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Göttingen Gut und wichtig oder scheinheilig und ungerecht?
Die Region Göttingen Gut und wichtig oder scheinheilig und ungerecht?
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19:33 23.02.2012
Von Katharina Klocke
Großer Andrang: Beim Bürgerdialog im Göttinger Ratssaal zum Thema Zukunftsvertrag waren alle Plätze besetzt.
Großer Andrang: Beim Bürgerdialog im Göttinger Ratssaal zum Thema Zukunftsvertrag waren alle Plätze besetzt. Quelle: CR
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Göttingen

Die Mehrzahl der Teilnehmer waren Vertreter von Göttinger sozialen oder kulturellen Einrichtungen. Als schlichte Bürger gaben sich nur wenige Diskutanten zu erkennen. Auch die Parteien waren gut vertreten, die Politiker hielten sich allerdings – von Moderator Klaus Henning dazu aufgefordert – mit eigenen Wortbeiträgen zurück. Göttingens Kämmerer Hans-Peter Suermann (CDU), unterstützt von den anderen drei städtischen Dezernenten, stand für den erkrankten Oberbürgermeister Wolfgang Meyer (SPD) Rede und Antwort. Das Ministerium für Inneres und Sport hatte Oliver Fuchs entsandt.

Große Mühe hatte der ehemalige Göttinger Landgerichtspräsident und freiberufliche Mediator Klaus Henning, die zuvor geplante dreiteilige Struktur des ersten Dialogs durchzusetzen. Unzählige Wortbeiträge gab es zum ersten Punkt: Soll die Stadt einen Zukunftsvertrag abschließen? Nur wenige Bürger beantworteten diese Frage im Ratssaal mit „Ja“. „Gut und mutig“ und „einen wichtigen Schritt“ nannten einige Befürworter das Vorhaben, sich beim Land um Entschuldungshilfe zu bewerben. „Wir müssen mit dem auskommen, was wir haben“, appellierte ein Bürger an die Vernunft der Gegner des Zukunftsvertrages.

Die Ja-Stimmen waren allerdings in der Minderheit. Wie bereits in der Vergangenheit bei Ausschuss- oder Ratssitzungen hagelte es vor allem Kritik, ausgesprochen von Vertretern vieler Göttinger Einrichtungen und dem Bündnis Lebenswertes Göttingen. „Die soziale und kulturelle Infrastruktur wird kaputtgespart“, protestierte etwa ein Teilnehmer. „Scheinheiligkeit angesichts städtischer Planungen, die Innenstadt mit Lusuxplatten zu pflastern“, warf eine Zuhörerin Rat und Verwaltung vor. Kritik an den Göttinger Abgeordneten in Land- und Bundestag wurde laut, weil sie sich nicht dafür einsetzten, „dass die Kommunen finanziell gerecht ausgestattet werden“.

Empört waren viele Anwesende, dass sie als Vertreter sozialer und kultureller Institutionen darüber diskutieren sollten, in welchen Einrichtungen Zuschüsse zu kürzen seien. Vorschläge zu den Programmteilen zwei und drei, wie Mehreinnahmen zu erzielen beziehungsweise wo Kürzungen vorzunehmen seien, gab es deshalb kaum. Was Henning schließlich bewog, die nicht enden wollende Aussprache zu Punkt eins freizugeben.

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