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Göttingen Grenzdurchgangslager Friedland: Polizei dauerhaft präsent
Die Region Göttingen Grenzdurchgangslager Friedland: Polizei dauerhaft präsent
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19:25 13.08.2013
Von Jürgen Gückel
Vor neuen Diensträumen: Ortsbürgermeister Joachim Lüther, Gerhard Meyer, Inspektionsleiter Thomas Rath und Marita Ortmeier (v. l.). Quelle: CH
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Friedland

Die Polizeiinspektion Göttingen bezieht am 1. September eigene Räume im zentral gelegenen Haus zwei des Lagers. Fünf Beamte des Kriminal-Fachkommissariats werden sich vor Ort mit Ausländerdelikten beschäftigen und zur Stelle sein, wenn ordnende Kräfte nötig sind.

Die Entscheidung, direkt ins Lager zu ziehen, hat zwei Gründe, erklärt Thomas Rath, der Inspektionsleiter. Einerseits haben sich die fünf Beamten ohnehin bereits überwiegend mit Delikten beschäftigt, die durch Bewohner des Lagers verübt werden oder die Ausländerverstöße betreffen. Sie sind künftig näher dran an ihrer Klientel. Andererseits ist die räumliche Not in Göttingen, wo das Fachkommissariat 3.3, so der Name, organisatorisch angesiedelt ist, beziehungsweise in Groß Schneen, wo es zuletzt untergebracht war, sehr groß. Beide Dienststellen werden entlastet, wenn die Kollegen eigene Räume erhalten.

72000 Euro vom Ministerium

Leiter des Fachkommissariats 3.3 ist Kriminaloberkommissar Gerhard Meyer. Ihm und seinen Kollegen stehen künftig 70 Quadratmeter in vier Diensträumen und einem Technikraum zur Verfügung. Marita Ortmeier, zuständig für Wirtschaft und Verwaltung in der Inspektion, organisiert die Sanierung der Räume, die Heinrich Hörnschemeyer, der Lagerleiter, für die Polizei frei gegeben hat. Immerhin 72 000 Euro hat das Innenministerium zur Verfügung gestellt. „Und zwar außergewöhnlich schnell“, lobt Rath. Die Idee, ins Lager zu ziehen, sei von Direktion und Ministerium sofort mitgetragen worden.

Kein Arbeitsmangel

Mit Arbeitsmangel rechnet Meyer nicht. 1500 bis 2000 Taten werde die Gruppe voraussichtlich im Jahr zu bearbeiten haben, monatlich derzeit 175. Ein Großteil betrifft noch immer Delikte der kleinen Gruppe georgischer Asylbewerber, die seit 2012 in Friedland aufgenommen werden. Aktuell sind dies nach Meyers Auskunft etwa 20 bis 25 Taten monatlich. Die Meldung einer hessischen Zeitung vom 1. August, „Keine Straftaten mehr durch Georgier“, sei schlicht falsch gewesen.  Richtig allerdings sei, dass diese Tätergruppe nicht mehr so oft in unmittelbarer Nähe des Lagers erwischt werde. Tatorte seien Kleinstädte in der Region wie Hann. Münden, Heiligenstadt, Einbeck oder Osterode – eben jene Orte, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln von Friedland aus gut erreichbar sind.

Den Asylbewerbern Teil ihrer Mobilität genommen

Denn die Polizei hat den in Friedland untergebrachten Asylbewerbern einen Teil ihrer Mobilität genommen, indem sie ihre oft im Ausland zugelassenen, hier aber oft ohne Legitimation genutzten Fahrzeuge sicherstellte. Zuletzt wurden zwei in Schweden zugelassene Wagen beschlagnahmt.

Bei den Ermittlungen, ob es sich bei den aus Georgien einreisenden und um Asyl nachsuchenden jungen Männern möglicherweise um Mitglieder einer straff organisierten Diebesbande handelt, ist der Polizei der Durchbruch freilich noch nicht gelungen. Einerseits, so erklärt Polizeichef Rath, werde sicher auch auf Bestellung gestohlen. Denn wer 120 Zahnbürsten stehle, der benötige die nicht allein für sich. Andererseits sei eben nicht beweisbar, dass es sich um organisierte Kriminalität im großen Stil handele, selbst wenn große Mengen Diebesgut bei Razzien sichergestellt wurden.

Das Fachkommissariat 3.3 war wegen der Georgier-Probleme 2012 einberufen und in der Polizeidienststelle Groß Schneen angesiedelt worden. Jetzt bleibt diese Dienststelle dauerhaft im Lager Friedland.