Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Göttinger paddelt 430 Kilometer für den Gewässerschutz
Die Region Göttingen Göttinger paddelt 430 Kilometer für den Gewässerschutz
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:22 29.04.2019
Knapp drei Wochen wird er für die 430 Kilometer lange Tour brauchen, schätzt Edgar Schulz. Quelle: Hinzmann
Göttingen

Wasser ist Edgar Schulz’ Element. Schon als 15-jähriger hat er mit dem Paddeln begonnen, er schwimmt und spielt Kanu-Polo. Die Qualität der Gewässer in Deutschland macht dem 62-Jährigen zunehmend Sorgen und die Haltung vieler Menschen, was ihre Müllproduktion angeht, wütend. Unter dem Motto „Stinktour 2019“ bricht er am Sonntag, 28. April, an der Flüthebrücke mit seinem Seekajak auf, um symbolisch dem Göttinger Abwasser auf seinem Weg ins Wattenmeer zu folgen. Mit dieser Aktion will Schulz auf die zunehmende Verschmutzung der Bäche, Flüsse und Seen aufmerksam machen und auf seiner 430 Kilometer langen Tour in verschiedenen Städten Station machen, wo er Ministerien und Bürgermeister besuchen sowie mit Bürgern ins Gespräch kommen will.

Edgar Schulz macht sein Seekajak startklar. Quelle: r

„Wer kümmert sich denn schon um Abwasser?“, sagt Schulz fast herausfordernd. Eigentlich sei das ein tabuisiertes Thema. Ihm und anderen Paddlern aber stinke es schon seit Jahren – im wahrsten Sinne des Wortes. Zwar habe sich die Verunreinigung der Gewässer in Deutschland verbessert, was grobe Verstöße angeht – das Schlimmste, was er in seiner Kindheit gefunden habe, sei eine Plastiktüte voller Innereien gewesen – aber die „unsichtbare Gefahren“ wie Mikroplastik, multiresistente Keime oder die Nitrat-/ und Phosphatbelastung habe zugenommen. „Die Masse und die neue Verunreinigungsrate schaffen die Klärwerke nicht mehr“, ist Schulz überzeugt.

Umweltpreis gewonnen

Das Thema Umwelt- und Naturschutz ist für den pensionierten Lehrer kein Neuland. Im Emmerthal gründete er eine Schüler-Kanustation und gewann 1997/98 mit seinem Technikkurs und der Paddelgemeinschaft den Hauptpreis des Deutschen Umweltwettbewerbs für eine vollautomatische Messpegeleinrichtung, mit der Kanuten schon vor 20 Jahren übers Internet den Wasserstand abfragen konnten. Stellte sich dabei heraus, dass der Pegel zu niedrig zum Paddeln war, sparten die Kanufahrer sich die Autofahrt. „Paddelsport ist umwelterzieherisch“, sagt Schulz. Denn er konnte den jungen Leuten neben seiner Begeisterung für den Sport auch die Umweltproblematik näherbringen. Auch in seinem Chemieunterricht klärte er die Schüler darüber auf, welche Stoffe durch Haushaltsmittel in den Abfluss gelangen können, und führte als Schulleiter einen Pfand auf Trinkpäckchen wie Capri-Sonne ein.

Plastikmüll an der Dramme, den Edgar Schulz unterhalb von Dransfeld im Februar gefunden hat. Quelle: r

Vor zwei Jahren dann, als ein Mann in den Eschenbach fiel und fast ertrank, fanden Ärzte später „massenweise multiresistente Keime“ in seiner Lunge, erzählt Schulz. Für den 62-Jährigen war das der Auslöser, noch aktiver zu werden. Er recherchiert, spricht mit Fachleuten und liest Gutachten. Und ihm kommt die Idee zu dieser Fahrt, „die wachrütteln soll“. Schulz geht es nicht darum, zu ideologisieren, sondern um Aufklärung. „Ich bin nicht jemand, der aufwiegeln oder etwas blockieren will, ich möchte mit den Leuten ins Gespräch kommen“, sagt er. Der Vater von zwei Töchtern wird demnächst Opa und fragt sich zunehmend: „Wie hinterlassen wir eigentlich unsere Welt?“

„Abwässerchen“ verschenken

Als kleines Mitbringsel will Schulz „Original Göttinger Abwässerchen“ verschenken, um zu zeigen: Das schwimmt jeden Tag in tausenden Kubikmetern durch eure Gemeinde. Auch den Müll, den er und seine Mitstreiter, die ihn streckenweise per Kanu und Fahrrad begleiten, unterwegs aus den Flüssen ziehen, will er überreichen. Dafür hat der 62-Jährige beim Deutschen Kanuverband spezielle Müllsäcke bestellt, die sich die Paddler wie einen Rucksack aufsetzen können. Um auf seine Tour aufmerksam zu machen, hat er Zeitungen angeschrieben und Flyer an die Gemeinden geschickt.

"Heimathafen Kiessee": Edgar Schulz mit seinem Seekajak Hol di toi. Quelle: r

Ein wenig aufgeregt ist Schulz mittlerweile auch schon. Er weiß nicht, wie seine Aktion ankommen wird. Immer dabei hat er GPS, Handy, Kompass, Seekarten und ein Flussfahrtenbuch. Bis zu 250 Kilogramm Gesamtgewicht kann das Seekajak tragen. Hol di toi ist „ein gutmütiges Wanderboot“, aber die Strecke unterhalb Bremens könne eine Herausforderung werden. Doch Schulz ist guter Dinge: „Ich kann mich auf das Boot verlassen.“

Am Sonnabend, 27. April, von 10 bis 14 Uhr wird Schulz am Gänseliesel über seine Stinktour informieren.

Von Nora Garben

Kommentare 0 Nutzungsbedingungen
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Mitglieder des Göttinger Kreisverbandes der Grünen haben während der Jahreshaupt-Versammlung in der Weender Festhalle einen neuen Vorstand gewählt.

26.04.2019

Die Öffnungszeiten in städtischen Einrichtungen ändern sich am Maifeiertag, 1. Mai: Sie bleiben geschlossen oder öffnen zu anderen Zeiten als üblich. Auch die Abfallentsorgung ist betroffen.

26.04.2019
Göttingen Feuerwehr in Göttingen im Einsatz - Defektes Elektrogerät, keine Verletzten

Bei einem Brand in einem Wohnheim im Göttinger Kreuzbergring ist am Freitag gegen 0.20 Uhr ein Schaden von etwa 10 000 Euro entstanden, so die Polizei. Menschen wurden nicht verletzt.

26.04.2019