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Göttingen Göttinger wollen und können auf Plastik verzichten
Die Region Göttingen Göttinger wollen und können auf Plastik verzichten
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13:00 20.06.2019
Stephan Wiedmann fordert, dass die Politik klare Regeln vorgibt. Mit viel Gerede komme man nicht zum Ziel, auch nicht bei der Plastikvermeidung.
Stephan Wiedmann fordert, dass die Politik klare Regeln vorgibt. Mit viel Gerede komme man nicht zum Ziel, auch nicht bei der Plastikvermeidung. Quelle: Meinhard
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Göttingen

Ein im Großen und Ganzen plastikfreies Göttingen ist die Vision der Ratsfraktion Piraten und Partei. Veranstaltungen, Feste und Wochenmärkte sollen befreit werden von Tütchen, Besteck und Tellern aus erdölbasierten Kunststoffen. Wie sehen das die Göttinger? Verzichten sie bei Kindergeburtstagen oder beim Grillen auf Plastikbesteck, das ja schließlich wunderbar leicht entsorgt werden kann?

„Die Politik muss Vorgaben geben“

„Wenn möglich, na klar.“ Stephan Wiedmann sitzt auf einer Bank an der Johanniskirche und genießt den Augenblick. Der Mann aus Schwaben hat Urlaub und den verbringt er in der Göttinger Region. Bevor er auf das Thema Plastik zu sprechen kommt, schwärmt er erst einmal von der hiesigen Landschaft. So viel Natur – und nicht so zersiedelt wie bei ihm Zuhause, sagt er. Und bei der Plastik: Vieles bestehe aus diesem Material.

Der Handel sollte einfach auch mal Alternativen anbieten. Die Kunden seien inzwischen umweltbewusst und würden das honorieren. Kritisch sieht er die riesigen Exporte von Plastikmüll aus europäischen Staaten etwa nach Afrika. „Hier gaukelt man uns vor, was wir für tolle Recycler sind, dabei liegt die Recycelquote gerade mal bei zwölf Prozent.“ Schluss müsse auch sein mit der Mär vom ewigen Wachstum. Das sei nur auf Kosten der Umwelt möglich und würde auf den Menschen fatal zurückschlagen, wie man jetzt sehe. „Die Politik muss klar sagen: ’verboten’. Anders können wir kurzfristig nichts erreichen“, findet Wiedmann.

„Plastik ist doch völlig überflüssig“

„Sie werden bei Ihrer Umfrage niemanden finden, der dieses Ziel ablehnt“, ist sich Volker sicher (seinen Nachnamen möchte er nicht nennen). Plastikbesteck, schätzt er ein, komme bei ihm im Haushalt seit 40 Jahre nicht mehr vor. „Das ist doch auch völlig überflüssig.“ Nun gebe es Menschen, die das einsehen und auch jene, die das nicht verstehen, relativiert er seinen Eingangssatz ein wenig.

Dieter kam vor sechs Jahren nach Göttingen. Ein großer Grillmeister sei er nicht, sagt er – aus Mangel an Gelegenheit. Das Anliegen, weniger oder keine Plastikgegenstände mehr zu gebrauchen, kann er aber unterstützen. Quelle: Meinhard

Wenn er denn grillen oder einen Kindergeburtstag ausrichten würde, dann würde er selbstverständlich auf Plastik verzichten, sagt Dieter (auch er stellt sich nicht mit Nachnamen vor). Doch er sei alleinstehend – da stelle sich eine solche Frage nicht, sagt der gebürtige Ostfriese, der vor sechs Jahren nach Göttingen kam.

„Plastikfreier ist in Ordnung“

„Wenn ich zu Hause bin, benutze ich selbstverständlich normales Besteck. Und beim Einkaufen habe ich Mehrwegtaschen dabei“, versichert Markus Otte. Allenfalls beim Einpacken von Obst und Gemüse greife er auch schon einmal zu einem Plastiktütchen. Aber das sei eher die Ausnahme.

An einer Bushaltestelle wartet T. A., wie sich der Mann mittleren Alters vorstellt. „Plastik beim Grillen? Warum wollen Sie das wissen“, fragt er zurück. Nein, er sei nicht der große Grillmeister, aber prinzipiell könne er dem Anliegen schon zustimmen, plastikfreier zu leben.

Von Ulrich Meinhard

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