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Göttingen Göttingerin Hildegard Weide wird 102 Jahre alt
Die Region Göttingen Göttingerin Hildegard Weide wird 102 Jahre alt
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00:17 24.08.2013
Von Michael Brakemeier
„So wie es ist, ist es eben“: Hildegard Weide wird am Donnerstag 102 Jahre alt. Quelle: Hinzmann
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Göttingen

Warum und wie sie überhaupt so alt geworden ist, kann sie sich nicht erklären. „Ich habe nie geraucht und nur wenig Alkohol getrunken“, sagt sie und gibt zu: „Höchstens mal einen Klaren.“ Doch dann sprudeln die Erinnerungen. Wie damals der Johannisbeerwein in einer Silvesternacht im Harz. „Der hatte schreckliche Wirkungen“, sagt Weide. Ein verschämtes Lächeln.

Im Harz ist Weide geboren. Im kleinen Dorf Kamschlacken, unweit der Sösetalsperre. Eine Zeichnung des Ortes hängt heute immer noch in ihrem kleinen Zimmer im Seniorenwohnheim im Steinsgraben. Ihr Vater war dort Förster. „Der wollte mich aber nie mit in den Wald nehmen“, sagt sie. Verärgert klingt das aber nicht. Als Arbeitsdienstführerin habe sie gearbeitet, nach dem Krieg dann den Haushalt geführt. Ihre Mutter sei „hamstern“ gegangen. Hier Speck organisiert, dort Kartoffeln oder Gemüse. „Wenn ich das hätte machen müssen, wären wir wohl verhungert“, sagt Weide.

Haus in der Görlitzer Straße

Ihre erste Station in Göttingen, wohin sie nach der Pension ihres Vaters mit der ganzen Familie zogen, war der Steinsgraben, genau gegenüber ihres heutigen Wohnsitzes. Später bauten sie und ihr Mann ein Haus in der Görlitzer Straße. Ihr Mann habe, während sie den Haushalt schmiss, beim Wohnungsamt der Stadt gearbeitet, sagt Weide. Er habe sich damals darum gekümmert, dass Flüchtlinge in Göttingen eine Bleibe fanden. „Mit einigen, denen mein Mann geholfen hat, habe ich heute noch Kontakt“, sagt Weide.

An ihren Mann erinnert heute noch eine Bleistiftzeichnung des Göttinger Künstlers Gottfried Stein. Daneben hängen Fotografien ihrer beiden Enkelsöhne, die in Berlin und Dannenberg leben, und ihres Urenkels. Am liebsten lässt sie sich heute – „Meine Augen funktionieren nicht mehr richtig.“ – von ihrer Freundin aus Büchern, meist Biografien vorlesen. Oder sie hört Radio. „Ich bin noch immer auf dem Laufenden“, sagt sie.

Donnerstag feiert Weide ihren 102. Geburtstag „gebührend“. Ihr inzwischen 67-jähriger Sohn, Nichten und Neffen haben sich neben Nachbarn und Freunden angekündigt. Der Tisch im Café Botanik ist reserviert.

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