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Göttingen Naturschutz statt Landschaftsschutz
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01:30 02.06.2018
Mit geänderten Schutz-Kategorien wollen Göttinger Umweltpolitiker den Stadtwald schützen – vor allem aber besondere Freiflächen. Quelle: Foto: Hinzmann
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Göttingen

Überraschende Kehrtwende beim Göttinger Wald: Gemeinsam wollen (fast alle) Fraktionen im Rat der Stadt die tatsächlich bewaldeten Waldflächen unter Naturschutz stellen, offene Flächen hingegen unter weniger strengen Landschaftsschutz.

Die Stadtverwaltung hatte sich im Vorfeld dafür stark gemacht, nur das Bratental – wie bisher – als Naturschutzgebiet (NSG) auszuweisen. Die übrigen städtischen Bereiche im sogenannten FFH-Gebiet 138 wollte sie als Landschaftsschutzgebiet (LSG) ausweisen. Rückendeckung dafür bekam sie von Interessenvertretern aus Forst und Landwirtschaft, die sie zu einer Sondersitzung eingeladen hatte. Nur der Vertreter der Naturschutzverbände hatte sich dagegen gestellt.

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In vorangegangenen Sitzung hatte es zeitweise so ausgesehen, als würden die meisten Umweltpolitiker im Rat der Verwaltungslinie folgen. Jetzt legten SPD, CDU, Grüne, FDP, Göttinger Linke, Piraten, „Die Partei“ und Torsten Wucherpfennig einen eigenen gemeinsamen Beschlussvorschlag vor. „Und ich glaube, damit haben wir eine wirklich sehr gute Lösung gefunden“, kommentierte die Vorsitzende des Gremiums, Sabine Morgenroth (Grüne), den Vorstoß. Der sieht auch vor, dass drei als getrennte Naturschutzgebiet ausgewiesene Bereiche im Bratental unter Fachanleitung arrondiert werden sollen. Immerhin würden dann am Schluss 80 Prozent der FFH-Fläche „auf Jahrzehnte unter Schutz gestellt“, so Morgenroth.

Die Zeit drängt: Bis zum Jahresende muss die Stadt den als Flora-Fauna-Habitat-Gebiet (FFH) 138 ausgewiesenen Göttinger Wald formalrechtlich unter Schutz stellen. Hintergrund: Die Europäische Union baut seit 1992 ein Schutzgebietsnetz auf, um wildlebende Pflanzen- und Tierarten sowie ihre natürlichen Lebensräume zu schützen. Der Göttinger Wald gehört dazu, weil sich hier mehrere schützenswerte Arten und Lebensräume finden. Der geforderte Schutz ist zurzeit nur für das Kerstlingeröder Feld gegeben. Andere bereits ausgewiesene Naturschutzbereiche müssen konkretisiert werden.

Werden sie als NSG ausgewiesen, gelten strenge Regeln – nur wenig ist dann erlaubt. Für die Waldnutzung gibt es parallel aber einen niedersächsischen Walderlass, der eine nachhaltige Bewirtschaftung ermöglicht.

Wichtiger ist den Politikern, dass die besonders wertvollen Freiflächen mit Magerrasen und seltenen Lebensräumen erhalten bleiben. Das ist nur mit Hilfe von Landwirten möglich, die die ertragsarmen Flächen schonend bewirtschaften. In einem Naturschutzgebiet gebe es dafür zu hohe Hürden.

Von Ulrich Schubert

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