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Göttingen Grundschüler aus Herberhausen gewinnen beim Schülerzeitungs-Wettbewerb „Unzensiert“
Die Region Göttingen Grundschüler aus Herberhausen gewinnen beim Schülerzeitungs-Wettbewerb „Unzensiert“
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19:32 26.02.2020
Die Freude ist groß: „Eulenblatt“-Redakteurinnen nehmen die erste Seite der 18. Ausgabe aus dem Drucker. Quelle: Hinzmann
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Göttingen

Jungredakteure aus Herberhausen sind für die 16. Ausgabe ihres „Eulenblatts“ in Hannover ausgezeichnet worden. Sie hatten beim Schülerzeitungswettbewerb „Unzensiert“ der Jungen Presse Niedersachsen Platz drei in der Kategorie Grundschulen belegt. Schirmherr der Aktion des Jugendmedienverbandes ist Ministerpräsident (MP) Stephan Weil.

„Das war ein ganz kribbliges Gefühl“, sagt Emilia über den Moment der Preisverleihung und den Auftritt im Anzeiger-Hochhaus der erwachsenen Kollegen von der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung. Den MP hatte die Delegation der Herberhäuser Preisträger verpasst, da die frühzeitige Rückfahrt bevorstand und Weil noch nicht vor Ort war – aber, so die Meinung des Sextetts: „Das war gar nicht schade. Da wird doch nur viel geplappert. Auch von den anderen.“ Im Gegensatz zu denen hätten sie schließlich etwas zu sagen – mit dem nötigen Ernst und noch mehr Spaß.

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Lob vom Laudator: „Eulenloch“-Macher hätten Platz eins verdient

Einer der Redner bei der Preisverleihung des Wettbewerbs „Unzensiert“ hatte jedoch die volle Aufmerksamkeit der Kinder, so Eulenblatt-Chefredakteurin Dorothée Schütte. „Der Laudator hat fast bedauernd zu Platz drei gratuliert. Er meinte, dass uns viele auf Platz eins gesetzt hätten.“ Die Handschrift der Kinder beim Erstellen des Eulenblatts sei klar erkennbar und beeindruckend, habe der Mann in seiner Würdigung betont. Das Motto „von Schülern für Schüler“ werde in den Beiträgen deutlich, in „liebevoll bemalten Titelblättern“, beim Binden des Heftes mit Kordeln, gemalten Bildern im Innenteil und vielem mehr.

Anfang Februar, so Schütte, habe sie die frohe Botschaft passend in der Stunde der Arbeitsgemeinschaft Schülerzeitung übermittelt. „Der Jubel war unbeschreiblich. Alle wollten nach Hannover fahren.“ Da der Veranstalter aber auf maximal sechs Schüler bestand, sei gelost worden. Donnerstag, 20. Februar, war ihr großer Tag. „Alle waren super aufgeregt.“ Die Stimmung stieg weiter, da nach der Anreise mit der Bahn während der Anfahrt zum Anzeiger-Hochhaus in der U-Bahn der Strom ausfiel. „Als wenn ich es geahnt hätte. Ich hatte eine Taschenlampe dabei“, sagt Evi, eine der Preisträgerinnen. Grund für die frühe Rückfahrt war die Änderung des Zeitplans. Die Veranstalter wollten die Grundschul-Redakteure als Letzte auszeichnen – aus Sicht der Lehrer zu spät. Also waren sie die Ersten; und durften, aus ihrer Sicht, auf „das Gerede“ verzichten.

Schüler und Chefredakteurin Dorothé Schütte begutachten den Entwurf für eine Doppelseite mit Berichten und Bilder über die Fahrt nach Hannover und die Preisverleihung. Quelle: Hinzmann

Die Schüler wollen mit Farbbildern über die Preisverleihung berichten

Die Schüler werden über den Ausflug (Hinfahrt, Preisverleihung, Rückfahrt) auf mindesten zweiten Seiten berichten, so Schütte – reichlich bebildert, und das in Farbe: Eine Premiere. Das Preisgeld in Höhe von 200 Euro macht die optische Aufwertung möglich. Falls überhaupt mal ein Foto ins Blatt kommt, dann in Schwarzweiß. Um Kosten zu minimieren. Ansonsten kommen Illustrationen per Buntstift ins Eulenblatt. „Bilder sind wichtig“, betont Titus. Er bereitet für einen Artikel zum Thema Natur das Bild eines Korallenriffs vor. „Mit Bild ist der Text spannender“, betont Mathea.

Einige Schüler haben sich „am Computer verbessert“ (Matti), können „am PC besser schreiben“ (Ida), haben sich (im Deutschunterricht verbessert“ (Lotte) – und gemeinsam eine Ausgabe zu gestalten, ist ein weiteres Plus. Die Redakteure schreiben Geschichten, zum Beispiel über saisonale Themen wie: Was bedeutet Ostern, und was hat der Hase damit zu tun? Ida sagt, dass auch Rätsel und Witze ins Blatt gehören – und ausnahmsweise legt die Chefredakteurin bei einem unangemessen Vorschlag gelegentlich ein Veto ein: „Beleidigendes wird nicht genehmigt.“

Recherche und Interviews sind spannend und – zählen zur Routine

Die Schüler recherchieren, führen Gespräche mit Schülern und Lehrern und haben auch schon die Inhaberin des Herberhäuser Dorfladens interviewt – dort tauchen sie spätestens nach Fertigstellung einer Ausgabe auf, sagt Schütte. Jedes Kind erhält „als Lohn“ 50 Cent. „Wir besprechen, was wir uns aussuchen“, sagt Patricia, „und das restliche Geld bekommen die Sternsinger.“ In der jüngern Vergangenheit zum Beispiel für die Unterstützung von „Kindern in Flüchtlingslagern im Libanon“, so Titus, „bei der Ganztagsbetreuung in Schulen“.

Und sie berichten über Veranstaltungen: „Ich habe über ein Müllpuppenspiel in Nikolausberg geschrieben. Es ging darum, dass man nicht einfach Müll in die Gegend werfen darf. Das war spannend.“ Matti hat Theaterstück der Polizei rezensiert: „Da ging es um Sachen im Netz. Mobbing.“ Mathea sagt, dass es „einfach Spaß macht“: „Gemeinsam absprechen, was in die Zeitung kommt und selber schreiben.“ Julietta und Sophie stimmen ihrer Kollegin begeistert zu. „Jeder hat seine speziellen Sachen“, so Luca, „aber nichts ist vorher festgelegt. Wir besprechen, wer was macht.“

Jungjournalisten der Schülerzeitung „Eulenblatt“ an der Grundschule Herberhausen sind beim Schülerzeitungswettbewerb „Unzensiert“ des Verbandes Junge Presse Niedersachsen ausgezeichnet worden. Die Redaktion trifft sich an jedem Mittwoch in der fünften Schulstunde.

Kinder zahlen Obolus für den Papierverbrauch

Die Kinder zahlen der Schulleitung für den Papierverbrauch einen Betrag – ihre frühe Erfahrung: So gut wie nichts gibt’s umsonst. Einen Teil des Materials steuert die 53-Jährige bei, Hefte und Stifte haben die Schüler. Und getextet wird an Schirmen im Computerraum – oder eben per Hand. Aber nicht mit Bleistift, sagt, Luca, „den erkennt der Drucker nicht. Falls ein Redakteur doch mal diesen Stift benutzt, wird die Schrift mit Kugelschreiber hervorgehoben.

Die Redaktion verzichtet auf Inserate. Doch bis auf Anzeigenakquise ist ihr Job komplett. Blattkritik der vorherigen Ausgabe, Ideenaustausch und Themenfindung für die nächste, Berichte und Geschichten schreiben, Malen, Werbung für die Beiträge (Bewerbung von Inhalten), das bemalte und gestaltete Titelblatt, Kopieren, Lochen, Binden (Kordeln halten die Seiten des Eulenblatts zusammen) und der Verkauf von 50 Stück pro Auflage für jeweils 30 Cent: Bis auf Anzeigenakquise sind die 14 Redakteure echte Blattmacher. In der vierten Klasse schreiben einige Schüler an einer Variante dieser Erfolgsstory: Sie konzipieren eine Zeitung für die „Vierte“. „Wir bereiten Interviews vor“, sagt Evi, eine von drei „Herausgebern“. Mehr verrät sie nicht.

Die Delegation des Eulenblatt-Redaktionsteams in Herberhausen zeigt die Urkunde, Geschenke und den Scheck mit dem Preisgeld in Höhe von 200 Euro (v.l.):Evi, Luca, Charlotte, Patricia, Emilia und Mathea. Quelle: Kutter

Gesucht: die besten Zeitungen und Blogs an Schulen

An jedem Mittwoch in der fünften Stunde ist Redaktionssitzung, so Chefredakteurin Dorothé Schütte. Die Deutschlehrerin hat das Eulenblatt 2016 als Arbeitsgemeinschaft gegründet. Die Redakteure seien zwischen acht und zehn Jahren alt. Auch die jüngsten Leser in den ersten Klassen, Sechsjährige, entwickelten den Ehrgeiz, Artikel in ihrer Zeitung lesen zu können. 17 Eulenblatt-Ausgaben sind bislang erschienen. Knapp 90 Schüler besuchen die Grundschule Herberhausen; 14 sind zumindest ein Halbjahr lang in der Schülerzeitung-AG aktiv (einige wechseln in andere AGs).

On- und Offline-Schülerzeitungen nehmen am Wettbewerb des Jugendmedienverbandes Junge Presse Niedersachsen teil. Der Verband sucht unter der Schirmherrschaft von Ministerpräsident Weil und in Kooperation mit der Julius-Rodenberg-Stiftung die besten Zeitungen und Blogs an niedersächsischen Schulen. Neben Hauptpreisen für jede Schulform werden Sonderpreise für besondere Beiträge vergeben. Profis und Nachwuchsjournalisten aus Niedersachsen bilden zu gleichen Teilen die Jury. Alle Preisträger nehmen automatisch am Bundeswettbewerb teil.

Von Stefan Kirchhoff