsitzende des ASC. Zudem werde jeder Übungsleiter dazu angehalten, eine Selbsterklärung des Deutschen Olympischen Sportbundes zu unterschreiben, eine Selbstverpflichtung.

„Bis dato keinen bestätigten Fall“

Weiterhin gebe es beim ASC vier Ombudsleute, Personen also, an die sich betroffene Kinder und Jugendliche oder deren Eltern wenden können. „Die Ombudsfrauen und -männer kommen aus unterschiedlichen Bereichen, sie sind benannt und bekannt“, sagt Schnitzerling. Wird ein Verdacht geäußert, laufe diese Information bei ihm ein. „So etwas geht über mich. Ich schalte dann die Ombudsleute ein.“ Der Vorsitzende kann allerdings beruhigen: „Bis dato gibt es keinen bestätigten Vorfall.“ Er ist sich sicher: „Wir haben ein gut funktionierendes Risikomanagement und die Möglichkeiten der Vorsorge ausgeschöpft.“ Der ASC ist mit fast 10000 Mitgliedern der größte Sportverein in Göttingen.

Knapp 1000 Mitglieder zählt der TV Jahn Duderstadt. Der Vereinsvorsitzende Ekkehard Loest spricht aufgrund der vielen unterschiedlichen Angebote von zehn Vereinen in einem Verein. Einen Missbrauchsfall habe es bislang in den eigenen Reihen nicht gegeben, sagt Loest. „Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir mit unserem Vorstand und unseren Abteilungsleitern, die nahe an der Basis sind, genügend und charakterlich starke Leute haben, um einen solchen Vorfall schnell zu bemerken und auch mit der nötigen Klarheit aufzuklären. Und wenn man uns das nicht zu trauen würde – dann würden wir uns Hilfe von außen holen.“ Deshalb seien bislang keine Ombudsleute berufen worden.

Hoffen auf gute Menschenkenntnis

„Die HG Rosdorf-Grone arbeitet sehr eng untereinander zusammen“, erklärt die 1. Vorsitzende, Inken Seebode. „Wir haben zwei Jugendwarte, Freda Seifert für den weiblichen Bereich und Frank Hinrichs für den männlichen Bereich, die sich in ständigem Austausch mit den Mannschaften, Eltern und Trainern befinden“, geht sie ins Detail. Und außerdem: „Bei der Auswahl unserer Trainer achten wir darauf, dass wir sie erst ausgiebig kennenlernen. Oder wir kennen sie bereits seit Jahren und hoffen auf unsere gute Menschenkenntnis, aber natürlich können auch wir nicht hinter die Fassade gucken“, verweist die Sportvereinschefin auf eine Binsenweisheit.

Die Kinder und Jugendlichen sowie deren Eltern würden wissen, dass sie sich mit jedem Problem an den Vorstand wenden können. „Sie wissen auch, dass wir Probleme, und seien sie noch so klein, ernst nehmen und immer versuchen, eine Lösung zu finden“, so Seebode. Dadurch sei ein vertrauensvolles Miteinander entstanden. „Glücklicherweise brauchten wir uns bislang mit diesem Thema nicht auseinander zu setzen. Wie man damit umgehen würde, muss man dann entscheiden. Ein sehr sensibles Thema in alle Richtungen“, meint Seebode nachdenklich.

„Den bestmöglichen Schutz herstellen“

Hilfe im Fall des Falles bietet der Landessportbund mit Sitz in Hannover an. In einem Flyer unter der Überschrift „Gemeinsam gegen sexualisierte Gewalt im Sport“ heißt es: „Wir wollen den bestmöglichen Schutz herstellen.“ Bereits 2011 hat der LSB Niedersachsen mit seiner Sportjugend (SJ) das gemeinsame Projekt Schutz vor sexualisierter Gewalt von Kindern und Jugendlichen im Sport gestartet: mit einer Laufzeit bis 2020. Darauf macht Thekla Lorenz aufmerksam, die für dieses Projekt verantwortlich ist. LSB und SJ wüssten um ihre gesellschaftspolitische Verantwortung, versichert sie und fügt hinzu: „Aber auch darum, dass trotz dieses landesweiten umfangreichen Hilfsangebotes sich Einzelfälle wie der geschilderte nicht vermeiden lassen werden.“

Qualifiziert präventiv handeln

Mit dem Projekt soll in der gesamten Sportorganisation ein Klima hergestellt und nachhaltig gefestigt werden, das sowohl Mitarbeitende des Sports in die Lage versetzt, qualifiziert präventiv zu handeln, als auch Betroffene zum Reden ermutigt. Lorenz macht auch auf ein geknüpftes Netzwerk aufmerksam. „Der LSB vertritt die Position, dass wir uns bei Themen, die nichts mit Sport zu tun haben, Fachleute dazu holen. Wir suchen den Schulterschluss mit Fachbereichsstellen, in Göttingen ist es der Frauennotruf“, sagt Lorenz. Die Frage, ob Missbrauchsfälle zunehmen, will sie als LSB-Mitarbeiterin nicht beantworten. „Das wäre unseriös. Als normale Bürgerin kann ich sagen, dass die Aufmerksamkeit in unserer Gesellschaft zum Glück zunimmt.“ Der LSB verfolge einen „an den Betroffenen orientierten Ansatz“ und versuche, im Sinne der Opfer zu arbeiten.

Landessportbund bietet Unterstützung an

Der LSB unterstützt Vereine und Engagierte durch die Bereitstellung von Informationen zum Thema und zielgruppenspezifische Aus-, Fort- und Weiterbildungen für Funktionsträger aus Vorständen, Vereinsmanager, Übungsleiter und Trainer, Jugendleiter, Lehrreferenten, hauptberufliche Sportlehrkräfte, Leiter sowie Betreuer von Freizeiten. Unterstützung wird angeboten durch Informationsmaterialien und -medien, die Entwicklung von Medien für Kinder und Jugendliche, in denen ihre Rechte und Möglichkeiten der Hilfestellung kommuniziert werden. Es wird eine Beratung und Begleitung angeboten bei der Entwicklung und Umsetzung einer Verhaltensrichtlinie zum Schutz vor sexualisierter Gewalt in Sportverein, Sportbund oder Landesfachverband, ebenso für die Erarbeitung von Verhaltens- und Verfahrensregeln für eine Ferienfreizeit, die Entwicklung von Ablaufverfahren im Umgang mit Verdachtsfällen, die Erarbeitung und Installierung eines Beschwerdemanagements.

LSB und SJ haben eine Clearingstelle eingerichtet, an die sich Menschen (auch) anonym wenden können. Ein Beirat unterstützt LSB und SJ bei der Umsetzung des Projektes.

Von Ulrich Meinhard

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