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Göttingen Göttinger Studenten verarzten Stofftiere
Die Region Göttingen Göttinger Studenten verarzten Stofftiere
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10:42 21.03.2019
Nadja Kullick bespricht mit Caspar das Röntgenbild seines Teddys und die nächsten Schritte. Quelle: Niklas Richter
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Göttingen

 In der Osthalle des Klinkums haben Medizinstudenten ein kleines Krankenhaus in der Klinik aufgebaut. Die Besucher sind Kinder. In sieben Behandlungsräumen werden Plüschtiere untersucht. Die Studenten horchen mit dem Stethoskop und leuchten den Plüschtieren in die Augen. Hinter dem Wartezimmer ist der Zahnarzt. Daneben befinden sich OP-Säle, in dem Chirurgen so tun, als operierten sie einen Stoffhai. Sie erläutern einem Kind den Eingriff: Der Hai habe eine Münze verschluckt, als er Geld aus seinem Portemonnaie gestohlen hat. Auf dem Röntgenbild habe man das sehen können. „Die Kinder sind in der Elternrolle, sie kommen mit ihren Kuscheltieren zuerst in die Anmeldung“, erklärt Frederieke Weber. Sie ist in der Fachschaft der medizinischen Fakultät und organisiert das Krankenhaus für Kuscheltiere. „Dort wird geklärt, was das Plüschtier hat. Zum Beispiel hat es einen gebrochenen Arm, weil es von der Schaukel gefallen ist. Dann geht es in den Wartebereich“erklärt Weber Der „Teddy-Doc“ hole das Kind mit seinem Tier hier ab. „Er behandelt dann das Kuscheltier natürlich während das Kind dabei ist.“ Der „Teddy-Doc“ führe das Kind durch die verschiedenen Stationen der Klinik und erkläre die Abläufe.

Gute Resonanz

Weber erläutert, dass es viele Teddy-Krankenhäuser gebe. Das Besondere am Teddybär-Krankenhaus in Göttingen sei, das es im Klinikum ist, sagt Weber. In zwei Tagen werden hier mehr als 800 Plüschtiere behandelt. „Wir haben über 100 Studierende, die sich an den zwei Tagen engagieren.“ Die Resonanz sei stets sehr gut. Die Studierende halfen gerne. „Es gab einen richtigen Ansturm bei den Anmeldungen“, erklärt Weber. Bei den Kindergärten sei die Klinik sehr gefragt. „Wir können nur die Kindergärten in Göttingen anschreiben. Das sind mehr als 50 Kitas“, erklärt Weber. Mehr sei nicht machbar. Das Teddybär-Krankenhaus werde von der Fachschaft gesponsert, doch es sei ein eigenständiges Projekt. „Wir haben ein Organisationsteam, das in etwa aus zwölf Leuten besteht. Fünf Stunden habe es gedauert, das Krankenhaus aufzubauen.

Die Stationen der Klinik gibt es in der Bildergalerie zu sehen

Medizinstudenten behandeln Kuscheltiere. Mehr als 800 Patienten an zwei Tagen.

Den Kindern Ängste nehmen

Das Kind solle merken, dass es gar nicht so schlimm ist, wenn es selbst behandelt wird. „Viele Kinder haben schon negative Erfahrungen mit dem Krankenhaus gemacht“, erklärt Weber. „Die oberste Regel ist: Der Teddy-Doc verlässt niemals das Kind“, sagt sie. „Angst nehmen und Vertrauen aufbauen“ so fasst Thomas Paul, Leiter der Göttinger Klinik für Pädiatrische Kardiologie und Intensivmedizin, den Zweck des Teddy-Krankenhauses zusammen. Paul hat die Schirmherrschaft über das Projekt. Der natürliche Umgang mit Ärzten und Pflegepersonal in einer Klinik werde vermittelt. „Das ist hier wie in einer Poliklinik, wie im richtige Leben“, sagt Paul. Die Medizinstudenten haben einen kleinen Röntgenapparat für Stofftiere gebaut. Sie zeigen den Aufnahmen geröntgter Stofftiere. Die Aufnahme eines Plüsch-Elefanten macht eine Gabel in seinem Inneren sichtbar.

Medikamente für die Kuscheltiere

Die letzte Station ist die Apotheke. Leon ist hier mit seinem Teddybären, der erkältet ist. Er bekommt Taschentücher, Tee und Hustenbonbons. „Die meisten Kinder kommen, weil das Plüschtier sich den Arm, das Bein oder die Flosse gebrochen hat“, sagt Christoph Gerdes, der Apotheker im Teddy-Krankenhaus ist. „Dann bekommen die Kinder hier Verbandszeug“, sagt er. Leons Bär bekommt vom Apotheker einen kleinen gehäkelten Schal.

Idee aus Skandinavien

Das 15. Teddybär-Krankenhaus ist ein ehrenamtliches Projekt von Medizinstudenten unter der Schirmherrschaft von Thomas Paul, dem Leiter der Kinder-Klinik der Uni-Göttingen. Die Teddy-Klinik ist am Mittwoch und Donnerstag, 2. und 3. Mai, geöffnet. Das Projekt richtet sich an Kindergarten- und Grundschulkinder. Bundesweit gibt es 37 Teddy-Krankenhäuser. Die Aktion gibt es in verschiedenen Varianten: Open-Air-, Indoor- und als Wander-Teddykrankenhaus. Auch im Ausland gibt es Teddy-Kliniken. Die Idee stammt ursprünglich aus Skandinavien. Medizinstudenten in Göttingen haben eine Schulung mit den Titel „Wie werde ich Teddy-Doc?“ angeboten. Die Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd) unterstütz das Projekt und bietet Lehrmaterialen für „Teddy-Docs“ an.

https://www.bvmd.de/unsere-arbeit/projekte/teddybaerkrankenhaus/

http://www.goettinger-tageblatt.de/Campus/Bildergalerien-Campus/Teddy-Klinik-in-der-UMG#chart=1

http://www.goettinger-tageblatt.de/Campus/Goettingen/15.-Teddy-Klinik-im-Universitaetsklinikum-Goettingen

Von Julian Habermann