Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Günther Beckstein auf der EKD-Konferenz in Northeim
Die Region Göttingen Günther Beckstein auf der EKD-Konferenz in Northeim
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:43 28.05.2013
Von Jörn Barke
Modellprojekt auf dem Land: Die Kirche in Schnedinghausen ist zur Literaturkirche geworden, in der es mehrfach im Jahr Lesungen gibt. Quelle: Hinzmann
Anzeige
Northeim

70 Delegierte aus ganz Deutschland beraten derzeit, wie die Zukunft der Kirche in ländlichen Regionen gestaltet werden kann.

Denn auch dort ist die Kirche als Folge von Finanzknappheit und Bevölkerungsrückgang unter Druck geraten: In kleineren Orten finden Gottesdienste nur noch in größeren Abständen statt, häufig betreut ein Pastor mehrere Orte.

Anzeige

Beckstein, Vizepräses der EKD-Synode, forderte grundsätzlich auch eine Offenheit für „verrückte Projektideen“ ein. Die Kirche müsse dabei auch das Loslassen üben und sich trauen, das Mögliche zu tun und das Unmögliche zu lassen.

Große Freizeitkonkurrenz

Dabei könne es aber keine zentral erdachten allgemeingültigen Lösungskonzepte geben, so Beckstein. Es gelte, die lokalen Besonderheiten im Auge zu haben.

Auch im ländlichen Raum gebe es heute bereits eine große Freizeitkonkurrenz, sagte die Kieler Theologie-Professorin Uta Pohl-Patalong (Kiel).

Unter dem Druck geringerer Ressourcen könne das Leitbild heute nicht mehr sein, dass nebeneinander liegende Landgemeinden weiter jede für sich eine vollständige religiöse Versorgung anbieten.

In Zukunft bewusst und reflektiert

Vielmehr müssten Pastoren und Gemeinde entscheiden, wie in einer bestimmten Region das Evangelium am besten kommuniziert werden kann, ob etwa Jugendarbeit oder Kirchenmusik einen besonderen Schwerpunkt erhalten.

Faktisch würden schon heute Schwerpunkte gesetzt – dies müsse aber in Zukunft bewusst und reflektiert geschehen, forderte Pohl-Patalong. Die Kirchenleitung müsse diesen Prozess unterstützen.

Für bestimmte Angebote müssten die Menschen auf dem Land dann auch längere Wege auf sich nehmen – und würden dies auch tun.

Vorteile für schnelle Entscheidungen

Heinz Behrends, Superintendent des gastgebenden Kirchenkreises Leine-Solling erinnerte daran, dass Jesus Christus selbst ein „Landkind“ gewesen sei. Er habe in Bildern aus dem ländlichen Raum gesprochen.

Der Fokus der öffentlichen Wahrnehmung liege heute vor allem auf der Stadt, so Behrends. Dort fielen die Entscheidungen: „Die EKD residiert in Hannover, nicht in Fredelsloh.“ Dabei biete der ländliche Raum mit seinen überschaubaren Strukturen Vorteile für schnelle Entscheidungen.

Doch die Verkündigung Jesu habe über das Denken von Stadt und Land hinaus in die Zukunft gewiesen. Diese Zukunft wird auf der Konferenz nun noch bis Donnerstag gesucht. Dabei werden auch Modellprojekte im Kirchenkreis Leine-Solling besucht.