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Göttingen Göttingerin Christin Napp gestaltet Särge für tot geborene Kinder
Die Region Göttingen Göttingerin Christin Napp gestaltet Särge für tot geborene Kinder
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17:15 24.09.2013
Entwirft Särge für tot geborene Kinder: Christin Napp. Quelle: ENZ
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Göttingen

Eine Möglichkeit ist die Sammelbestattung mit anderen Fehl- oder Frühgeborenen auf dem Weender Friedhof, eine andere die Einzelbestattung. Auch Napps Tochter Rebecca wurde tot geboren. Nun ist sie auf dem Friedhof in Berlingerode beerdigt, dort, wo ihre Familie wohnt, erzählt die Mutter.

Im März 2011 war der Entbindungstermin des dritten von ihren vier Kindern. Doch in der 23. Woche hatte Napp einen vorzeitigen Blasensprung. Die Schwangerschaft musste abgebrochen werden. „Wenn es damals diese Kistchen schon gegeben hätte, hätten wir Rebecca mit nach Hause genommen“, sagt Napp.

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Doch diese Möglichkeit hatten sie vor zwei Jahren nicht. In der Pathologie mussten sie Abschied nehmen.

Die Telefonnummer von Birgit Scharnowski-Huda, der Gründerin des Regenbogen-Gesprächskreises in Göttingen, hatte Napp noch im Klinikum bekommen. Scharnowski-Huda unterstützte sie in dem Plan, ihre Tochter bestatten zu lassen.

Der Weg, anderen Betroffenen zu helfen

Eine Sammelbestattung in Göttingen auf dem Weender Friedhof kam für die Eltern, die  aus Thüringen stammen, nicht in Frage. Die Fahrt nach Göttingen wäre für das Paar zu weit gewesen.

Nicht leicht war es, einen Bestatter zu finden. Auch ein passender Sarg musste gefunden werden. Mit Puppensachen zog Napp ihre Tochter Rebecca an. Im Dezember 2011 wurde sie beerdigt. Bis die Mutter wieder schwanger war, fand sie Unterstützung im Gesprächskreis. Dann legte sie eine Pause ein – mit dem Wunsch, sich langfristig dort zu engagieren.

Mit der Gestaltung der winzigen Särge war die Gelegenheit dazu gekommen. Für Napp ist diese Arbeit der Weg, anderen Betroffenen zu helfen, mit ihrem Schicksal zurechtzukommen. Fast drei Jahre nach Rebeccas Tod habe sie selbst noch nicht die Kraft, einen Sarg mit den Erinnerungen an sie zu gestalten.

Von Ute Lawrenz

Neues Gesetz

Rebecca war ein Sternenkind – das sind Kinder, die mit einem Gewicht unter 500 Gramm tot geboren werden. 490 Gramm wog sie bei der Geburt. Bis Mitte Mai galt das Gesetz, dass nur Babys ab einem Geburtsgewicht ab 500 Gramm ins Personenstandsregister eingetragen werden können.

Es ist einem Elternpaar von drei Sternenkindern zu verdanken, dass dieses Gesetz gekippt wurde. Das Personenstandsrechtsänderungsgesetz wurde am 31. Januar einstimmig im Deutschen Bundestag beschlossen.

Es gibt Eltern von sogenannten Sternenkindern erstmals die Möglichkeit, die Geburt beim Standesamt dauerhaft dokumentieren zu lassen und ihrem Kind damit eine Existenz zu geben.

Der Bundesrat hat dem Gesetz am 1. März einstimmig zugestimmt. Nach Verkündigung im Bundesgesetzblatt gilt die Sternenkinderregelung seit 15. Mai. Auch Christin Napp hat diese Möglichkeit genutzt.