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Göttingen Versicherungsbevollmächtigter veruntreut 90 000 Euro
Die Region Göttingen Versicherungsbevollmächtigter veruntreut 90 000 Euro
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20:51 17.07.2014
Von Jürgen Gückel
Quelle: dpa
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Göttingen

Mehr als 90 000 Euro hat er veruntreut und zumeist auf eigene Konten überwiesen.

Jetzt ist er dafür vom Amtsgericht zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren, ausgesetzt zur Bewährung, verurteilt worden.

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Der Angeklagte beschönigt nichts. Ja, was da in der Anklage steht, stimme. Er könne nur nicht mehr nachvollziehen, wie es dazu gekommen sei. Er habe finanzielle Probleme gehabt und sei verzweifelt gewesen.

Angeklagt sind 15 Taten in der Zeit von Mai 2008 bis Januar 2011 mit einem Volumen von 71 812 Euro. Die Anklage ist nicht ganz vollständig. Gegenüber seinem Arbeitgeber, einer großen Versicherungsgesellschaft in Göttingen, hat der 55-Jährige aus dem Landkreis ein notarielles Schuldanerkenntnis über 94 051,56 Euro abgegeben. Er stottert die Schuld gerade mit 50 Euro monatlich ab.

Angefangen hat alles mit einer Überweisung von 4635,14 Euro aufs eigene Konto. „Vollkommen dilettantisch, das hätte auffallen müssen“, sagt er. Es fiel aber nicht auf. Er versuchte es gleich noch einmal. Später überwies er 16 400 Euro aufs Konto eines Autohauses – nicht als Schadensausgleich der Versicherung, sondern als Bezahlung seiner Rechnung. Er hatte sich dort ein neues Auto gekauft.

Danach folgten Summen von 1990 bis 8397 Euro, die er zumeist auf das Konto seiner Kreditkarte überweisen ließ. Vielfach ließ er Kollegen die Zahlungen anweisen, denn die Versicherung hat ein – allerdings hier versagendes – Sicherungsinstrument eingezogen. Ein Zufallsgenerator wirft aus, wer der Kollegen die Anweisung zu unterschreiben hat.

Vier Mitarbeiter sprach er an. Sie unterschrieben ohne Prüfung. Alle bekamen Ärger mit dem Arbeitgeber, was in der Strafzumessung negativ ins Gewicht fiel, auch noch das Vertrauen der Kollegen so missbraucht zu haben.

Und warum? Das erklärt der psychiatrische Sachverständige Borwin Bandelow. Der Angeklagte sei kaufsüchtig. Mit dem Geld habe er sich technische Geräte, Teleskope oder Kameras gekauft – „das Spielzeug des heutigen Mannes eben“. Schnäppchen gleich Belohnung, „egal, wo die Endorphine herkommen“. In seiner Wohnung hätten sich die vermeintlichen Schnäppchen teils unausgepackt getürmt, „ein Messi-Haushalt“.

Der Psychiater bescheinigte dem Juristen zwar eine uneingeschränkte Einsichtsfähigkeit, „also ein schlechtes Gewissen“, jedoch auch eine verminderte Steuerungsfähigkeit wegen der Sucht. Das verminderte die Strafe. Mit lediglich zwei Jahren Freiheitsentzug kann sie gerade eben noch zur Bewährung ausgesetzt werden. Als Auflage verhängt das Schöffengericht zudem drei Jahre Psychotherapie.