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Göttingen „Göttinger Stadttauben“ fordern betreute Taubenschläge in ganz Niedersachsen
Die Region Göttingen „Göttinger Stadttauben“ fordern betreute Taubenschläge in ganz Niedersachsen
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10:00 18.10.2019
Die Menschen hätten viele Vorurteile zu Stadttauben. Der Verein setzt sich dafür ein, diese abzubauen – und die Gründe zu dezimieren. Quelle: Christina Hinzmann
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Göttingen

Als Ratten der Lüfte sind sie verschrien, dabei seien Stadttauben nur verwilderte Haustiere ohne Haus. Der Verein Göttinger Stadttauben ist dieser Meinung und will die Lebenssituation der Tiere ändern. Betreute Taubenschläge in Zusammenarbeit mit der Stadt fordern sie, das Land soll Kommunen und Taubenschutzvereine finanziell dabei unterstützen und außerdem wollen sie ein Verbot der Vergrämung durch Spikes und andere tiergefährdende Maßnahmen. Mit diesen Forderungen haben die Taubenschützer eine öffentliche Petition gestartet, die die Niedersächsische Landesregierung in Zugzwang bringen soll.

Mücher räumt mit Vorurteilen auf

Die Vereine Stadttiere Braunschweig und Stadttauben Lüneburg sowie die Gruppe Taubenengel Salzgitter unterstützen den Vorstoß. 5000 Unterschriften brauchen die Göttinger, damit der Petitionsausschuss des Landtags den Antragsteller, Jan Mücher, mündlich anhört. Mücher ist der erste Vorsitzende der Stadttauben in Göttingen – und räumt gerne mit Vorurteilen auf. Stadttauben seien auf die Pflege von Menschen angewiesen, weil sie verwilderte Haustiere seien. Ihr Kot sei nur „schleimig-ätzend“, wenn sie Nahrungsreste von Fast Food und anderen Abfällen im Stadtgebiet zu sich nähmen.

Stadttauben suchen sich ihr Futter selten aus. Meistens sind es Abfälle von Fast Food. Quelle: Peter Heller

„Der sogenannte Hungerkot greift Fassaden an“, so Mücher. Mit Körnern gleiche die Ausscheidung „der von Katzen“. Auch die Übertragung von Erregern sei nicht gegeben: „Tauben übertragen nicht mehr Krankheiten als Hunde oder Singvögel“, sagt der Vorsitzende. Ein Dorn im Auge sind ihm Spikes, also Metallstacheln, die Menschen zur Abwehr der Tiere an Statuen und Gebäuden einsetzen. „Die Tauben verletzen sich meist nur, können aber an den Folgen sterben.“ Vergrämungsmaßnahmen wie diese führten nicht dazu, dass die Tiere den Orten fernbleiben.

330 bis 340 Tiere innerhalb des Walls seien „schon ordentlich“

Ende 2017 habe der Verein die Tauben innerhalb des Walls gezählt – „damals waren es zwischen 330 und 340 Tiere“, so Mücher. Die Zahl sei „schon ordentlich“ für das kleine Gebiet. Mit dem „Augsburger Modell“ – auch Integratives Stadttaubenmodell genannt – sollen die Tauben in einem Schlag angesiedelt werden, wo sie Nahrung erhalten, der Kot abtransportiert und die Zahl des Nachwuchses dezimiert werden kann – ein Rückzugsort und Zuhause. „Die Stadt sucht gemeinsam mit dem Verein nach einem geeigneten Standort für einen betreuten Taubenschlag“, sagt Stadtverwaltungssprecher Dominik Kimyon. Der endgültige Ort sei noch nicht gefunden, aber „wir sind derzeit in Verhandlungen mit einer Gesellschaft hinsichtlich eines Gebäudes“, teilt er mit.

Brieftauben werden auch in Taubenschlägen gehalten. Quelle: Matthias Walliser

Stadt unterstützt den Verein und die Forderung an das Land

Göttingen unterstütze den Verein, eine Förderung durch das Land für betreute Taubenschläge würde die Stadt sehr begrüßen, so Kimyon weiter. 1000 Euro bekomme der Verein bereits von der Stadt, so Mücher. „Wir sind mit der Stadt auf einem guten Weg, von anderen Vereinen in Niedersachsen höre ich schlimme Geschichten“, sagt der Vereinsvorsitzende.

Stimmen aus dem Niedersächsischen Landtag

Im Landtag kann man zu der Petition, die vor zwei Tagen begonnen hat und noch bis zum 19. November läuft, noch nicht viel sagen. „Selbstverständlich werden wir uns mit der Petition auseinandersetzen, sobald sie die erforderliche Mitzeichnung von 5.000 Personen und damit den Petitionsausschuss des Landtages erreicht“, teilt Marco Zacharias für die CDU-Landtagsfraktion mit.

Gerd Hujahn (SPD) habe sich „noch nicht vertieft mit der Thematik beschäftigen können“. Ihm liege „der Tierschutz sowie der Schutz der Menschen vor Krankheitserregern am Herzen. Wenn es Lösungsmöglichkeiten gibt, diese beiden Positionen in Einklang zu bringen, wäre ich der Letzte, der solche Lösungen nicht unterstützt“, sagt der Landtagsabgeordnete.

Zur Petition: www.navo.niedersachsen.de

„Augsburger Modell“ oder Integratives Stadttaubenkonzept

Das in Augsburg entwickelte Integrative Stadttaubenkonzept basiert auf der Einrichtung betreuter Taubenschläge. In bereitgestellten Räumlichkeiten wie Dachböden oder Türmen städtischer Gebäude sowie Parkhäusern versorgen Ehrenamtliche die Tiere mit artgerechter Nahrung wie Körnern. „Die Tiere sind sehr standorttreu“, so Jan Mücher vom Verein Göttinger Stadttauben, „und verlassen den Schlag kaum, wenn sie dort Nahrung bekommen und nicht eigens auf die Suche gehen müssen“. Die Ehrenamtlichen kümmern sich auch um die Geburtenkontrolle, indem sie frühzeitig Eier gegen Attrappen austauschen – allerdings bevor sich ein Küken darin befinden könnte. Die Taubentürme oder Taubenschläge werden regelmäßig gesäubert und desinfiziert. Den in den Türmen und Schlägen gebundenen Taubenkot entsorgen die Helfer, somit verringert sich der Kot in der Innenstadt. Die Erfolgskontrolle des Konzeptes erfolgt im Wesentlichen über die Anzahl der entnommenen Taubeneier und die Menge des gebundenen Kotes.

Von Lea Lang

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