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Göttingen Zukunft der Stadthalle: Das sagen die Göttinger
Die Region Göttingen Zukunft der Stadthalle: Das sagen die Göttinger
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19:39 01.04.2019
Podiumsdiskussion zur Stadthalle mit Feuerstein, Marlow, Krüger-Lenz, Sakowsky, Wedrins, Köhler und Wolff. Quelle: Peter Heller
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Göttingen

Außer Kontrolle“, heißt das Theaterstück im Deutschen Theater (DT), dessen Kulisse am Sonntag die Bühne für die Podiumsdiskussion zur Zukunft der Göttinger Stadthalle bildete. Außer Kontrolle geraten ist auch der Kostenrahmen für die Hallensanierung. Die CDU favorisiert einen Neubau, die SPD hält an der Sanierung fest, die Grünen hadern noch. Die Diskussion über Finanzen, Zeitfenster, Funktionalität, Umfeldgestaltung, Informationsfluss und einen Neubau als Alternativoption dreht sich seit dem interfraktionellen Antrag zum Sanierungsstopp im Kreis. Das war bei der von Göttinger Tageblatt und DT veranstalteten Podiumsdiskussion „Eine Stadt und Ihre Halle“ nicht anders. Dort ging es aber auch nicht um Entscheidungen, sondern um die Verdeutlichung von Positionen, den Austausch von Argumenten und um ein Stimmungsbild. Bei letzterem zeigte sich, wie sehr die Göttinger an ihrer Stadthalle hängen: Gemessen am Applaus des Publikums nach Redebeiträgen waren die Fürsprecher der Sanierung deutlich in der Mehrheit.

Zukunft der Stadthalle bleibt weiter ungewiss

Im Bauausschussam 4. April ist die Stadthalle noch kein Thema, im Finanzausschuss am 23. April nur mittelbar. Dort solle es um die Aufhebung des im Zuge der Etatberatungen verhängten Sperrvermerks gehen, um Kosten für bereits eingegangene Verpflichtungen zahlen zu können, sagt Stadtverwaltungssprecher Dominik Kimyon. Noch nicht terminiert sei die nächste Doppelsitzung von Bau- und Kulturausschuss, in der es dann um den bislang vertagten interfraktionellen Antrag zum Sanierungsstopp gehen soll. Falls sich dort eine Mehrheit für den Sanierungsstopp aussprechen sollte, könnte eine weitere Sondersitzung des Rates erforderlich sein.

„Ich liebe diese Stadthalle, obwohl sie so hässlich ist.“ Das eingespielte Statement einer Göttingerin bei einer Umfrage, das in der Diskussion aufgegriffen wurde, spricht Bände. Für manche ist die Stadthalle ein anachronistischer und abrissreifer Kachelofen, für andere ein erhaltenswertes Kulturdenkmal mit Zukunftspotenzial, ein architektonisches Zeugnis der 1960er-Jahre und ein emotionsbehafteter Erinnerungsort. Leicht verschämt merkte Moderator Peter Krüger-Lenz an, dort sein erstes Konzert erlebt zu haben – „Status Quo“. Bei ihr seien es die „Dubliners“ gewesen, gestand Dagmar Sakowsky (Grüne). Mit ihr saßen auf dem Podium Rolf-Georg Köhler, Olaf Feuerstein, Robert Marlow, Tom Wedrins und Tobias Wolff.

Rockkonzerte und Reptilienbörsen

„Wir brauchen diese Stadthalle – und zwar schnell“, meinte Tom Schmidt in der Bürgerfragerunde nach dem Podiumsgespräch. Nur sie biete die Möglichkeit für verschiedenste Veranstaltungen von Händel bis zum Soundcheck-Festival, vom Spieleautorentreffen bis zum Sinfonieorchester, von Rockkonzerten bis zur Reptilienbörse. Konzertveranstalter Uwe Vater wies auf Absagen von Tourneeveranstaltern wegen der Bühnengröße hin, Michael Thenner, ehemaliger Leiter von Lok- und Stadthalle, auf den Wandel der Veranstaltungskultur und veränderte Fakten. Angesichts des Kostenrahmens seien inzwischen alle Experten gegen eine Sanierung. Für das GSO sei entscheidend, wie die Akustik bei einer Kernsanierung optimiert werden könne, meinte Betriebsratsvorsitzender Matthias Weiss: „Die Bühne war für ein Sinfonieorchester nie tauglich.“

„Wir brauchen das Know-how der Nutzer“

Tom Wedrins, SPD-Fraktionsvorsitzender im Rat der Stadt Göttingen, ist überzeugt davon, dass eine Kernsanierung der Stadthalle auch die ökonomisch günstigere Lösung ist, und bekennt sich zur „richtigen Halle am richtigen Standort“. Allein 2017 habe es dort knapp 100 Veranstaltungen mit 100 000 Besuchern gegeben. „Wir können ständig weitere Gutachten einholen und nach Standorten suchen, das bringt uns aber nicht weiter“, verteidigt Wedrins die Luppold-Studie. Eine Lokhallen-Erweiterung, wie sie schon 2012 ins Spiel gebracht worden sei, berge Unwägbarkeiten bis hin zum Baugrund. Von der CDU habe er noch nichts über über das Finanzierungsvolumen eines Neubaus samt Baukostensteigerung gehört. Für den Sanierungsprozess regt Wedrings einen baubegleitenden Beirat an ( „Wir brauchen das Know-how der Nutzer“). Es gehe nicht um Flickschusterei, sondern einen Rückbau bis auf den Rohbau, Anbau-Abriss, Dach- und Fassadenerneuerung, neue Technik und Energieoptimierung, variable Bespielung und einen neu strukturierten Eingangsbereich.

„Standortoffene Diskussion über Neubau“

Olaf Feuerstein, CDU-Fraktionsvorsitzender im Rat der Stadt Göttingen, hält 29,5 Millionen Euro Sanierungskosten für die „betagte Dame Stadthalle“ – ohne Umfeldgestaltung – für nicht tragbar. Statt alten Wein in neue Schläuche zu gießen und einen kaum spürbaren Mehrwert zu schaffen, hätte die Stadtverwaltung Mut zu Visionen zeigen müssen. „Wir brauchen eine Multifunktionshalle, die konzertfähig ist und mehrere Formate bedienen kann“, sagt Feuerstein, fordert eine standortoffene Diskussion über einen Neubau, hofft auf eine Entscheidung spätestens nach dem Sommer, bringt als Standort-Möglichkeiten Lokhalle, Schützenplatz und Musa ins Spiel. Der SPD wirft Feuerstein vor, in einer Komfortzone verharrt und auf externe Gutachten verzichtet zu haben. Als „Achillesferse“ bezeichnet Feuerstein die viel zitierte Stadthallen-Studie von Professor Stefan Luppold, die eher eine Workshop-Zusammenfassung sei und kein Gutachten ersetze: „Wir hatten alle Möglichkeiten in der Hand, jetzt sind wir in einer prekären Situation.“ ku

„Kulturschaffende nicht schuld am Stillstand“

Tobias Wolff, Geschäftsführender Intendant der Göttinger Händel-Festspiele, hatte bereits zuvor über die Stadthalle gesagt, sie sei besser als ihr Ruf. Dazu stand er auch am Sonntag. Dennoch hatte er sich auch für die Idee eines Neubaus interessiert gezeigt. Zu Beginn der Diskussion stellte er klar:“ Die Kulturschaffenden sind nicht schuld an dem Stillstand zur Zeit“. Göttingen brauche eine Stadthalle. Die alte Halle sei „gutes und solides Mittelmaß.“ Man müsse aber, wenn jetzt eh wieder neu überlegt werde, auch über andere Optionen reden. 2015 war Wolff im Beirat, der über die Sanierung diskutierte. Nur sei er danach von der Verwaltung nicht „emotional mitgenommen“ worden. Es hätte laut Wolff „mehr Rückkopplung geben müssen - keine Frage“. Der Händel-Chef begrüßte den Vorschlag des Oberbürgermeisters zur Gründung eines baubegleitenden Beirats mit den Nutzern der Halle. Interimslösungen wie die Baptistenkirche mit 200 Plätzen seien für die Händel-Festspiele keine Option. In der Diskussion bat er um „Mäßigung ohne Kalter-Krieg-Vokabular“. bib

„Halle nicht einfach ausradieren“

Robert Marlow, Präsident der Architektenkammer Niedersachsen hat eindeutige Stellung bezogen: „Man darf die Halle nicht einfach ausradieren“, sagte er. Es sei „absolut richtig und wichtig, dass sie saniert wird“. Seiner Meinung nach kann die Stadthalle nach einer Kernsanierung alle Ansprüche erfüllen. Die Halle sei 55 Jahre alt und somit in einer Zeit erbaut worden, als viele Hallen und Schwimmbäder entstanden, sie dürfe nicht abgerissen werden. „Die nächste Generation wäre sehr traurig“, so Marlow. Die Bedeutung der Halle müsse man „viel höher hängen“. In einem kleinen Film mit kurzen Interviews sagte eine Göttingerin, dass die Halle vielleicht hässlich sei, die Göttinger sie aber lieben. Deshalb sollte man die Hülle erhalten und innen zeitgemäß umbauen. Die Pergola, so Marlow, könne aber weg. „Dieses Pfund, dass Ihr in Göttingen habt, solltet ihr höher stellen“, so der Architekt. Und weiter: „Da darf man eigentlich gar nicht drüber reden“. Dafür erntete er kräftigen Applaus.

„Neue Optionen durch Kernsanierung“

Rolf-Georg Köhler (SPD), Oberbürgermeister der Stadt Göttingen, hält an einer Kernsanierung der „verbesserungswürdigen“ Stadthalle fest. „Was wollen und was können wir uns leisten?“, nannte Köhler als Kernfrage. „Wir brauchen eine Halle, die in der Breite viel ermöglicht.“ Eine kernsanierte Halle, die auch neue Nutzungsmöglichkeiten, Räume und Optionen biete, könne diese Bedingungen erfüllen. Einen ganzen Teil der vorhandenen Probleme hätten die Planer berücksichtigt – von einem Konzertzimmer auf Schienen für sinfonische Konzerte bis zu Deckenelementen in unterschiedlicher Höhe für die Akustik. Köhler gab auch den „hohen gesellschaftlichen Wert der Beton-Kernsubstanz“ zu bedenken. Ein Abriss der Stadthalle würde zehn Millionen Euro an „grauer Energie“ vernichten. Zustimmung erntete Köhler, der Kommunikationsmängel beim Planungsprozess einräumte, von Architekt Jochen Schwieger: „Der Bauzaun steht, eine neue Entscheidung käme zu spät. Wir haben alles richtig gemacht und müssen jetzt weitermachen.“ ku

„Wir Grüne sind noch auf der Suche“

Dagmar Sakowsky, Vertreterin der Grünen im Rat der Stadt Göttingen, schließt weder Sanierung noch Neubau aus: „Wir Grüne sind noch auf der Suche und stellen viele Fragen – auch nach den städtischen Finanzen.“ Das Projekt dürfe nicht zu Lasten von Schulen, Kindertagesstätten und Radwegen gehen. Es dürfe nicht unter Zeitdruck gehandelt werden, widerspricht Sakowsky allen, die auf eine rasche Entscheidung drängen. Um zukunftsfähig aufgestellt zu sein, müsse man sich Zeit nehmen – ohne dass die Kultur darunter leide. Dafür gebe es ausreichend Interimsmöglichkeiten von der Johanniskirche über die Lokhalle und das Sartorius-Gelände bis zum Forum des Wissens, die kreativ genutzt werden könnten. „Die Stadthalle war nie ideal“, meint Sakowsky: „Jetzt sollen wir mit Ach und Krach eine Sanierung für 30 Millionen Euro bekommen – ohne die mit acht Millionen Euro veranschlagte Tiefgarage und ohne Umfeld-Neugestaltung.“ Der Albani-Platz als urbaner Platz sei sehr wichtig. Gemurmel erntete Sakowsky, als sie eine „Planungsgruppe zufällig ausgewählter Bürger“ anregte. ku

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