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Göttingen Grimms Märchen bei den Neonazis in Spiekershausen
Die Region Göttingen Grimms Märchen bei den Neonazis in Spiekershausen
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18:52 30.09.2013
Von Jürgen Gückel
Quelle: Thissen/dpa (Symbolfoto)
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Spiekershausen

Dort hatte der Kreisvorsitzende (Rhein-Erft-Kreis) der Neonazipartei „Die Rechten“, Markus Walter aus Verden, einen Raum für eine Tagung gemietet mit dem schönen Titel „150 Jahre Grimm – Gründer der deutschen Sprachwissenschaften“.

Die Polizei allerdings, so Sprecherin Jasmin Kaatz, habe schon vorher über „interne Informationswege“ davon erfahren, dass es sich um eine „mutmaßlich rechtsorientierte Vortragsveranstaltung“ handele. Dafür sprach, dass die bekannte Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck-Wetzel angemeldet war. Die 84-Jährige ist mehrfach wegen Volksverhetzung verurteilt worden.

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Ursprünglich hatte die Polizei mit einem Treffen in Hessen gerechnet, da nur „Raum Kassel“ als Treffpunkt bekannt war. Als dann aber ein anwesender Journalist, der das Treffen filmen wollte, von den anreisenden Teilnehmern – größtenteils aus Nordrhein-Westfalen – bedrängt wurde und dieser die Polizei rief, rückte diese mit mehreren Einsatzkräften an.

Während des Einsatzes sei der Wirt des Lokals von der Polizei darüber informiert worden, so Kaatz, dass es sich bei seinen Gästen nach Erkenntnissen der Polizei um „mutmaßlich rechtsorientierte Personen“ handele. Der Wirt habe nach Darlegung der Situation an der Vermietung festgehalten. Fragenden Journalisten soll er angegeben haben, er sei bei der Saalvermietung von einem Vortrag anlässlich des 150. Todestages von Jacob Grimm, einem der Märchensammler-Brüder, ausgegangen. 

Spiekershausen an der Fulda scheint bei Neonazis beliebt zu sein. Schon 2001 trafen sich dort 400 Anhänger der inzwischen verbotenen Neonazi-Hilfsorganisation HNG.