Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Göttinger Transplantations-Prozess: Chirurg erhält mehr als 166.000 Euro
Die Region Göttingen Göttinger Transplantations-Prozess: Chirurg erhält mehr als 166.000 Euro
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:13 02.07.2019
Der ehemalige Chefarzt der Transplantations-Chirurgie am Göttinger Uniklinikum (Mitte) erhält vom Land Niedersachsen mehr als 166.000 Euro für einen zusätzlichen Verteidiger. Einer von ihnen war Steffen Stern (rechts). Archivbild
Der ehemalige Chefarzt der Transplantations-Chirurgie am Göttinger Uniklinikum (Mitte) erhält vom Land Niedersachsen mehr als 166.000 Euro für einen zusätzlichen Verteidiger. Einer von ihnen war Steffen Stern (rechts). Archivbild Quelle: dpa
Anzeige
Göttingen/Braunschweig

Dem im Mammut-Prozess um den Göttinger Transplantations-Skandal freigesprochenen Chirurgen steht Ersatz seiner Ausgaben für zwei Verteidiger zu. Das Land Niedersachsen müsse dem Mediziner rund 166.000 Euro plus Zinsen erstatten, entschied das Oberlandesgericht (OLG) Braunschweig in einem am Dienstag veröffentlichten Beschluss. Das OLG änderte damit eine Entscheidung des Landgerichts Göttingen, das dem Arzt nur Geld für einen Verteidiger zugebilligt hatte.

Normalerweise seien Freigesprochenen tatsächlich nur die Kosten für einen Wahlverteidiger zu erstatten, heißt es im OLG-Beschluss. Das Göttinger Verfahren sei aber so umfangreich gewesen, dass ein Anwalt allein die Verteidigung nicht habe bewältigen können.

Chirurg manipulierte Daten – trotzdem Freispruch

Das Landgericht Göttingen hatte den früheren Leiter der Transplantations-Chirurgie am Göttinger Uniklinikum im Mai 2015 nach 64 Prozesstagen vom Vorwurf des elffachen versuchten Totschlags und der dreifachen Körperverletzung mit Todesfolge freigesprochen. Die Richter bescheinigten dem Arzt in dem 1232 Seiten langen Urteil zwar verwerfliche Manipulationen medizinischer Daten, die eine schnellere Zuteilung von Organen für seine Patienten bewirkt hätten. Wegen der damaligen Rechtslage sah das Gericht aber keine Strafbarkeit. Der Bundesgerichtshof schloss sich dieser Auffassung an.

Verteidiger werteten 1200 Studien und Aufsätze aus

Die Verteidiger des Chirurgen hatten nach Darstellung des OLG zur Vorbereitung des Prozesses mehr als 500 zumeist englischsprachige Studien über Transplantationen sowie gut 700 Fachaufsätze beschafft und ausgewertet. Mit dem damals in Untersuchungshaft sitzenden Arzt hätten sie an mehr als 100 Tagen in der JVA Besprechungen gehabt. Zudem habe es zahllose weitere Unterredungen unter vier Augen gegeben. Der große Aufwand in diesem komplexen Fall rechtfertige die Erstattung der Kosten für beide Anwälte.

Von RND/lni