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Göttingen Grundschüler besuchen Hospitalkapelle in Reinhausen
Die Region Göttingen Grundschüler besuchen Hospitalkapelle in Reinhausen
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18:32 29.07.2014
In der Schreibwerkstatt: Paula und ihre Mitschüler lernen den Umgang mit Gänse-, Rohr- und Bambusfeder. Quelle: Hinzmann
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Reinhausen

Genervt – das sind der Zehnjährige und seine elf Klassenkameraden von der 4b der Grundschule Diemarden allerdings an diesem Tag nicht, im Gegenteil:

Bei ihrem Besuch der Christophoruskirche in Reinhausen und einem benachbarten Skriptorium – eine Schreibwerkstatt – in der alten Hospitalkapelle auf dem Kirchberg waren sie mit Feuereifer bei der Sache.

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Kein Wunder, bekamen die Jungen und Mädchen doch die Gelegenheit, sich in schwarze Benediktiner-Kutten zu hüllen („Darin schwitzt man ganz schön“, stellte Pedro Kraemer fest), frische Brote mit einem eingeritzten Kreuz drauf zu essen („sehr lecker“, befand Jan Paolo Heere) und zu lernen, wie man mit Gänse-, Rohr- und Bambusfeder so schreibt, wie die Menschen im Mittelalter.

Wenn sie denn überhaupt schreiben konnten, denn die meisten konnten nicht einmal lesen, wie Paul Schulze weiß: „Darum haben die Mönche das erste Wort ihres Textes immer mit einem extra großen Buchstaben geschrieben und um ihn herum gemalt, damit die, die nicht lesen konnten, sahen, worum es geht.“

„Es macht Spaß, ist aber mühsam“

Die Kinder der Klasse 4b gehören zu den ersten Besuchern des Skriptoriums. Ehrenamtliche Reinhäuser haben die alte Kapelle gerade erst fertig saniert und im Vorraum die mittelalterliche Schreibwerkstatt eingerichtet. Sie soll vor allem Kindern das Leben und Wirken der Mönche näher bringen, die einst auf dem Kirchberg lebten.

Der Exkurs der Grundschulkinder  geht auf eine Idee von Margarete Otten zurück, die die Veranstaltung zusammen mit Christine Bruns leitete. „Kirchenpädagogik hilft, dass Kirche verstanden wird“, sagt die pensionierte Lehrerin Otten, „und zwar mit Kopf, Herz und Hand“, wobei sowohl die Bereiche Musik, Religion und Kunst als auch Geschichte und Heimatkunde thematisiert würden.

Unterdessen schrieben und malten die Viertklässler, was das Zeug beziehungsweise die Feder hielt. „Es macht Spaß, ist aber mühsam, weil – wenn man kleckert – es keinen Tintenkiller gibt“, konstatierte Paula Bachmann. Und Celia Putrino fand heraus, dass „Füller alle gleich schreiben, aber Federn alle unterschiedlich“.

Mehr Informationen über das Skriptorium und Angebote für Schüler gibt es unter Telefon 0 55 92 / 92 71 69.

Erster Besuch in Hospitalkapelle Reinhausen: Grundschüler als Mönche in der Schreibwerkstatt. © Hinzmann

Von Hauke Rudolph