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Göttingen Göttingerin wegen falscher Verdächtigung im Fokus
Die Region Göttingen Göttingerin wegen falscher Verdächtigung im Fokus
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17:50 29.07.2015
Von Jürgen Gückel
Quelle: dpa (Symbolbild)
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Göttingen/Kassel

Was die Staatsanwaltschaft  Kassel in dem Fall konstruiert hat, mochten in Göttingen selbst die an dem Fall beteiligten Polizisten nicht glauben. Da soll das Opfer einer Straftat selbst verfolgt werden, weil es mithelfen wollte, den Diebstahl zu klären.

 
Der Reihe nach: Im Januar hat Paula P. in Lohfelden bei Kassel ihr Handy verloren. Entweder wurde es gestohlen, oder ein Finder hat es unterschlagen. Sie stellte Strafanzeige wegen des Diebstahls und war enttäuscht, als die Polizei es ablehnte, das Handy zu orten, obwohl sie eigens eine Software installiert hatte, das teure Smartphone wiederfinden zu können.

 
Dass das Handy unterschlagen wurde, war klar. Es war noch am selben Tag abgestellt worden. Durch die Sicherheitssoftware konnte die Anzeigeerstatterin aber erkennen, dass es immer noch in Benutzung ist.

 
Und noch eine Erkenntnis: Am Tag nach dem Diebstahl stellte jemand genau ein solches Handy bei Ebay-Kleinanzeigen ein. Dass er weder Zubehör noch Rechnung vorweisen konnte, machte den Anbieter verdächtig. Er lebt auch noch in Lohfelden, ganz in der Nähe des Tatortes. Auch das teilte die Göttingerin der Polizei mit. Zum Schein nahm sie gar mit dem Anbieter Kontakt auf und interessierte sich für das Kaufangebot.

 
Dann vergingen Monate, ohne dass die Polizei irgendeinen Erfolg hatte. Die Diebstahlsanzeige wurde eingestellt. Verärgert telefonierte die Bestohlene mit den ermittelnden Polizisten. Diese baten, die Kontaktaufnahme mit dem Ebay-Verkäufer schriftlich einzureichen und den Mailverkehr mit ihm vorzulegen. Das tat sie. Anzeige gegen diesen erstattete sie dabei nicht.

 
Vier Wochen später wurde das Ermittlungsverfahren gegen den Verkäufer eingestellt. Stattdessen erhielt Paula P. eine „Vorladung als Beschuldigte“. Warum? Sie habe, teilt Götz Wied, Sprecher der Kasseler Staatsanwaltschaft mit, „wesentliche Teile der Kommunikation vorenthalten“, die Ermittlungsbehörde damit also getäuscht. Dass der Verkäufer ihr eine abweichende IMei-Nummer (individuelle Nummer des Telefons) mitgeteilt hatte, hatte sie in der Tat nicht weitergegeben. Denn, so ihre Überlegung: Welcher Dieb, der von einem misstrauischen Käufer nach der EMei gefragt wird, gibt denn die wahre Nummer der Beute an?  Und überhaupt: Sie habe den Verdächtigen nie angezeigt, nur den Diebstahl.

 
Die 300 Euro, die die Staatsanwaltschaft verlangt, um das Verfahren einzustellen, will Paula P. wohl dennoch zahlen - aus Angst vor weiterer Strafverfolgung eines Diebstahlsopfers.