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Göttingen Verein Frauen-Zimmer besteht seit 30 Jahren
Die Region Göttingen Verein Frauen-Zimmer besteht seit 30 Jahren
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00:21 18.05.2019
Drei Mitarbeiterinnen des Vereins Frauenzimmer: Wiebke Freymuth, Gabriele Eden, Bärbel Safieh (v.l.). Quelle: Böhm
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Göttingen

Der Verein betreut Frauen, die aus der Psychiatrie oder dem Landeskrankenhaus entlassen wurden. Ziel der Arbeit ist es, die Frauen nach der stationären Behandlung wieder in den Alltag zu integrieren. Im Mai 1989 wurde der Verein von Sigrid Spohrs gegründet. Fast 30 Jahre bis zu ihrem Renteneintritt im Januar dieses Jahres hat sie für Frauen-Zimmer gearbeitet. Gabriele Eden stieg kurze Zeit später ein. Sie erinnert sich noch gut an die Anfangszeit. „Damals wurden die Langzeitstationen in den Landeskrankenhäuser aufgelöst.“

Lange um die Bezahlung gerungen

Viele Frauen, die jahrelang dort gelebt hatten, brauchten Hilfe und ambulante Betreuung. Das wollten die Vereinsgründerinnen anbieten, beispielsweise mit Wohngruppen. Aber nicht ehrenamtlich. „Wir waren der erste Verein, der etwas für diese Frauen tun wollte, aber wir wollten es auch bezahlt haben“, erzählt Eden. Darum hätten sie lange gerungen. Zunächst sei vieles über Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (ABM) geregelt worden, bis mit einer Leistungsvereinbarung die Arbeit des Vereins auf festen Füßen stand. Frauen-Zimmer ist seitdem Bestandteil der sozialpsychiatrischen Versorgung der Stadt und des Landkreises Göttingen.

Zwei Wohngruppen wurden gegründet, in der Jüdenstraße über der Junkernschänke. Damals habe sie der Chef vom Landessozialamt spontan besucht, um zu sehen, wie das „geht in so einer Wohngruppe“, erzählt Eden. Heute gebe es allein in Göttingen rund zehn Wohnprojekte für Menschen mit psychiatrischen Erkrankungen. „Wir waren das erste Frauenprojekt“. Und das ist ihnen bis heute wichtig. Sie kommen aus der Frauenbewegung, bis heute betreuen sie ausschließlich Frauen und das soll so bleiben.

Wieder am Alltag teilnehmen

Die Frauen leiden an Angststörungen, Depressionen, Psychosen, Bulimie oder beispielsweise dem Borderline-Syndrom. Bei rund 80 Prozent der Frauen, die sie betreuen, lägen den Erkrankungen Gewalterfahrungen und Traumatisierungen zu Grunde, so Eden. Viele Frauen „schämen sich für ihre Krankheit, klagen sich selbst an, haben ein geringes Selbstwertgefühl“, so Bärbel Safieh, die seit 15 Jahren für den Verein arbeitet. Mit der Betreuung soll den Frauen ermöglicht werden, wieder an normalen Alltagssituationen teilzunehmen, bei den jüngeren vielleicht eine Ausbildung zu machen und ein Berufsleben zu beginnen.

Ein wichtiger Schritt für die Betroffenen sei es, „mit sich und ihren Problemen sein zu können“, erklärt Eden. Hilfe geben die Betreuerinnen auch im Bereich der soziale Kontakte. Die betroffenen Frauen müssten oft lernen, ihre Empfindlichkeiten zu zeigen, zu sagen, was sie wollen, mit Enttäuschungen zu leben, so Safieh.

Spannende Prozesse

Eine Wohngruppe mit drei Frauen hat der Verein noch. Inzwischen werden rund 50 Frauen von sieben Mitarbeiterinnen des Vereins ambulant betreut. Zwei bis vier Stunden in der Woche sind der Normalfall, manche bekommen auch für mehr Stunden Unterstützung. Die Betreuerinnen haben alle eine therapeutische Zusatzausbildung. „Wir machen mit den Frauen keine Therapie“, sagt Safieh, aber es sei gut zu wissen, wie das läuft.

Es sei spannend mit diesen Frauen zu arbeiten, sagen Eden und Safieh. Die Prozesse zu beobachten, zu sehen, was Positives entstehe. Bewegend seien vor allem in der Anfangszeit beispielsweise die Ausflüge mit den Frauen gewesen, die vorher nie aus ihren Stationen herausgekommen waren.

Von Christiane Böhm

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