Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Sorge um Zuschüsse
Die Region Göttingen Sorge um Zuschüsse
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:32 31.01.2017
Von Christoph Höland
Quelle: dpa (Symbolbild)
Anzeige
Göttingen

„Ich habe ihn hergeholt, damit er nicht alleine ist“, erzählt die Rumänin Carmina über ihren Vater Alin (Namen von der Redaktion geändert). Die junge EU-Bürgerin will in Deutschland arbeiten, ihr Partner hat bereits einen Job als Reinigungskraft gefunden. Alin wäre als nahezu Blinder hingegen auf Sozialleistungen angewiesen - sein Antrag wurde Carmina zufolge vorerst abgelehnt. Und weil er sonst keine Krankenversicherung hat, vermittelte ihm das Medinetz Göttingen einen dringend nötigen Termin beim Augenarzt.

Die Kosten dafür trägt der Verein - zumindest solange sich keine andere Kostenstelle finde, erklärt die Ärztin Lea Herrmann vom Medinetz. Für Arztrechnungen und Medikamente für Migranten ohne anderweitige Krankenversicherung gaben die Vereinsmitglieder im vergangenen nach Hermanns Angaben rund 15 000 Euro aus. 7000 Euro davon kamen von der Stadt, 3500 Euro vom Landkreis Göttingen und weitere rund 5000 seien Spenden gewesen, so Hermann.

Anzeige

Anfang 2016 ist ein Teil der Arbeit Hermann zufolge in den Modellversuch „Anonymer Krankenschein“ vom Land Niedersachsen übergegangen. Dieser unterstützt mit rund 500 000 Euro die Krankenversorgung von Flüchtlingen ohne Papiere. „Hierüber werden Personal und Sachaufwendungen vollständig abgedeckt“, begründet die Stadtverwaltung im aktuellen Haushaltsentwurf die vorgeschlagene Streichung der Zuschüsse für das Medinetz.

Medinetz und Modellversuch sind Hermann zufolge aber organisatorisch getrennt. Denn von Letztgenanntem profitiere etwa die Hälfte der Klienten als EU-Bürger nicht - Hermann spricht von mehr als 50 Fällen 2016, darunter teure Geburten. Außerdem kämen Flüchtlinge mit Problemen bei der Versorgung, etwa wegen eingeschränkter Leistungen im Zuge des Asylbewerberleistungsgesetzes, zum Medinetz. Dieses wolle sich um beide Gruppen kümmern.

Dass dabei eine Kostenübernahme durch andere Träger möglich sein könnte, bestreitet Hermann nicht: „Aber das geht nicht immer zeitnah, was in akuten Fällen keine Option ist.“ Eine rückwirkende Kostenübernahme lehne das Sozialamt aber ab, weshalb EU-Bürger wie Alin auf Arztrechnungen sitzen bleiben könnten.

Die Stadtverwaltung ist hingegen optimistisch, Lösungen für „konkrete Einzelfälle“ finden zu können: „Deswegen müssen wir aber städtische Finanzmittel nicht durch vorsorgliche Pauschalzuschüsse binden“, erklärte Sprecher Detlef Johannson.

Über den Haushaltsentwurf müssen noch die Gremien der Stadt entscheiden - ein Schritt, der im Landkreis zumindest teilweise erfolgt ist: Der Sozialausschuss habe Zuschüssen für das Medinetz in gleicher Höhe wie bisher zugestimmt, sagte Sprecher Ulrich Lottmann.