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Göttingen Göttinger Wissenschaftler zu Northeimer Waschbärbabys
Die Region Göttingen Göttinger Wissenschaftler zu Northeimer Waschbärbabys
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18:19 18.04.2014
Waise: Waschbärbaby. Quelle: Lange
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Northeim/Göttingen

„Auf die Frage nach der Aufzucht solcher Findelkinder gibt es keine pauschale und vor allem auch keine zufriedenstellende Antwort“, sagt Prof. Niko Balkenhol von der Abteilung Wildtierwissenschaften an der Uni Göttingen.

N. Balkenhol

„Direkt aussetzen oder präventiv töten kann man sie unter ethischen Aspekten und aus Tierschutzgründen nicht.“ Aber: Waschbären seien zwar „ausgesprochen niedlich und bestechen durch ihr Verhalten und ihre Fähigkeiten“, sagt Balkenhol. „Sie sind jedoch echte Wildtiere und als Haustiere absolut ungeeignet.“ Daher sei die Aufzucht von Hand bei Waschbären problematisch.

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„Solche Tiere brauchen unbedingt eine geeignete und dauerhafte Unterbringung. Sie später auszusetzen, ist keine Lösung. Sie würden weiterhin die Nähe zum Menschen suchen und aufgrund ihrer fehlenden Scheu schnell zu einem Problem werden.“

Kurzum: „Solche handaufgezogenen Tiere können nur in Gehegen untergebracht werden.“ Balkenhol glaubt, dass derartige Fälle „mit der zunehmenden Verbreitung des Waschbären und einem stetigen Bestandszuwachs häufiger vorkommen“ werden.

Waschbären sind Neozoen

Waschbären gibt es laut Balkenhol in Deutschland erst seit knapp 100 Jahren. Vor dem Zweiten Weltkrieg wurden einige der ursprünglich aus Nordamerika stammenden Tiere am Edersee in Nord-Hessen ausgesetzt. „Aufgrund der Nähe zu diesem Epizentrum liegt in Niedersachsen der Schwerpunkt der Verbreitung im Süden des Landes“, erklärt Balkenhol.

Im Jahr 2013 wurden in Niedersachsen insgesamt 9402 Waschbären erlegt – mit Abstand die meisten davon in den Landkreisen Göttingen (2261) und Northeim (1735). Wie viele Tiere in der Region aber tatsächlich leben, wisse man nicht genau, erklärt Balkenhol. „Fest steht aber: Es werden sehr schnell mehr, und der Bestand breitet sich rasant weiter aus.“

Aufgrund seiner hohen Anpassungfähigkeit besiedele der Waschbär auch verstärkt städtische Lebensräume und werde dort als Dachbodenbewohner oder durch das Plündern von Abfallbehältern schnell zu einem „unliebsamen Gast“. Daher werde die Entwicklung in den nächsten Jahren „ausgesprochen spannend“, sagt Wissenschaftler Balkenhol.