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Göttingen Kreatives Schreiben: IGS-Schüler veröffentlichen Buch
Die Region Göttingen Kreatives Schreiben: IGS-Schüler veröffentlichen Buch
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16:35 22.12.2018
Schrieben ihr eigenes Buch: die Schüler Jasper Hofmeister und Charly Rust. Quelle: r
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Göttingen

Ein Buch mit Gedichten und Kurzgeschichten haben 14 Schüler der Integrierten Gesamtschule Göttingen veröffentlicht. „Was mir durch den Kopf geht“, heißt der Band, der im Mitteldeutschen Verlag erschienen ist.

Für mehrere Workshops ist Kathrin Lange, eine Dozentin für kreatives Schreiben aus dem Landkreis Hildesheim, jeweils nach Göttingen gekommen. „Kultur macht stark“ nennt sich das Programm des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, mit dessen Mitteln das Projekt gefördert wurde. Der Bundesverband der Friedrich-Bödecker-Kreise setzte es gemeinsam mit Ursula Rath-Wolf von der IGS und Brigitte Krompholz-Roehl, der scheidenden Leiterin der Stadtbibliothek Göttingen, um.

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Günter Eich und Nora Gomringer

In einem der Workshops legte Lange, die selbst Kinderbücher und politische Thriller schreibt, einen Pflasterstein auf den Tisch und forderte die elf Mädchen und drei Jungen auf, dessen Geschichte zu erzählen. Ein anderes Mal setzten sich die Jugendlichen mit Gedichten von Günter Eich und Nora Gomringer auseinander.

Dann wiederum machte Lange die Schüler mit Gianni Rodaris Methode des fantastischen Binoms vertraut. Da dienen ein Substantiv und ein Adjektiv als Ausgangspunkt für eine fantastische Geschichte. Für den Sammelband schuf Schüler Jasper Hofmeister einen solchen Text. „Schmerzblau“ handelt von blauen Flecken.

Marie Günthner und Emma Schlote verfassten Geschichten mit der gleichen Hauptperson, einem Jungen, der sich in einen Fuchs verwandeln kann. Mehrere oft nur wenige Zeilen kurze Prosaminiaturen hat Paula Diehl verfasst. Lange lobt den literarischen Blick der jungen Autorin.

Workshop mit Christian Römer

Bei einem letzten Workshop bereiteten sich die Jugendlichen mit dem Stimm-, Sprech- und Präsentationstrainer Christian Römer auf die Lesung am Ende des Projekts vor. Im November stellten sie vor 50 Zuhörer ihr Buch vor. Ende Dezember bekamen sie alle bei einem Festakt in der Schule ein Exemplar ausgehändigt.

„Jugendliche beim Schreiben eigener Texte zu unterstützen, ist ein wirksames Mittel, um sie fürs Lesen zu begeistern“, berichtet Lange. Das sei heute wichtiger denn je, denn mit der zunehmenden Verbreitung von Smartphones würden deutlich weniger Bücher als früher gelesen. Damit gehe die Fähigkeit, den Inhalt längerer Texte zu erfassen, aber auch die Sprachkompetenz spürbar zurück. So sei ihr bei Lesungen aufgefallen, dass jugendliche Zuhörer Texte nicht mehr verständen. Ihnen würden zunehmend Wörter fehlen, etwa der Begriff „Schwinge“ als Synonym für „Flügel“. Das werde die Gesellschaft noch vor große Herausforderungen stellen, warnt die Autorin.

Friedrich-Bödecker-Kreis

Kinder und Jugendliche zum Schreiben und Lesen ermutigen, wollen die Friedrich-Bödecker-Kreise. Die Vereine sind nach einem niedersächsichen Pädagogen benannt, der das Lesen in der Schule – nicht zuletzt durch den Aufbau von Bibliotheken – förderte. Sein Sohn und seine Enkelin führen diese Arbeit fort. Enkelin Insa Bödecker kam zur Abschlusspräsentation Ende Dezember nach Göttingen.

Kathrin Lange (Hg.): „Was mir durch den Kopf geht.“ Mitteldeutscher Verlag, 92 Seiten, 10 Euro.

Von Michael Casper

21.12.2018
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