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Göttingen Fahndung nach Betrügern mit der „Chef-Masche“
Die Region Göttingen Fahndung nach Betrügern mit der „Chef-Masche“
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00:26 31.03.2018
Fahndung am Computer: Oliver Knabe ermittelt mit seinem Spezialteam gegen Cyber-Kriminalität. Quelle: Niemann
Göttingen

Die E-Mail des Göttinger Unternehmenschefs ist kurz und knapp: „Wie hoch ist der Kontostand? Müssen eine Überweisung von 75T machen“, schreibt er der Mitarbeiterin aus der Finanzabteilung, gefolgt von dem Hinweis „von meinem iPhone gesendet“. Offenbar ist der Chef unterwegs und hat wenig Zeit. Obwohl die Sache sehr dringend zu sein scheint, zögert die Mitarbeiterin, den Anweisungen zu folgen und die 75.000 Euro zu überweisen – und bewahrt so ihre Firma vor einem großen Schaden. Die Mail stammt nicht vom Chef, sondern von Betrügern, die mit diesem Trick hohe Geldbeträge zu ergaunern versuchen. Die Göttinger Firma schaltet umgehend die Polizei ein. Dort kümmern sich nun die „Task Force Cybercrime/Digitale Spuren“ um den Fall.

Spezialeinheit in Göttingen: „Task Force Cybercrime

Die Spezialeinheit ist dem Zentralen Kriminaldienst angegliedert und verfolgt Straftaten, bei denen die Täter das Internet als Tatort und die digitalen Kommunikationstechniken als Tatwerkzeug nutzen. Die Polizeiinspektion Göttingen ist ein Vorreiter auf diesem Gebiet. Bereits 2011 wurde hier die landesweit erste Ermittlungseinheit zur Bekämpfung von Internet-Kriminalität eingerichtet. Die Digitalisierung habe auch bei der Polizei zu einem Paradigmenwechsel geführt, sagt der Leiter der Polizeiinspektion, Thomas Rath. „Wir brauchen in der Ermittlungsarbeit nicht nur Generalisten, sondern auch IT-Fachleute, damit wir die Ganoven technisch einholen und überholen können.“

Um noch schlagkräftiger zu werden, wurde die Task Force kürzlich personell aufgestockt. Inzwischen arbeiten in dem 17-köpfigen Team auch zwei Informatiker, einer von ihnen hat kürzlich einen Masterabschluss gemacht. Die beiden 25 Jahre alten IT-Spezialisten helfen den Polizeiermittlern bei der Sicherung, Analyse und Auswertung von Daten und der Verfolgung der meist weit verzweigten virtuellen Spuren. „Eine besondere Herausforderung besteht für uns darin, dass wir die oft riesigen Datenmengen erst einmal handhabbar machen müssen“, sagt der Leiter der Spezialeinheit, Oliver Knabe. Um den in der Anonymität des Internets agierenden Tätern auf die Schliche zu kommen und die oft bandenmäßig organisierten Strukturen aufdecken zu können, entwickeln die IT-Experten auch eigene Software-Lösungen. Den Informatikern macht es Spaß, ihr Know-how bei der Cyber-Crime-Fahndung einbringen zu können: „Wir haben reichlich zu tun.“

Göttinger Spezialeinheit zu Internetkriminalität hat aufgerüstet

Auch technisch hat die Göttinger Spezialeinheit aufgerüstet. „Wir haben einen leistungsstarken eigenen Server bekommen und sind jetzt richtig gut ausgestattet“, freut sich Task-Force-Leiter Knabe. Mit den neuen technischen Möglichkeiten können sich die Spezialermittler noch effizienter auf die Suche nach den Hintermännern von kriminellen Machenschaften im Internet machen.

Dazu gehört auch die aktuell grassierende „Chef-Masche“, bei der Betrüger gezielt Mitarbeiter von Unternehmen mit gefälschten Mails zu hohen Überweisungen von Geschäftskonten zu verleiten versuchen. Inzwischen warnt auch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik vor dieser auch „CEO Fraud“ genannten Betrugsmasche. Die Betrüger verschaffen sich über Webseiten und soziale Netzwerke Informationen über einzelne Firmen und schreiben dann unter dem Namen der jeweiligen Chefs gezielt ausgewählte Mitarbeiter an. Auch in Südniedersachsen wurden bereits diverse Firmen kontaktiert. In den vergangenen Wochen hätten sich allein vier Unternehmen aus Göttingen gemeldet, sagt Knabe. Betroffene sollten möglichst frühzeitig die Polizei informieren: „Je schneller sie sich melden, desto besser können wir ermitteln.“

Von Heidi Niemann

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