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Göttingen Attacke mit Dönermesser: Ankläger fordern fast fünf Jahre Haft
Die Region Göttingen Attacke mit Dönermesser: Ankläger fordern fast fünf Jahre Haft
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00:22 07.02.2019
Weil er mit einem Dönermesser angegriffen hatte, soll ein 49-jähriger Mann für vier Jahre und neun Monate ins Gefängnis Quelle: dpa
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Göttingen

Das hat am Montag die Staatsanwaltschaft in ihrem Plädoyer vor dem Landgericht Göttingen gefordert. Der bereits einschlägig vorbestrafte Angeklagte habe sich der gefährlichen Körperverletzung schuldig gemacht. Die Staatsanwaltschaft hält es nach der Beweisaufnahme in dem seit Oktober laufenden Prozess für erwiesen, dass der 49-Jährige im Mai vergangenen Jahres nachts einen 57-jährigen Familienvater in Markoldendorf (Kreis Northeim) mit dem Tode bedroht und mit einem langen Messer schwer verletzt hat.

Der 57-jährige erlitt damals mehrere Wunden am Kopf und am Arm und musste noch in der Nacht in der Göttinger Uni-Klinik operiert werden. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft hat der Angeklagte bei seinem Angriff mit dem Dönermesser das Leben des 57-Jährigen gefährdet, da er mit voller Wucht auf den Schädel gezielt habe. Dieser Schlag hätte nach Einschätzung des Rechtsmediziners tödlich sein können. Der 57-Jährige hatte damals zur Abwehr einen Arm gehoben, so dass der Messerhieb statt des Kopfes den Unterarm traf und die Speiche durchtrennte. Der Schwerverletzte musste insgesamt eine Woche im Krankenhaus verbringen und ist nach eigenen Angaben bis heute erheblich beeinträchtigt.

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Der Angeklagte war einige Stunden nach der Attacke von einem Sondereinsatzkommando der Polizei in seiner Wohnung in Bad Gandersheim festgenommen worden. Er sitzt seitdem in der JVA Rosdorf in Untersuchungshaft.

Vor der Tat hatte es eine gewalttätige Auseinandersetzung zwischen Mitgliedern beider Familien auf dem Parkplatz eines Supermarktes in Einbeck gegeben. Die Polizei hatte damals gemeldet, dass elf Personen aufeinander eingeschlagen und -getreten hätten. Erst mit Unterstützung weiterer Beamter habe die Situation unter Kontrolle gebracht werden können. An der Auseinandersetzung sollen unter anderem die Ehefrau des Angeklagten, die von ihm getrennt lebt, sowie mehrere seiner Töchter beteiligt gewesen sein. Ferner sollen der 57-Jährige, der als Nebenkläger auftritt, sowie mehrere seiner Kinder vor Ort gewesen sein.

Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft hatte die älteste Tochter des Angeklagten danach ihren Vater angerufen. Dieser sei mit zwei Dönermessern bewaffnet 20 Kilometer weit nach Markoldendorf gefahren, „um sich ein bisschen zu rächen“. Die Tochter habe ihn dabei begleitet und aufgehetzt. Der Angeklagte hatte erklärt, aus Notwehr gehandelt zu haben. Dies sei durch das Verletzungsbild widerlegt, sagte die Staatsanwältin. Der 49-Jährige sei sehr planvoll vorgegangen und habe mit hoher krimineller Energie gehandelt. Zu seinen Lasten sei zu werten, dass er bereits 2017 wegen gefährlicher Körperverletzung seiner Ehefrau zu einer Freiheitsstrafe verurteilt worden war und zur Tatzeit unter Bewährung stand.

Der Vertreter der Nebenklage forderte eine höhere Freiheitsstrafe von fünf Jahren und vier Monaten. Der Angeklagte habe sich des versuchten Totschlages schuldig gemacht. Dieser habe zudem mehrfach das Opfer als Lügner bezeichnet und dessen Familie als kriminell bezichtigt. Ein solches Prozessverhalten sei „bodenlos“. Tatsächlich habe sein Mandant keinerlei Einträge im Strafregister.

Der Verteidiger warf dagegen dem Nebenkläger und dessen Angehörigen vor, das Gericht getäuscht zu haben: „Jeder Satz dieser Zeugen war gelogen.“ Die Aggressionen auf dem Parkplatz seien ausschließlich von dessen Familie ausgegangen. Sein Mandant sei nach Markoldendorf gefahren, um die Angelegenheit friedlich zu klären. Der 57-Jährige habe ihn zuerst bedroht und angegriffen. Sein Mandant sei gezwungen gewesen, sich zu verteidigen. Einen Tötungsvorsatz habe er nie gehabt. Sollte er verurteilt werden, wäre dies ein fatales Zeichen, „dass das Gericht denen Glauben schenkt, die am lautesten lügen.“

Von Heidi Niemann

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