Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Göttinger Werkstätten ebnen Wege in den Arbeitsmarkt
Die Region Göttingen Göttinger Werkstätten ebnen Wege in den Arbeitsmarkt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:00 13.09.2019
Sven Oberdieck hat es mit viel Unterstützung geschafft, jetzt darf er Gabelstapler fahren. Quelle: Kuno Mahnkopf
Anzeige
Göttingen

Für Menschen mit Handicap ist der Weg in den allgemeinen Arbeitsmarkt lang und steinig. Bürokratische Hürden sind zu nehmen, intensive fachliche und sozialdienstliche Begleitung erforderlich. Auf seinem Weg vor der letzten Hürde steht Sven Oberdieck. Im November klärt sich, ob der 20-jährige Göttinger vom Bio-Großhandel Naturkost Elkershausen übernommen wird. „Die Entscheidung ist noch offen, die Tendenz aber positiv“, sagt Personalleiter Björn Johannson.

Sven Oberdieck arbeitet im Lager des Bio-Großhandels Naturkost Elkershausen an der Levinstraße. Quelle: Kuno Mahnkopf

Die sich abzeichnende Erfolgsgeschichte begann mit einem Schulpraktikum in der Leergutannahme des Naturkost-Lagers. Dort arbeitet auch Oberdiecks Onkel. Das Hineinschnuppern in den Job habe Sven so gut gefallen, dass er dort gerne weitergearbeitet hätte, sagt seine Soialdienstbegleiterin Dorothee D’Antonio. Nach der Förderschule durchlief der junge Mann mit kognitiver Lernschwäche ein dreimonatiges Eingangsverfahren bei den Göttinger Werkstätten. „Es fällt ihm schwer, sich zu konzentrieren, er braucht Hilfe beim Schreiben und Verstehen komplexer Texte, ist aber praktisch sehr begabt“, berichtet sein Bildungsbegleiter Herbert Jost: „Sven ist nicht so der Theoretiker, kann aber Sachverhalte verstehen und praktisch umsetzen.“

Gabelstapler-Prüfung bestanden

Jost nahm Kontakt zur Naturkost GmbH auf, die schon lange mit den Werkstätten kooperiert. Damit begann eine zweijährige ambulante Berufsbildungsmaßnahme im Berufsfeld Lagerhaltung und Verpackung. Im Naturkost-Lager an der Levinstraße sortiert Oberdieck Pfandware, presst Pappe und Folie, repariert Paletten und Rollwagen, übernimmt Reinigungstätigkeiten, bündelt, stapelt und räumt ein – und fährt Gabelstapler. „Die Aufgaben gefallen mir alle, das Fahren mit dem Gabelstapler macht mir am meisten Spaß“, sagt der 20-Jährige. „Und Feierabend“, wirft ein Kollege ein und lacht.

Mit den vielen neuen Kollegen klarzukommen, sei kein Problem gewesen, sagt Jost. Täglich von 8 bis 15.30 Uhr ist Oberdieck, der nach dem Tod seiner Mutter alleine wohnt, im Lager tätig. „Ja, natürlich würde ich gerne hier weitermachen“, sagt er und lobt seine „netten Mitarbeiter“. „Es fällt sofort auf, wenn Herr Oberdieck wegen Berufsschule oder Qualifizierung in den Werkstätten nicht im Betrieb ist“, ergänzt Lagerleiter Maik Pietlasky: „Dann vermissen ihn alle.“

Sven Oberdieck: "Gabelstapler fahren macht mir am meisten Spaß." Quelle: Kuno Mahnkopf

Stolz ist Sven Oberdieck auf seinen Gabelstaplerführerschein, den sogenannten Flurfördermittelschein. „Wir haben viel Zeit investiert, aber es lohnt sich“, sagt Jost. Die Ausbildung haben die Werkstätten finanziert. Dort hat Oberdieck auch gemeinsam mit Menschen mit und ohne Behinderung die schriftliche und praktische Prüfung abgelegt. Dabei seien viele Vorgaben zu beachten und Fachwissen erforderlich, berichtet Jost, der Oberdieck nach Kräften unterstützt hat.

Unterschiedliche Wege zum Erfolg

Ambulante Berufsbildungsmaßnahmen sind nur ein Weg ins Arbeitsleben, den die Göttinger Werkstätten anbieten. Ein anderer ist der Fachdienst für Qualifizierung und Integration. „Für mich war das der richtige Weg“, sagt Christian Weinrich, der zurzeit bei der Firma Getränke Heinemann arbeiten kann. „Die Zusammenarbeit mit den Werkstätten ist sehr professionell“, bewertet Standortleiter Ralf Gerke die Kooperation: „Das hat uns überzeugt, einem Menschen mit Behinderung die Chance auf einen Arbeitsplatz zu geben.“

Eine weitere Möglichkeit nach Durchlaufen des Berufsbildungsberichs ist die Arbeit direkt im Werkstattbereich der Göttinger Werkstätten. Zu denen, die dort arbeiten, gehört Markus Dorn – und das bereits seit 27 Jahren: „Ich arbeite gern mit Holz. Das kann ich hier. Gelernt habe ich immer viel, bin in der Theatergruppe und trete beim Adventsmarkt auf.“

Göttinger Werkstätten bieten Arbeitsplätze und Wohnraum

Die Göttinger Werkstätten sind eine gemeinnützige GmbH und wurden 1973 in Trägerschaft der „Gesellschaft für sozialmedizinische Förderung in Göttingen e.V.“ ins Leben gerufen. Seit dem damaligen Ziel, Patienten aus Landeskrankenhäusern der Region einen Arbeitsplatz zu verschaffen, habe sich sehr viel geändert, berichtet Constanze von Uslar-Gleichen als Sprecherin der Werkstätten: „Heute haben hier mehr als 700 Menschen mit Behinderung einen Arbeitsplatz, mehr als 300 behinderte Menschen nutzen eines des vielfältigen Wohnangebote.“

Die 1978 von Hermann Heldberg gegründete Naturkost Elkershausen GmbH, die mit den Werkstätten kooperiert, hat sich von einem überschaubaren Handel mit Bio-Produkten in Elkershausen zu einem Betrieb mit 161 Beschäftigten in Voll- und Teilzeit und 44,3 Millionen Euro Umsatz im vergangenen Jahr entwickelt. Zehn Jahre nach der Gründung erfolgte der Umzug ins Gewerbegebiet an der Göttinger Levinstraße. „Wir beziehen Ware von etwa 400 Lieferanten und beliefern etwa 800 Kunden vom Einzelhandel bis zur Gastronomie“, sagt EDV- und Personalleiter Björn Johannson. ku

Von Kuno Mahnkopf

Drei Wochen nach dem Großfeuer auf dem Betriebsgelände der Firma Sartorius ist die Brandursache noch immer nicht geklärt. Die Schadenssumme belaufe sich nach Firmenangaben auf einen „niedrigen Millionen Euro-Betrag“.

13.09.2019

Das NDR 2 Soundcheck-Festival ist eröffnet. Der Göttinger Schützenplatz füllt sich und beginnt mit einer Überraschung: Johannes Oerding spricht eine Stunde vor seinem Auftritt mit den Fans vor der City-Stage.

13.09.2019

Welche Aufgaben nehmen Personalräte wahr? Das Bildungswerk ver.di in Göttingen lädt am Dienstag, 24. September, zu einem Informationsabend dazu ein.

12.09.2019