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Göttingen Hardegser befürchten Windpark-Lärm
Die Region Göttingen Hardegser befürchten Windpark-Lärm
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06:18 13.10.2012
Bei Lichtenborn: Windräder im Hardegser Gemeindegebiet. Quelle: Vetter
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Hardegsen

Mit ihrer Schwester, einer Ärztin, war die „Demonstrantin“ unter den knapp 100 Bürgern, die ins Muthaus nach Hardegsen gekommen waren. Die Ärztin legte besonderes Augenmerk auf den durch die Anlagen erzeugten Infraschall als Risiko für die Gesundheit. Auch andere Bürger äußerten ihre Ängste vor dem Lärm und auch der Wertminderung ihrer Grundstücke. Doch gerade mit Blick auf Tschernobyl und Fukushima gab es auch Befürworter der Windkraft. Nach den Gestaltungsmöglichkeiten des Rates fragte Ratsherr Rainer Glahe (FWG). Für eine dezentrale Energieversorgung machten sich die Gladebecker Ortsratsfrau Ulrike Berghahn und Ratsherrr Rainer Lutter (beide Grüne) stark.

77 Prozent der benötigten Energie werden in Hardegsen bereits aus erneuerbaren Energien erzeugt. Laut Leitbild für die Stadt sei es erklärtes Ziel, diese Zahl auf 100 Prozent zu steigern, führt Hardegsens Bürgermeister Dieter Sjuts (parteilos) ins Thema ein. Als weiteren Grund, sich verstärkt mit Windenergie auseinanderzusetzen, nannte er die Energiewende. Doch  allein die Höhenbegrenzung im Flächennutzungsplan von 2002 für das Moringer Becken entspreche nicht mehr dem Stand der Technik.

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Mit Blick auf die Nachbargemeinden, wo die Planungen vor Gericht keinen Bestand hatten, räumte Sjuts ein, dass der Plan von 2002 nicht als absolut rechtssicher betrachtet werden könne. Orientierungsdaten zu Windkraftanlagen gab Christian Brietzke von der Kommunalen Umwelt-Aktion als Partner des Städte- und Gemeindebundes. 23 000 Anlagen gebe es derzeit in Deutschland. Er beschrieb die technische Entwicklung und die Grenzwerte für Geräusche und Schattenwurf. Für die Gemeinden interessant sei die Gewerbesteuer, die sie mit Windkraftanlagen einnehmen könne.

Die Bürgerversammlung war einberufen worden, weil die Ratspolitiker sich nicht über die Vergabe der Planungen an ein Unternehmen einigen konnten. 80 000 bis 100 000 Euro koste die Aufstellung mit allen notigen Untersuchungen, zum Beispiel der Vogelwelt. Das könne sich die Stadt nicht leisten, machte Sjuts in der Bürgerversammlung deutlich. Immer wieder kam die Frage auf, welches Interesse eine Fremdfirma verfolge, wenn sie die Planung für die Stadt übernehme. Die Antwort, dass das Unternehmen dabei Kontakte für spätere Aufträge knüpfe, konnte den Argwohn mancher Bürger nicht stillen. In den Fachausschüssen sollen ihre Meinungen einfließen.