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Göttingen Häftling in der JVA Rosdorf erblindet?
Die Region Göttingen Häftling in der JVA Rosdorf erblindet?
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00:26 24.08.2015
Von Matthias Heinzel
Quelle: dpa (Symbolbild)
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Göttingen/Osterode

Das könnte bedeutsam sein für die Strafzumessung. Wenn nämlich der Rentner recht hat mit seiner Behauptung, die JVA Rosdorf habe ihm die notwendigen Medikamente nicht zur Verfügung gestellt, könnte die Strafe wegen des unverschuldeten Leidens milder ausfallen. Die Vernehmung eines JVA-Bediensteten am Freitag, der mit der Krankenakte im Gerichtssaal erschien, brachte nicht genug Licht ins Dunkel, weil die Akte nicht alle notwendigen Angaben enthielt. Also entschied das Gericht, die für Freitag vorgesehene Urteilsverkündung – die Plädoyers waren bereits am Mittwoch gehalten worden – zu verschieben und mehrere Ärzte als Zeugen zu laden. Die aber sind zum Teil noch im Urlaub.

 

Geklärt werden muss nun unter anderem, wer, wann und unter welchen Bedingungen dem Untersuchungshäftling ein Medikament zur Senkung des zu hohen Augeninnendrucks zur Verfügung gestellt hat und ob dies überhaupt geschehen ist. Dazu und zu Arztterminen habe auch der Angeklagte selbst teils widersprüchliche Angaben gemacht, rügte das Gericht. Die Nichtanwendung des Medikaments war mit hoher wahrscheinlichkeit dafür verantwortlich, dass der 63-Jährige während seiner Untersuchungshaft auf dem linken Auge praktisch erblindete. Der Mann kann auf diesem Auge heute nur noch Licht und Dunkelheit unterscheiden.

 

Die Möglichkeit, ein Verschulden der JVA als gegeben anzunehmen und einen pauschalen Strafabschlag ins Urteil zu schreiben, verwarf das Gericht. Weil dies als Verstoß gegen die Aufklärungspflicht in einem Strafverfahren gewertet werden könne, sei dies geradezu eine Einladung dazu, den Prozess wegen Verfahrensfehler ein zweites Mal aufzurollen.