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Göttingen Großwohnsiedlung als Großbaustelle
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18:52 24.07.2009
Großbaustelle Leineberg: Zu den energetischen Verbesserungen gehört auch die Dachsanierung.
Großbaustelle Leineberg: Zu den energetischen Verbesserungen gehört auch die Dachsanierung. Quelle: Hinzmann
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Eine „hohe Wohnzufriedenheit“, eine annehmbare Versorgung mit Einzelhandel und Gastronomie, Betreuungsangebote für Kinder, ein Stadtteilbüro der Stadt Göttingen, der Kirche und der Freien Altenarbeit nennen die Verfasser als Stärken der Großwohnsiedlung Leineberg. Auch Schwächen zeigt das 60-Seiten-Script auf, das die Wohnungsbau in Kooperation mit Planungsbüros und der Stadt beim Wettbewerb „Energetische Sanierung von Großwohnsiedlungen auf der Grundlage von integrierten Stadtteilkonzepten“ eingereicht hat. Als mangelhaft beurteilen die Planer etwa das wenig attraktive Wohnumfeld, den geringen Modernisierungsstandard der in den 1960er Jahren gebauten Häuser, Lücken, häufige Wechsel bei Einzelhandels- und sonstigen Versorgungsangeboten sowie Schwachstellen in der Gestaltung der Verkehrsräume und im öffentlichen Personennahverkehr, vor allem abends und an Wochenenden.

Mehr als 1300 Wohnungen gibt es am Leineberg, 740 davon besitzt die Städtische Gesellschaft. 580 sollen in den kommenden Jahren grundlegend saniert und modernisiert werden. Begonnen wurde in diesem Frühjahr mit Wohnblocks an der Weserstraße, An der Thomaskirche und am Ilmeweg (Tageblatt berichtete).

In diesem Jahr investiert die Wohnungsbau rund 5,6 Millionen Euro in 87 Wohnungen, finanziert über die Kreditanstalt für Wiederaufbau. 2010 folgen 100 weitere mit einem voraussichtlichen Kostenvolumen von mehr als sechs Millionen Euro. Für die vollständige Sanierung des Wohnungsbestandes wurde ein Zeitraum von bis zu acht Jahren angesetzt.

Energetische Maßnahmen

Im Mittelpunkt der Aktivitäten stehen „der Flächengewinn und energetische Maßnahmen“ umreißt Rolf-Georg Köhler, Geschäftsführer der Wohnungsbau, das Arbeitspensum von Planern und Handwerkern. Ehemalige Balkone werden zu Wintergärten, neue Balkone angebaut. Wohnungen im Erdgeschoss sollen seniorengerecht ausgestattet, Terrassen und Mietergärten angelegt, Badezimmer und Elektrik modernisiert werden.

Zur energetischen Sanierung zählen der Einbau von Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung, die zusätzliche Dämmung von Dächern, Hauswänden und Kellern und Installation solarthermischer Anlagen sowie neuer Zentralheizungen in einigen Häusern. Die Mieter wurden während zweier Informationsveranstaltungen über das Mammutvorhaben informiert. Infolge der Sanierung wird die Gesellschaft die Kaltmieten voraussichtlich von vier auf etwa fünf Euro anheben. Dies aber, verspricht Köhler, „erst nach einem halben Jahr, als Ausgleich für den Baustress erlassen wir den Mietern auch noch eine Kaltmiete.“ In die andere Richtung würden sich die Umbauten auf die Nebenkosten der Leineberg-Bewohner auswirken: „Wir rechnen etwa mit bis zu 50 Prozent weniger Energieverbrauch“, prophezeit Köhler. Auch der Kohlendioxid-Ausstoß werde um bis zu 50 Prozent – 1,5 Millionen Kilogramm für alle sanierten Objekte am Leineberg – reduziert.

In sechs Monaten soll der erste Abschnitt fertig sein. Die Umgestaltung der Grün- und sonstigen Außenanlagen folgt im Frühjahr. „Wir sind gut im Rennen, im Moment sogar zwei Wochen vor dem Zeitplan“, berichtet Prokurist Klaus Oertel, zuständig für die technische Leitung und Mieterbelange. Bis es so weit ist, verleben die Leinebergbewohner allerdings eine harte Zeit, vor allem in den rund sechs Tagen der eigenenWohnungsmodernisierung.

Nicht jeder kommt damit zurecht, auch wenn die Wohnungsbau Duschcontainer für die Zeit ohne Badezimmer aufstellt. „Für Härtefälle, Senioren oder Menschen im Schichtdienst bieten wir Ausweichquartiere an“, betont Köhler. In Anspruch genommen hat das fünf Tage lang Edith Bornemann mit ihrer Familie, unter anderem auch in Hinblick auf den Gemütszustand ihrer drei Papageien. „Die Sanierung ist ganz schön stressig“, sagt sie, „die Ruhe hat uns sehr gut getan.“ Lob gibt es von der Mieterin für das Auftreten der Handwerker, die Gesamtleistung hingegen mag sie noch nicht beurteilen: „Das sag‘ ich Ihnen, wenn alles fertig ist.“

Von Katharina Klocke