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Göttingen Günterser wehren sich gegen Hells Angels
Die Region Göttingen Günterser wehren sich gegen Hells Angels
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21:03 18.07.2014
Von Jörn Barke
Domizil mit Symbolkraft: In ihrem Adelebser Clubhaus verhalten sich die Hells Angels bislang unauffällig. Quelle: Hinzmann
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Güntersen

Die Autos kommen, an den Kennzeichen gut zu erkennen, aus dem ganzen Bundesgebiet.

Eins haben sie jedoch gemeinsam: Die Zahl 81 im Nummernschild. Die verweist auf die Organisation, die sich hier zu Beratungen versammelt: Es handelt sich um den äußerst umstrittenen Motorradclub Hells Angels, deren führendes Mitglied Frank Hanebuth wegen des Vorwurfs der Bildung einer kriminellen Vereinigung weiter in Untersuchungshaft sitzt. Die Anfangsbuchstaben des Clubnamens haben die Nummern 8 und 1 im Alphabet.

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Genauso plötzlich, so heißt es aus dem Dorf, verschwinden die Limousinen dann gegen 18 Uhr wieder aus dem Dorf. Dazwischen liegen einigen Stunden Tagung von rund 100 Club-Mitgliedern in einer Gaststätte des 700-Einwohner-Ortes. Doch nun wollen die Günterser den Spuk vertreiben. Bei Einer Dorfversammlung mit mehr als 50 Einwohnern ist nun einstimmig eine Resolution mit diesem Ziel verabschiedet werden.

„Wir werden uns dagegen zu wehren wissen und weiter an einer guten Zukunft für Güntersen arbeiten“

Seit vier Jahren arbeite man unter dem Titel „Dorf mit Zukunft“ daran, den Ort weiterzuentwickeln und dem Bevölkerungsrückgang entgegenzuwirken: „Daher erfüllt es uns mit großem Zorn, dass durch bisher drei bundesweite Treffen der Hells Angels in Güntersen innerhalb von wenigen Monaten der Ruf unserer Arbeit, der Ruf unseres Dorfes und letztlich auch der Dorffrieden darunter leidet.“

Die Günterser wollen sich wehren: „Wir wollen und werden dieser Entwicklung nicht tatenlos zusehen. Wir werden unsere Entschlossenheit, unseren Mut und unsere Phantasie dagegen setzen. Güntersen ist kein ruhiges Hinterland für gewaltbereite Biker-Gangs, genauso wenig für politische Extremisten.“

Darauf hinzuwirken, dass Neonazis in Güntersen nicht Fuß fassen, hatte der Ortsrat schon 2010 in einer Resolution beschlossen. Auch gegen die Hells Angels soll in Zukunft vorgegangen werden: „Wir werden uns dagegen zu wehren wissen und weiter an einer guten Zukunft für Güntersen arbeiten.“

Verhalten sich nach Außen hin unauffällig

Als eine Gegenaktion sei die Einrichtung von Parkverbotszonen in Güntersen geplant, sagt Holger Frase (SPD), Bürgermeister der Gemeinde Adelebsen, zu der auch Güntersen gehört. Allerdings: Es kommen offenbar hochrangige Mitglieder des Motorrad-Clubs nach Güntersen. Und die haben Fahrer, die sie direkt vor der Tür absetzen können. Ein Verkauf der Gaststätte an die Hells Angels sei bisher nicht abzusehen, so Frase.

Der Betreiber der Gaststätte zeigt sich weiter offen gegenüber den Hells Angels. Die zahlten und benähmen sich anständig, meint er. Er verweist darauf, dass bei Versammlungen der Jäger in einer anderen Dorfgaststätte sogar noch mehr Autos im Dorf parkten. Der Ortsrat überlegt, keine Sitzungen mehr in dem Gasthaus abzuhalten.

Angemietet für die Versammlungen wird es von dem Chef der Hells Angels in Adelebsen. Die hatten in dem Ort im Februar 2013 ein als privat deklariertes Boxstudio eröffnet. In Adelebsen verhielten sich die Hells Angels nach außen hin unauffällig, so Frase. Das dortige Quartier sei als Rückzugsgebiet gedacht.

Der Bürgermeister bleibt dennoch skeptisch: Wo sich Mitglieder selbst als Outlaws stilisierten, bestehe auch die Gefahr von kriminellen Machenschaften. Die Polizei jedenfalls beobachtet die Lage in Adelebsen und Güntersen.