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Göttingen Harzhorn: Spektakuläre Entdeckung auf Ausgrabungsstätte
Die Region Göttingen Harzhorn: Spektakuläre Entdeckung auf Ausgrabungsstätte
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20:04 15.08.2013
Römerfund: Die Northeimer Kreisarchäologin Petra Lönne zeigt das Fragment und die Rekonstruktion eines antiken Kettenhemdes. Quelle: pid
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Grabungsleiter Professor Michael Meyer präsentierte den neuen Fund am Donnerstagnachmittag bei einer Pressekonferenz in dem Waldgebiet unweit der Autobahn 7.

Seit Ende Juli erforscht dort eine Gruppe von Archäologiestudenten die Randbereiche eines Hauptkampfgebietes der Schlacht zwischen Römern und Germanen. Nachdem sie drei Wochen keinen einzigen Fund gemacht hatten, wollten sie in dieser Woche nur noch in einem kleinen Areal die Bodenverhältnisse untersuchen. Dort stießen sie dann auf die Teile des Kettenhemdes. Er sei angesichts des Fundes zunächst sprachlos gewesen, bekannte Professor Meyer: „Das war so ein Moment, wo man zwei, drei Sekunden nicht weiß, was man sagen soll.“ Röntgenaufnahmen lieferten dann die Gewissheit, dass es sich tatsächlich um ein antikes Kettenhemd handelte.

Drei Zentimeter tief im Waldboden

Für die Archäologen ist schon die Tatsache, dass sich der Körperpanzer über 1800 Jahre im Boden hat erhalten können, eine kleine Sensation. Das Kettenhemd habe lediglich drei Zentimeter tief im Waldboden gelegen, sagte Meyer. Für den Laien sieht das antike Relikt wie ein Rostklumpen aus. Das aus vielen tausenden von Kettengliedern zusammengesetzte Kettenhemd sei jedoch „wunderbar erhalten“, erklärte der Archäologe. Zwar sei das Eisen in den Kettengliedern weitgehend zersetzt, doch die „Haut“ sei erhalten. Diese Hohlkorrosion, wie die Archäologen diesen speziellen Erhaltungszustand nennen, stelle eine besondere Herausforderung für den Restaurator dar.

Pfeilspitzen, Katapultbolzen und andere Geschosse

Bislang hatten die Forscher bei ihren Untersuchungen vor allem jede Menge Pfeilspitzen und Katapultbolzen und andere Geschosse entdeckt. Jetzt habe man erstmals einen Gegenstand gefunden, den ein Teilnehmer der damaligen Schlacht direkt am Körper getragen habe, sagte Meyer. Damit sei man gewissermaßen auf eine „individuelle Geschichte innerhalb des Kampfgeschehens“ gestoßen. Der Fundort befindet sich am Fuße des Hanges, auf dem sich Germanen und Römer  die blutigen Kämpfe lieferten. Möglicherweise hätten römische Soldaten einen verwundeten Kameraden aus dem Kampfbereich herausgezogen und ihm dann das Kettenhemd ausgezogen, um seine Wunden versorgen zu können. Denkbar sei auch, dass Germanen es nach den Kämpfen gezielt dort niedergelegt hätten.

pid

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